Kein Tag wie jeder andere in Ötigheim

Von BT-Redakteurin Anja Groß

Ötigheim (as) – Am Tag nach der Bürgermeisterwahl wollte Frank Kiefer in Ötigheim weitermachen wie immer – ohne Erfolg. Im Wahlausschuss wirkt derweil Ärger über die Landesregierung nach.

Kein Tag wie jeder andere in Ötigheim

Nun steht dank eines Feuerwehr-Einsatzes auch der Bürgermeister-Maien für Frank Kiefer vor dem Rathaus. Foto: Frank Vetter

Frank Kiefer wollte am Montag eigentlich gleich zur Tagesordnung übergehen: Amtsleiterbesprechung, Videokonferenz, Termine. Doch da spielte das Rathausteam nicht mit: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten für ihren alten und neuen Chef am Tag nach der Wiederwahl eine interne, coronakonforme Überraschungsfeier organisiert – und der war im BT-Gespräch noch ganz überwältigt von der Wertschätzung, die ihm damit entgegengebracht wurde.Überhaupt müsse er die Ereignisse vom Wahlabend noch etwas sacken lassen, bekannte Kiefer. Dass so viele Wegbegleiter auch in Pandemie-Zeiten persönlich gekommen waren und sich mit ihm und seiner Familie freuten, bedeute ihm viel. „Man merkt, man hat im Lauf der Zeit mehr Mitstreiter gewonnen“, wertet Kiefer das als Anerkennung der guten Zusammenarbeit. Ausgeklungen sei der Abend bei einem Glas Sekt im Kreis der Familie und mit dem Muggensturmer Kollegen Dietmar Späth. Mehr lässt die Corona-Verordnung bedingt durch die hohe Inzidenz im Landkreis Rastatt gerade nicht zu, was Kiefer sehr bedauert, der gerne mit allen richtig gefeiert hätte.

Mitarbeiter verschenken Erholungswochenende

Der Folgetag begann für den Bürgermeister dann wie in vielen Familien gestern früh: Kinderbetreuung für den Jüngsten, „weil meine Frau zur Arbeit musste und wir uns entschieden haben, die Notbetreuung in der Kita nicht in Anspruch zu nehmen“. An Ausruhen nach der stressigen Zeit mit Wahlkampf und Verwaltungsarbeit sei derzeit nicht zu denken, so Kiefer. Umso mehr freute er sich über das Erholungswochenende in Baiersbronn, das die Mitarbeiter ihm und seiner Frau schenkten. Zudem bekam er ein Fotobuch mit Reimen als Rückblick auf die vergangenen acht Jahre – „bewegend, was wir so alles erlebt haben“. Die vielen Glückwünsche per Mail, SMS, Telefon oder Messengerdienste wolle er später in Ruhe beantworten, so Kiefer, für den die Feuerwehr am frühen Montagabend wie versprochen den Bürgermeister-Maien vor dem Rathaus aufstellte – ebenfalls coronabedingt ohne großes Tamtam.

Keine Reaktion aus StuttgartIn ganz anderer Weise wirkte der Wahltermin beim Wahlausschuss noch nach: Christian Dittmar und Markus Rapp ärgerten sich auch im Nachhinein noch darüber, dass das Land es nicht ermöglichte, Landtags- und Bürgermeisterwahl – wie von der Gemeinde beantragt – in der Pandemie auf einen Termin zu legen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Der Grund sind wohl Fristen, die die Gemeindeordnung festlegt – zwischen Amtsantritt und Wahltermin. Diese hätten in Ötigheim im Gegensatz zu Hügelsheim, wo die Bürgermeisterwahl zusammen mit der Landtagswahl stattgefunden hat, nicht eingehalten werden können.

Auf ein entsprechendes Schreiben mit der Bitte um eine Entscheidung vom 16. Dezember 2020 – per Einschreiben an Ministerpräsident Winfried Kretschmann persönlich – hätten sie keinerlei Reaktion erhalten, so Dittmar, der ebenso wie Markus Rapp „null Verständnis für das sture Festhalten an Paragrafen“ hat, die man in der Pandemie sonst überall aushebele.

In Ötigheim nutzten 1.110 Bürger die Briefwahl, das entspricht etwas mehr als der Hälfte aller abgegebenen Stimmen (2.099).