Kein Baugrund: Gartenstadt weicht aufs Umland aus

Rastatt (hr) – Weil die Baugenossenschaft Gartenstadt in Rastatt kaum noch Baugrund findet, weicht sie ins Umland aus.

Auch das Projekt Murg-Carrée trägt zur positiven Bilanz der Baugenossenschaft Gartenstadt bei. Foto: Willi Walter

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Auch das Projekt Murg-Carrée trägt zur positiven Bilanz der Baugenossenschaft Gartenstadt bei. Foto: Willi Walter

Trotz Corona zeigten sich der Aufsichtsratsvorsitzende Dirk Jung und Vorstand Oliver Krause erfreut, dass viele Mitglieder der Baugenossenschaft Gartenstadt der Einladung zur Jahreshauptversammlung gefolgt waren. Aus Sicht von Jung war das Geschäftsjahr 2019 ein besonderes, konnte die Gartenstadt doch ihr 110-jähriges Bestehen feiern.
Jung dankte den Mitgliedern für ihre überdurchschnittliche Beteiligung an einer Umfrage und die gute Bewertung der Arbeit der Mitarbeiter. Nachdem in den vergangenen Jahren die schlechte finanzielle Lage eine Bautätigkeit nicht erlaubt habe, sei die Baugenossenschaft mit einer Bilanzsumme von 33,13 Millionen Euro, einem Bilanzgewinn von 52.000 Euro und einem Jahresüberschuss von 526.000 Euro inzwischen dazu in der Lage, betonten Jung und Krause. Beide bedauerten, dass Stadtverwaltung und Gemeinderat zwar auf kostengünstige Wohnungen drängten, aber andererseits der Gartenstadt bei ihren geplanten Baumaßnahmen nur Steine in den Weg legten, zuletzt mit der Veränderungssperre im Zay.

Das Gesamtkapital der Genossenschaft verzeichne eine erneute deutliche Steigerung. Das positive Ergebnis sei in erster Linie dem Verkauf von Erbbaurechten zu verdanken, ohne deren Beiträge die Bilanz negativ ausgefallen wäre.

603 Mietwohnungen im Bestand

Mangels Bauflächen in Rastatt will sich die Baugenossenschaft Gartenstadt mit ihrer Tochtergesellschaft im Umland engagieren. Vereinbart sei bereits, dass die Sparkasse Rastatt-Gernsbach und die Baugenossenschaft Gartenstadt Rastatt in partnerschaftlicher Zusammenarbeit als Bauherrengemeinschaft ein modernes Ärzte- und Wohnhaus in zentraler Ortskernlage in Bietigheim erstellen. Vermieten wolle man die Praxisflächen an mindestens drei Allgemein- und Fachärzte, ferner sind mehrere Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen vorgesehen.

Das Geschäftsjahr 2019 war wieder von der Strategie geprägt, die Gebäude der Baugenossenschaft zu erhalten und unter energetischen Gesichtspunkten zu sanieren. Unter diesem Aspekt erfolgte die komplette Sanierung der Augustastraße 93 und der Carl-Schurz-Straße 4 bis 6. Weitere kleinere Maßnahmen sowie eine Reihe von Wohnungsmodernisierungen komplettieren die Aktivitäten im Bereich der Instandhaltung. Insgesamt hat die Baugenossenschaft 2019 fünf Millionen Euro in den Gebäude- und Wohnungsbestand investiert.

Als nächstes werden mit 3,2 Millionen Euro 39 Wohnungen im größten Gebäude der Genossenschaft am Friedrichring 6 komplett erneuert. Weiterhin erfolgen Sanierungsmaßnahmen Am Gedenkstein 5 bis 7 und in der Sibyllenstraße 14. Zusätzlich werden im Zuge der Kernsanierung des Gebäudes An der Ludwigsfeste 48/Gartenstraße 2 zehn neuwertige Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen entstehen. Wenn auch die Ertragslage insgesamt zufriedenstellend sei, müssten die Erlöse aus der Hausbewirtschaftung in den kommenden Jahren gesteigert werden, um das erforderliche Ausgabenvolumen tragfähig zu finanzieren, hieß es. Das werde nur mit Neubauprojekten möglich sein, betonte Krause.

Die durchschnittliche Nettokaltmiete betrug 5,92 Euro pro Quadratmeter. Während sich die Ausgaben für Instandhaltung zwischen 2011 und 2019 verzehnfacht hätten, seien die Mieten nur um drei Prozent jährlich angestiegen. Aktuell hat die Genossenschaft 1.541 (1.589 im Vorjahr) Mitglieder und verwaltet 603 Mietwohnungen mit einer Wohnfläche von 44.906 Quadratmetern.

Ohne Gegenstimmen genehmigten die Mitglieder den vom Verband baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen geprüften Jahresabschluss und stimmten einer Dividende von zwei Prozent je Anteilsschein zu.

Bei den anstehenden Wahlen für den Aufsichtsrat wurden Brigitte Schäuble und Otto Tepper einstimmig und Michael Scholze mit einer Gegenstimme für weitere drei Jahre im Amt bestätigt.

Auf die Ehrung langjähriger Mitglieder der Baugenossenschaft innerhalb der Mitgliederversammlung hat der Vorstand mit Rücksicht auf die Einschränkungen durch Corona verzichtet. Alle im Geschäftsbericht aufgeführten langjährigen Mitglieder sollen mit der Post ihre Urkunde und einen Gutschein erhalten.


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