Katzmarek: „Jobs sichern, Energiewende schaffen“

Gernsbach (fk) – Gabriele Katzmarek ist die SPD-Kandidatin im Wahlkreis Rastatt: Ihre Steckenpferde sind unter anderem Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. Das BT war mit ihr in Gernsbach unterwegs.

Strukturwandel im Murgtal war prägend: Einst hat Katzmarek als Gewerkschaftssekretärin für die Belange der Menschen gekämpft. Seit 2013 tut sie dies im Bundestag. Foto: Florian Krekel

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Strukturwandel im Murgtal war prägend: Einst hat Katzmarek als Gewerkschaftssekretärin für die Belange der Menschen gekämpft. Seit 2013 tut sie dies im Bundestag. Foto: Florian Krekel

„Ich muss nicht jedem alles recht machen. Ich will für meine Ansichten und meine Überzeugung einstehen.“ Das klingt nach einem Satz, den jeder Politiker in seinem langen Leben mindestens 20 Mal sagt, besonders gerne vor Wahlen. Aber Gabriele Katzmarek (SPD) versucht, ihn mit Leben zu füllen.

Sie gibt sich auf ihrer Internetseite als gläserne Abgeordnete, die öffentlich macht, wie viel sie verdient und was sie an Abgaben zahlt. 61 sei sie, habe lange gearbeitet und ihren Lebensunterhalt verdient, sagt die Abgeordnete für den Wahlkreis Rastatt im BT-Gespräch in einem Café in der Gernsbacher Innenstadt. Da sei sie nicht wie so manch junger Berufspolitiker auf das Geld angewiesen – „und wenn mich dann einer wegen meiner Ansichten nicht wählen will, wählt er mich eben nicht.“

Daran, dass sie wieder in den Bundestag einziehen will, lässt sie aber keine Zweifel. Die SPD hat sie auf Platz elf der Landesliste gesetzt. Das sollte angesichts der aktuellen Stärke der SPD reichen, um ihr den Einzug in den Bundestag so oder so zu sichern.

Gewerkschaftsarbeit war prägend

Ein Freifahrtsschein ist das zwar nicht, aber ein Kompliment. Schließlich heißt das: Die SPD will sie im Bundestag behalten.

Das kann zum einen daran liegen, dass Katzmarek seit 2019 Parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion ist, zum anderen aber auch daran, dass sei als einzige Baden-Württembergerin bisher im Ausschuss für Wirtschaft und Energie sitzt und unter anderem stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales ist. Das mache sie zum „Bindeglied“ zwischen Wirtschaftspolitik und den Themen der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik.

Und genau das sei es, was ihr, der früheren Gewerkschaftssekretärin, besonders am Herzen liege und weshalb sie für das Treffen mit dem BT die Gernsbacher Innenstadt ausgewählt habe. „Ich habe die Zeit des Strukturwandels entlang der Murg voll mitbekommen, habe mit der Gewerkschaft und den Arbeitnehmern der Papierindustrie um deren Arbeitsplätze gekämpft. Das schweißt zusammen, schafft eine enge Verbindung.“ Noch heute werde sie dann und wann auf Märkten von Leuten angesprochen, die sie aus Gewerkschaftszeiten kennen – „einer wollte sogar mal, dass ich noch schnell über seinen neuen Arbeitsvertrag schaue.“

„Bei der Transformation der Wirtschaft und der Gesellschaft dürfen keine Arbeitsplätze wegfallen“

In der Gewerkschaft ist die im Ruhrgebiet geborene Frau längst nicht mehr tätig. Die Themen sind indes dieselben geblieben. „Bei der Transformation der Wirtschaft und der Gesellschaft dürfen keine Arbeitsplätze wegfallen“, sagt sie. Energiewende und Klimawandel dürften nicht zulasten von Jobs aufgearbeitet werden. Steuererhöhungen für Großverdiener, wie sie die SPD fordert, hält sie daher für richtig. Die Wirtschaft brauche Milliarden, um die Arbeitsplätze zu sichern, das Geld müsse aber irgendwo herkommen. „Und dabei müssen wir auch an die Zukunft denken: Wir können die künftigen Generationen nicht immer nur noch weiter belasten. Der Markt regelt das nicht alles von alleine“, unterstreicht sie.

Gärtnern als Hobby

Gleichzeitig macht sie mit Blick auf den Klimawandel klar: „Wir müssen die Transformation zu erneuerbaren Energien schaffen.“ Die Infrastruktur stärken und ausbauen, Verfahren für das Aufstellen von Windrädern beschleunigen. Deutschland müsse da besser werden. „Schließlich machen wir Politik für die Allgemeinheit und nicht für den, der am lautesten schreit.“ Am Herzen liegt ihr zugleich die bessere Verzahnung von Beruf und Familie – auch da gebe es noch Verbesserungspotenziale.

Mit Blick auf Mittelbaden sagt sie: „Wir sind stark.“ Wirtschaftlich wie sozial, das müsse beibehalten werden. Und auch, wenn der Bund nicht viel machen könne, wolle sie sich beim Thema PFC für die Menschen einsetzten: „Druck ausüben können wir trotzdem“.

In ihrer Freizeit gärtnert Katzmarek gerne, macht ab und an Musik im Freundeskreis. Für mehr Hobbys bliebe kaum Zeit, sagt die Mutter erwachsener Kinder.

Ihr Autor

BT-Redakteur Florian Krekel

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Erstellt:
10. September 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 55sec

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