Kein Microsoft Office mehr an Schulen

Baden-Baden (kos) – Kultusministerin Theresa Schopper hat sich gegen den Einsatz von Microsoft Office 365 an Schulen ausgesprochen. Grund sind massive Bedenken beim Datenschutz der US-Software.

Digitale Medien werden in der Schule immer wichtiger. Das wirft auch datenschutzrechtliche Fragen auf. Foto: Marijan Murat/dpa

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Digitale Medien werden in der Schule immer wichtiger. Das wirft auch datenschutzrechtliche Fragen auf. Foto: Marijan Murat/dpa

Für eine digitale Bildungsplattform hat das Kultusministerium in einem Pilotprojekt geprüft, ob der Einsatz von Microsoft Office datenschutzrechtlich vertretbar ist. Jetzt folgt das Kultusministerium der Empfehlung des Landesdatenschutzbeauftragten Stefan Brink, das Microsoft-Paket nicht zu verwenden. Ein pauschales Verbot der Software bedeutet das allerdings nicht.

„Der nun eingeschlagene Weg nützt Schülerinnen und Schülern, Eltern sowie Lehrkräften“, kommentiert Stefan Brink die Entscheidung des Kultusministeriums. Der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (LfDI) hatte bereits im vergangenen Mai wegen Bedenken beim Datenschutz davon abgeraten, ein speziell konfiguriertes Microsoft-Paket in den baden-württembergischen Schulen einzusetzen. In einer Mitteilung im Mai kam Brink zu dem Schluss, dass der „Einsatz der nun erprobten Microsoft-Dienste im Schulbereich als inakzeptabel hoch“ einzustufen ist. Nicht betroffen seien dagegen Programme wie Moodle, Sesam oder Threema.

Suche nach Alternativen läuft

Diese Einschätzung vertritt Brink auch weiter nach der Prüfung. Fragen des Datenschutzes seien nach wie vor ungeklärt, was gerade bei Schülern von besonders hoher Bedeutung sei, heißt es in einem Schreiben des Kultusministeriums an die Schulen. Das bestätigt auch Fabian Schmidt, Pressereferent des Kultusministeriums, dem BT.

Unter die Bedenken fällt unter anderem, wo die Daten von Schülern, Eltern und Lehrkräften gespeichert würden und ob es sich dabei um Drittstaaten handelt. Gerade bei den personenbezogenen Daten im Schulbereich gehe es um „besonders sensible“ Informationen, heißt es weiter. Die Tatsache, dass die Verantwortlichen des Softwareentwicklers diese Frage nicht transparent beantworten konnten, sei besonders bei im Schulkontext äußerst „heikel“, Schmidt anmerkt.

Projekt verzögert sich weiter

Den Schulen, die bereits jetzt Microsoft-Programme verwenden, könne der Einsatz allerdings nicht pauschal untersagt werden, heißt es in einer Mitteilung des Kultusministeriums. Das betrachtet Wolfgang Held, Leiter des Staatlichen Schulamts Rastatt, als „Kompromiss zwischen dem Kultusministerium und dem Landesdatenschutzbeauftragten.“

Für das Projekt einer datenschutzkonformen Bildungsplattform muss nun nach Alternativen gesucht werden. Um diese zu finden, müssen die entsprechenden Komponenten neu ausgeschrieben werden. Das werde frühestens nach den Sommerferien der Fall sein. Das bedeutet in der Folge allerdings auch, dass sich das Projekt voraussichtlich verzögern wird. Wie lange das dauern wird, war nach gestrigem Stand noch nicht genau absehbar. Bis eine Lösung gefunden ist, will Brink die Schulen weiterhin datenschutzrechtlich beraten.

Ihr Autor

BT-Volontär Konstantin Stoll

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Erstellt:
22. Juli 2021, 18:57 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 08sec

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