Kein Ansturm auf mobile Luftfilter

Malsch (for) – Trotz der zugesagten Fördermittel für mobile Luftfilteranlagen verzeichnet Ali M. Sadeghi, ein Anlagenhersteller aus Malsch, bisher kaum zusätzliche Bestellungen.

Ali M. Sadeghi (Mitte) präsentiert eines seiner mobilen Luftreinigungsgeräte. Foto: Anne-Rose Gangl/Archiv

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Ali M. Sadeghi (Mitte) präsentiert eines seiner mobilen Luftreinigungsgeräte. Foto: Anne-Rose Gangl/Archiv

Zwar stehen in Baden-Württemberg nun die Sommerferien an, aber schon jetzt steht die Frage im Raum, wie der Schulbetrieb danach während der Corona-Pandemie weitergehen soll. Die Bundesregierung will den Einsatz mobiler Luftfilter in Schulen mit 200 Millionen Euro fördern, um Präsenzunterricht zu ermöglichen.

Malsch und Bischweier bereits ausgestattet

Auch von der baden-württembergischen Landesregierung gibt es für Schulen verschiedene Förderprogramme, die bereits 2020 zur Beschaffung mobiler Luftfilteranlagen angelaufen sind. Und dennoch: „Die Bestellungen für mobile Luftfilteranlagen sind noch überschaubar“, berichtet Ali M. Sadeghi, Geschäftsführer bei AFC Air Filtration und Containment in Malsch. Seine Firma ist auf Schwebstoff- und Luftfiltrationstechnik spezialisiert und stellt seit mehr als 15 Jahren hauptsächlich Filtersysteme für die Pharma- und Chemieindustrie her.

Bereits im September 2020 hat Sadeghi mit der Gemeinde Malsch Kontakt aufgenommen und kurz darauf einen Luftfilter-Prototypen im Gemeinderat vorgestellt. „Wir konnten die Mitglieder des Gemeinderats relativ schnell überzeugen“, blickt Sadeghi zurück. Daraufhin wurden in Malsch alle Schulen und Kitas mit mobilen Luftfilteranlagen ausgestattet. „Kurz darauf hat dann auch die Gemeinde Bischweier angefragt. Dort haben wir ebenfalls alle Zimmer der Schule und der Kita mit unseren Luftfiltergeräten bestückt.“

Viele Gemeinden zeigen sich zurückhaltend

Die Rückmeldungen seien durchweg positiv gewesen, betont Sadeghi. Die Geräte seien „einfach, leise und leistungsstark.“ Und dennoch zeigten sich viele andere Gemeinden nach wie vor skeptisch, wenn es um die Anschaffung von mobilen Filteranlagen geht. Dazu hat laut Sadeghi auch die Haltung des Deutschen Städtetags beigetragen, der sich öffentlich gegen einen flächendeckenden Einsatz von mobilen Luftfiltern in Schulen ausgesprochen hatte. „Das hat viele verunsichert“, klagt der Geschäftsführer.

Zusätzliche Schutzmaßnahme

Letztlich könne zwar keiner zu 100 Prozent sagen, wie groß der Nutzen von mobilen Filteranlagen tatsächlich sei, „aber eins steht fest“, so Sadeghi, „die Filter, die in einem Operationssaal für saubere Luft sorgen, können nicht schädlich sein.“ Alle Ecken und Kanten eines Raums könne man ohnehin nicht säubern, „aber wenn 85 Prozent der Raumluft durch den Filter geht, dann haben wir auch 85 Prozent der Partikel mit Bakterien und Viren, die in der Luft sind, herausgefiltert“, erklärt der Geschäftsführer. Und das sei in jedem Fall besser, als gar nichts zu tun. Gelüftet werden sollte – wenn möglich – aber weiterhin, merkt Sadeghi an, denn schließlich produzierten die Filteranlagen keinen Sauerstoff. Auch die übrigen Hygienemaßnahmen müssten weiterhin beachtet werden. „Die mobilen Luftfilter sind lediglich eine zusätzliche, aber effektive Schutzmaßnahme“, sagt er. Das hätte inzwischen auch die Bundesregierung erkannt und deshalb Fördermittel zugesagt.

Ansturm lässt auf sich warten

„Wir haben eigentlich mit einem Ansturm auf unsere mobilen Luftfilter gerechnet, vor allem nach der Zusage zahlreicher Fördermittel“, sagt Sadeghi gegenüber dem BT. Die Realität sei jedoch anders: „Die Resonanz ist da, die Anfragen sind da, aber die Gemeinden wollen sich einfach nicht festlegen und verbindlich bestellen.“ Natürlich spiele hier auch der Preis eine große Rolle, aber mit knapp 2.000 Euro pro Filteranlage liege AFC Air Filtration und Containment GmbH vergleichsweise im Rahmen. Laut Sadeghi werden vergleichbare Geräte in Deutschland teilweise für 3.000 bis 4.000 Euro verkauft. „Ich verstehe, dass der Kostenfaktor eine Rolle spielt, aber wir sollten nicht vergessen, dass unsere Kinder die wichtigste Kapitalanlage sind“, betont er.

In den Einrichtungen, die Sadeghi bereits mit mobilen Luftfiltern ausgestattet hat, stünden nun die ersten Wartungsarbeiten an. Sadeghi empfiehlt, die Filter alle sechs Monate zu wechseln. Ein neuer Filter koste etwa 300 Euro. Bei den mobilen Luftfilteranlagen von AFC Air Filtration und Containment ist pro Gerät jeweils ein Filter verbaut. „Das ist ein Vorteil gegenüber Anlagen, bei denen mehrere Filter verbaut sind“, so der Experte.

Lange Lieferzeiten für Materialien

Letztlich müssten Gemeinden und Kommunen als Schulträger über die Anschaffung der Luftreiniger entscheiden. Doch bis der Gemeinderat eine endgültige Entscheidung fällt, könne mitunter viel Zeit vergehen, weiß Sadeghi aus Erfahrung. Mit Blick auf den Herbst könnte das zeitlich knapp werden, denn für die Materialbeschaffung gebe es teilweise Lieferzeiten von bis zu zwölf Wochen und länger. „Da sollte jetzt schnell reagiert werden, damit wir das nötige Material rechtzeitig bestellen können“, sagt der Experte. Zwar habe er noch Material auf Lager, „aber wenn eine Gemeinde in der Größenordnung von Malsch Filteranlagen für alle Schulen und Kitas bestellt, reicht das natürlich nicht aus“. Viel mehr Material möchte Sadeghi aber nicht auf Vorrat bestellen, denn schließlich seien mobile Luftfilteranlagen nicht sein Hauptgeschäft. „Wir haben diese Anlagen produziert, um etwas gegen die Pandemie und für die Gesellschaft zu tun“, betont er. Profitiert habe er davon bisher aber nicht.


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