Kein „Abwasser-Orakel“ in Rastatt

Rastatt/Baden-Baden (nad) – Stadt-und Landkreis sehen von Abwasser-Monitoring zur Corona-Früherkennung ab. Die Methode bringe „keinen echten Mehrwert in der Pandemiebekämpfung“.

Mit dem Abwasser-Monitoring will Karlsruhe dem Coronavirus einen Schritt voraus sein. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

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Mit dem Abwasser-Monitoring will Karlsruhe dem Coronavirus einen Schritt voraus sein. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt, kann auch im Abwasser beobachtet werden: In Karlsruhe wird bereits seit Jahresbeginn das sogenannte Abwasser-Monitoring angewandt, um die Coronalage schneller einschätzen zu können. Doch im Landkreis Rastatt findet die Methode wenig Anklang.

Denn laut Sébastien Oser, Leiter des Corona-Krisenstabs im Landratsamt Rastatt, bringt die Methode „keinen echten Mehrwert in der Pandemiebekämpfung“. Es habe durchaus Angebote von Unternehmen gegeben, die das Abwasser-Monitoring auch in Rastatt und Umgebung durchführen wollten. Doch nach intensiven Beratungen wurden alle Angebote abgelehnt.

Erkenntnisse der Proben lediglich „nice to know“

Eine elementare Frage konnte nämlich nicht zufriedenstellend beantwortet werden, wie Oser sagt: „Welche Folgen wären daraus zu schließen?“ Schließlich werden Corona-Maßnahmen seit geraumer Zeit in Stuttgart beschlossen, die dann für ganz Baden-Württemberg gültig sind, erklärt der Krisenstabsleiter. Da Landkreise im Vergleich zum Beginn der Pandemie keinerlei Spielraum mehr hätten, individuelle und unmittelbare Schutzmaßnahmen zu ergreifen, sei das „Abwasser-Orakel“, wie es Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) gerne nennt, daher kein wirkliches Hilfsinstrument.

Die Erkenntnisse der Proben sind lediglich „nice to know“, betont Oser im Gespräch mit dem BT. Zwar könne die Bevölkerung mit den Abwasser-Analysen sensibilisiert und vor einer neuen Infektionswelle gewarnt werden, aber auch seitens des Sozialministeriums gebe es keinerlei Daten oder Empfehlungen, sich am Abwasser-Monitoring zu orientieren. Deshalb wurde die Idee im Landratsamt nicht weiterverfolgt. Man habe „den Sinn darin nicht gesehen“, so Oser. Eine Überlegung, die für Oser mehr Sinn ergibt: Das Abwasser-Monitoring dann einzuführen, wenn die Pandemie am Abklingen ist, um frühzeitig zu erkennen, wenn plötzlich wieder vermehrt neue Fälle auftreten, und entsprechend schnell darauf reagieren zu können. „Da könnte man drüber nachdenken.“

Baden-Baden verzichtet ebenfalls auf die Methode: Der Zufluss ließe sich nicht in die verschiedenen Stadt- beziehungsweise Ortsteile unterteilen. Außerdem werde in der Gemeinschaftskläranlage auch Abwasser von Sinzheim und Bühl aufbereitet, erklärt Martin Weßbecher, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Stadtwerke Baden-Baden. „Somit ist eine klare Gebietszuordnung einer etwaigen Virenbelastung nicht möglich.“ Auch habe es keine Anfrage der zuständigen Fachbehörden gegeben.

Stadt Karlsruhe trägt Anteil der Kosten des A

In Karlsruhe entnehmen Mitarbeiter des Klärwerks zwei Mal pro Woche Abwasserproben. Das Verfahren ist Bestandteil eines Forschungsprojekts des Technologiezentrums Wasser (TZW). Einen „Anteil der Kosten für die Probenentnahme, Analytik und Auswertung der Ergebnisse“ trägt die Stadt Karlsruhe, wie Georg Hertweck von der Stadtpressestelle auf BT-Nachfrage erklärt.

Die Fächerstadt ist einer von wenigen bundesweiten Standorten, an denen auf diese Weise untersucht wird, wie stark und wo genau sich das Virus verbreitet. „Über das Abwasser erhalten wir im Prinzip auch die Dunkelziffer aller Infektionen, die ja vor allem mit fortschreitender Durchimpfung der Bevölkerung nie abschließend über Testungen nachgewiesen wird“, wird Prof. Dr. Andreas Tiehm, Abteilungsleiter bei der Wassermikrobiologie am TZW, in einer Pressemitteilung der Stadt Karlsruhe zitiert. Aus diesem Grund weicht die über das Abwasser generierte Infektionskurve unter Umständen auch von den gemeldeten Inzidenzen des Robert-Koch-Instituts ab, so die Mitteilung weiter.

Ihr Autor

BT-Volontärin Natalie Dresler

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Erstellt:
13. November 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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