Kein Heimatministerium in Baden-Württemberg

Von BT-Korrespondentin Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Stuttgart (bjhw) – Die CDU hatte den Wunsch geäußert, im Südwesten ein Heimatministerium unter CDU-Führung einzurichten. Damit bleibt auch die Blasmusik weiterhin unter der Obhut von Theresia Bauer.

Kein Heimatministerium in Baden-Württemberg

Mit der Entscheidung der Regierungskoalition bleiben auch Musikvereine unter der Obhut des grün-geführten Wissenschaftsministeriums. Foto: Annerose Gangl

NRW hat eins, die Bayern haben eins und auch der Bund, weil Innenminister Horst Seehofer die Idee aus dem Süden importierte. Auch in Baden-Württembergs CDU regte sich der Wunsch, den Grünen als elftes Ressort ein Heimatmuseum abzuringen.

Daraus wird nun endgültig nichts mehr, auch nicht informell. Denn die neue Ministerin für Wohnen und Landesentwicklung muss doch auf eine Zuständigkeit verzichten, die das Ressort so recht hätte abrunden können. Anders als geplant wird die Blasmusik nicht herausgelöst aus der Laienmusik und bleibt im grün-geführten Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

Wunsch der CDU gescheitert

Seit Winfried Kretschmann 2016 die Grünen zur „neuen Baden-Württemberg-Partei“ ausgerufen hat, reagieren Teile der CDU pikiert, wenn sie die schwarzen Kreise gestört sehen. So im Dezember 2018, als der Ministerpräsident unter dem Motto „Daheim schwätzen die Leut – Gegenwart und Zukunft der baden-württembergischen Dialekte“ alles, was in der Welt der Mundarten Rang und Namen hat, in die Landeshauptstadt einlud, um über das schützenswerte Kulturgut zu reden. Kretschmann nannte Dialekte damals „mobile Heimat“. Die CDU hätte den Begriff und dessen Deutung gern neu besetzt – mit einem eigenen Ressort.

Dazu hätten allerdings auch andere Bereiche als nur die Blasmusik ins elfte Ressort wandern müssen. Vorstellbar wäre das Vertriebenenreferat aus dem Innenministerium gewesen, aber auch Breitenkultur oder das Referat Garten, Obst und Weinbau aus dem Ministerium für ländlichen Raum, das allerdings ohnehin schon die Landesentwicklung abgeben musste. Oder der Tourismus, der zurück zum Wirtschaftsministerium gewandert ist.

Rastatter CDU-Abgeordneter froh über Entscheidung

Er sei jedenfalls sehr froh, so der Musikwissenschaftler und Rastatter CDU-Landtagsabgeordnete Alexander Becker, dass es dazu nicht kam. Der Präsident des Blasmusikverbands und frühere CDU-Minister Rudolf Köberle hält es sogar für „sachlich und emotional völlig abwegig“, die Blasmusik aus dem Kunstministerium herauszulösen. Selbst die um eine zusätzliche Aufgabe beraubte Ministerin begrüßt die Lösung. Sie habe „intern dafür geworben“, bekennt Nicole Razavi, „dass Blasmusik und Laienmusik beieinanderbleiben.“ Und Wissenschaftsministerin Theresia Bauer findet ohnehin richtig, dass die Blasmusik im Kontext der Amateurmusik zu ihrem Haus gehört. Eine Zuständigkeit hat die CDU dann aber doch noch erobert, allerdings fürs Innenministerium. Seit 1978 werden im Land Heimattage veranstaltet, bisher begleitet vom Staatsministerium. 2021 ist Radolfzell an der Reihe. Ab sofort ist als Minister der CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl zuständig, auch weil er seinerseits wesentliche Teile des wichtigen Themas Migration an das von Europa und dem Tourismus befreite Justizressort abgeben musste.