Kaufhaus Peters in Bühl besteht seit 50 Jahren

Bühl (mf) – Sechs Wochen zu, statt Jubiläums-„Juhu“. Bernd Peters und seine Mitarbeiter hatten sich 2020 – wie eigentlich jeder – ziemlich anders festgestellt. In diesem Jahr wird das Bühler Traditionskaufhaus Peters 50. Corona hat den Feierlichkeiten aber erst mal einen Strich durch die Rechnung gemacht.

1970 wurde das Kaufhaus Peters in der Bühler Hauptstraße eröffnet. Bis heute ist es ein Familienbetrieb.  Foto: Fuß

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1970 wurde das Kaufhaus Peters in der Bühler Hauptstraße eröffnet. Bis heute ist es ein Familienbetrieb. Foto: Fuß

Das Jubiläumsjahr hatten sich Bernd Peters und seine Mitarbeiter vollkommen anders vorgestellt. Zum 50-jährigen Bestehen des Kaufhauses Peters in Bühl sollte es viele Aktionen und eine große Feierlichkeit geben. Stattdessen: Lockdown am 18. März. Für lange sechs Wochen musste in sämtlichen Peters-Kaufhäusern in der Region der Schlüssel umgedreht werden.
„Das war eine sehr schwierige und herausfordernde Zeit, und ich denke, das wird auch noch eine Weile so bleiben“, bewertet Geschäftsführer Peters die außergewöhnliche Situation. Seit Ende April ist das Leben im Bühler Jubiläumshaus wieder eingekehrt, zunächst aufgrund der 800-Quadratmeter-Regelung nur im Erdgeschoss, mittlerweile ist das ganze Haus wieder geöffnet „Wir sind froh, dass unsere Kunden wieder zu uns kommen können, dass wir für sie da sein dürfen. Es ist ein Anfang und alles andere bringt die Zeit“, so Peters. Dennoch, ein Kaufhaus, das ein halbes Jahrhundert erfolgreich ist, kann auch ein solches Ereignis nicht aus der Bahn werfen. Jetzt wird das Jubiläum eben etwas anders gefeiert. Erste Aktionen für die Kunden sind geplant.

1970 wurde das Kaufhaus in Bühl gegründet, nachdem gerade mal drei Jahre zuvor das Mutterhaus in Oberkirch entstanden war. „Heute würde man sagen, meine Eltern Karl und Helga Peters gründeten ein Start-up“, sagt Bernd Peters, der seit 2013 als alleiniger Geschäftsführer die Firma mit sieben Häusern an vier Standorten führt. Was ist das Geheimnis, das ein innerstädtisches Kaufhaus trotz allen Wandels in Handel und Gesellschaft ein halbes Jahrhundert erfolgreich sein lässt?

„Ein Erfolgsfaktor ist die Konsequenz, mit der wir an die Zielgruppe, unsere jeweiligen Kunden, denken“, sagt Bernd Peters. „Aus diesem Grund sind wir an jedem Standort anders aufgestellt.“ Neben Bühl und Oberkirch gibt es Häuser in Achern und in Freudenstadt. Dazu gehören außerdem die Planet P.- und PurPur Modelounge-Shops in Achern und Bühl. Das Kaufhaus in Achern am zentralen Adlerplatz wurde 1980 eröffnet, Freudenstadt fünf Jahre später. Gerade wegen der konsequenten Kundenorientierung wurde Freudenstadt während des Corona-Lockdowns umgebaut, die Flächen sind neu aufgeteilt und neu zugeordnet. Die Städte und damit die Kunden seien unterschiedlich geprägt, ebenso die Mitbewerberlage, so Peters. Überall gebe es eine Individualisierung, die das Kaufhaus leisten könne, da es als Familienbetrieb nicht einer Kette angehört.

Artikel, die nie ausgehen dürfen

Die maßgeschneiderten, standortgerechten Konzepte sind auch dadurch möglich, dass die einzelnen Häuser nicht als Filialen strukturiert sind, sondern eigenständig geführt werden. Das bedeutet unterschiedliche Sortimente und unterschiedliche Schwerpunkte. „Die Unterscheidung macht zwar manches schwierig, wie etwa eine übergreifende Werbung, aber damit können wir gut umgehen“, erklärt Catrin Hammig, die das Bühler Haus leitet. Eine andere Sache kommt hinzu, die Bernd Peters mit einem Fachwort erklärt. „Von Anfang an ist unser Angebot Chosen-lastig“. Chosen, das ist ein früher verwendeter Begriff für Wäsche, Strümpfe, Pullis und Hemden. Der beste Beleg für diese Spezialisierung ist das Bühler Kaufhaus, wo es eine besonders große Strumpf-Abteilung gibt.

Wie stellt sich nun ein solcher Familienbetrieb auf die Änderungen im Handel ein? Ein großer Umbruch sei die Pleite des Einkaufsverbands Kaufring zur Jahrtausendwende gewesen. Damals seien Lieferanten weggebrochen, die Beschaffung musste ganz neu aufgebaut werden. Während man einst, entsprechend den Jahreszeiten, vier Mal im Jahr einkaufte, haben sich die Zyklen völlig verändert. Heute wird in fast allen Bereichen monatlich neue Ware gekauft. Daneben gibt es die sogenannten „NOS-Artikel“, die „Never Out of Stock“, also nie ausgehen dürfen – etwa schwarze Socken Größe 42. Und es gibt Lieferanten, die selbstständig Flächen bewirtschaften. „Das wäre vor 20 Jahren undenkbar gewesen“, sagt Peters.

Hinter all diesen Vorgängen liegen komplexe Prozesse, die ständig überprüft und optimiert werden. Lange Lieferketten seien heute undenkbar, es gehe immer um Schnelligkeit. Die Corona-Zeit habe diese Logistik und die Lieferketten des weltweiten Beschaffungsmarktes ziemlich durcheinander gebracht. Alles müsse jetzt neu gedacht werden, dazu würden unzählige Lieferantengespräche geführt.

Vision: Verschmelzung von stationärem und Online-Handel

Muss aber ein solches Kaufhaus mit einem breit gefächerten Warenangebot nicht den Online-Handel fürchten? Auch hier richtet sich das Kaufhaus Peters neu aus. „Wir sind dran, wollen das aber richtig gut machen“. Peters ist davon überzeugt, dass der stationäre Einzelhandel vor Ort und der Online-Handel verschmelzen werden. Der Stadtbummel und die kompetente Beratung, der Online-Einkauf am Sonntag, die Verfügbarkeit und die Ansprechpartner vor Ort – diese Kombination hat aus seiner Sicht Zukunft und darauf richte man sich ein. Vor zehn Jahren seien sowohl das Kaufhaus als auch die Stadtmitte totgesagt worden. Mittlerweile sei das längst nicht mehr so. „Wir glauben an das Kaufhaus in der Stadtmitte. Die gesellschaftlichen Veränderungen sind enorm, aber da gehen wir mit und sind zuversichtlich, dass wir das für unsere Kunden hinbekommen.“

220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat Peters, darunter sieben Auszubildenden, die zum Textil-Betriebswirt, zur Einzelhandelskauffrau oder zur Gestalterin für visuelles Marketing ausgebildet werden. Die sechs Hausleitungs-Positionen sind mit vier Frauen besetzt.

Geschäftsführer Bernd Peters und Catrin Hammig, die das Bühler Haus leitet. Foto: Fuß

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Geschäftsführer Bernd Peters und Catrin Hammig, die das Bühler Haus leitet. Foto: Fuß

Ihr Autor

Martina Fuß

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Erstellt:
18. Mai 2020, 12:35 Uhr
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