(K)ein Stern für Xavier Naidoo?

Rastatt (dm) – Xavier Naidoo, einst gefeierter Star der deutschen Musikszene, macht fast nur noch durch krude Aussagen Schlagzeilen. Landtagsabgeordneter Jonas Weber (SPD) fordert nun, die ihm gewidmete Würdigung auf dem „Walk of Fame“ vor der Badner Halle Rastatt zu entfernen.

Xavier Naidoos Stern sinkt: Laut Landtagsabgeordnetem Jonas Weber (SPD) soll die Würdigung vor der Badner Halle wegen rechtsextremer Äußerungen entfernt werden. Foto: Melcher

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Xavier Naidoos Stern sinkt: Laut Landtagsabgeordnetem Jonas Weber (SPD) soll die Würdigung vor der Badner Halle wegen rechtsextremer Äußerungen entfernt werden. Foto: Melcher

Der Kasus Xavier Naidoo erreicht nun auch Rastatt. Dem einst vom „Mainstream“ gefeierten und inzwischen in krude Verschwörungswelten abgestürzten Sänger ist vor dem Eingang zur Badner Halle ein Stern im sogenannten „Walk of Fame“ gewidmet. Dieser erinnert an einen Auftritt Naidoos in Rastatt zu einer Zeit, als dieser gerade zu einem Star der deutschen Musikszene aufgestiegen war. Nun aber fordert SPD-Landtagsabgeordneter Jonas Weber die Entfernung dieses Sterns.

Vor einigen Wochen schon haben Stadtrat Harald Ballerstaedt und er mit OB Hans Jürgen Pütsch darüber gesprochen, so Weber; gestern nun bekräftigte er die Bitte schriftlich. „Nach den bekannten Ereignissen und Äußerungen des Musikers“, so heißt es in dem Schreiben an Pütsch, „halte ich eine Würdigung für absolut nicht angebracht.“

Naidoo, einst gegen Rassismus engagiert, schwimmt inzwischen – das ist entsprechenden Äußerungen zu entnehmen –, immer tiefer im Fahrwasser rechtsextremer Ideologie und Verschwörungsmythen.

Mit Flüchtlingsfeindlichkeit, Reichsbürger-Nähe, Leugnung rechtsextremer Gewalt ist sein Name inzwischen verbunden. Dass Deutschland kurz vor dem Untergang stehe und ein starker Mann fehle. Dass reiche Eliten angeblich Kinder gefangen halten, um den Stoff Adrenochrom aus ihrem Blut zu gewinnen (der in Wirklichkeit einfach im Labor hergestellt werden kann): Ein solches Gemisch verbreitet der populäre 48-Jährige bevorzugt über die Internet-Plattform Telegram.

Jonas Weber zufolge ist eine Würdigung Naidoos „einer Stadt, die für die Freiheitsbewegung in der deutschen Geschichte steht, nicht würdig und widerspricht ihrem Selbstverständnis als Symbolstadt für Freiheit und Demokratie.“ Und: Rastatt habe die Verpflichtung, „alles dafür zu tun, dass der Ruf der Stadt nicht beschädigt wird“. Vor allem, da vermehrt rechtslastige Äußerungen in den sozialen Medien zur Unterstützung von Xavier Naidoo zu lesen seien. Der Stadtrat und Landtagsabgeordnete: „Es ist an der Zeit, hier Haltung zu zeigen“ – und den Stern „baldmöglichst“ zu entfernen.

Die Stadt hat hierzu noch keine Entscheidung gefällt, wie die Pressestelle auf Nachfrage des BT mitteilte. Die Sache werde noch intern abgestimmt.

Die Söhne Mannheims, deren Sänger Xavier Naidoo viele Jahre war, haben sich inzwischen von ihm distanziert und getrennt. 2017 waren sie in Rastatt noch gemeinsam bei der „A-Rock-Night“ zum 25-jährigen Bestehen des Mercedes-Benz-Werks aufgetreten.

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Erstellt:
25. Juni 2020, 10:51 Uhr
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