Kein Treffer an ZDF-Torwand

Baden-Baden (rap) – Zum Trost gibt’s ein Kuba-Trikot: Agit Selvi gelingt an der ZDF-Torwand kein Treffer.

Kunstschuss: Agit Selvi probiert beim letzten Versuch den Rabona-Trick, doch der Ball findet nicht den Weg durch das Loch. Foto: Moritz Hirn/Screenshots ZDF

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Kunstschuss: Agit Selvi probiert beim letzten Versuch den Rabona-Trick, doch der Ball findet nicht den Weg durch das Loch. Foto: Moritz Hirn/Screenshots ZDF

Im Oktober legte Agit Selvi ein Traumsolo wie einst Diego Maradona bei der WM 1986 hin, ließ mehrere Gegenspieler aussteigen und vollendete cool ins Tor. Der Lohn: eine Einladung für die ZDF-Torwand im „Aktuellen Sportstudio“. Am späten Samstagabend war es nun so weit: Gegen 0.50 Uhr flimmerte Selvis großer Auftritt über die Mattscheibe, und der 27-Jährige eiferte einer weiteren Fußballlegende nach – dem Brasilianer Pelé.

Doch in diesem speziellen Fall hätte der Mittelfeldspieler des A-Kreisligisten Kickers Baden-Baden gerne darauf verzichtet, denn Selvi gelang an der legendären Torwand, wo „Kaiser“ Franz Beckenbauer einst den Ball von einem Weizenbierglas aus durch die Reuse manövrierte, kein Treffer. „Direkt danach war ich schon etwas geknickt, aber ein Mitarbeiter des Senders hat mich aufgebaut und mir gesagt, dass auch Pelé an der Torwand ohne Treffer blieb“, sagt Selvi und fügt schelmisch an: „Also hat es ja nichts mit der Qualität zu tun.“

Wettstreit auf Augenhöhe

Sondern vielleicht ja mit der richtigen Schuhwahl, wie sich hinterher trefflich spekulieren lässt. Vor der Sendung kam der Hügelsheimer mit seinem Gegner an der Torwand, Peter Hyballa, ZDF-Taktikexperte und seit kurzem Trainer des polnischen Erstligisten Wisla Krakau, ins Gespräch. „Der war richtig cool drauf, total locker, wie auch Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein. Da hat der Ottonormalbürger gesehen, dass die auch nur mit Wasser kochen“, plaudert Selvi über das erste Zusammentreffen mit dem Duo im coronabedingt leeren Aufnahmestudio. Dabei wurde auch eine Gemeinsamkeit sichtbar: Selvi und Hyballa trugen die gleichen Sportschuhe. „Da hab‘ ich mir gedacht, dass es ein Wettstreit auf Augenhöhe wird, unter gleichen Bedingungen“, erklärt Selvi, der beim Übungsdurchgang souverän noch zwei Treffer gelandet hatte.

Im Gespräch mit Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein lässt Agit Selvi sein Tor nochmal Revue passieren. Foto: Moritz Hirn/Screenshots ZDF

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Im Gespräch mit Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein lässt Agit Selvi sein Tor nochmal Revue passieren. Foto: Moritz Hirn/Screenshots ZDF

Doch als aus Übung schließlich Ernst wurde, überraschte Hyballa seinen Kontrahenten aus Mittelbaden plötzlich mit einem anderen Schuhwerk. „Da hat er mich ganz schön ausgetrickst“, sagt der 27-Jährige und lacht. Mit Erfolg: Der Fußballlehrer legte unten zwei Treffer vor, da „stieg der Druck natürlich ganz schön – und die Nervosität auch“, rekapituliert Selvi. Der Mittelfeldstratege versuchte zu kontern, doch seine drei Versuche verfehlten knapp das Ziel. „Da wusste ich, dass es ganz schön schwer werden würde, Peter noch zu besiegen.“

Rabona-Trick zum Abschluss

Doch Hyballa ließ dem Amateurfußballer noch den Hauch einer Chance, vergeigte alle drei Versuche oben an der Torwand. Startete Selvi also eine Aufholjagd wie der FC Liverpool im Champions-League-Finale 2005 gegen den AC Mailand? Mitnichten. Auch der Kickers-Spieler strauchelte oben, setzte die ersten beiden Versuche recht deutlich daneben. „Da meine Niederlage feststand, hab‘ ich mir gedacht, dass ich den TV-Zuschauern zum Schluss jetzt auch ein kleines Schmankerl bieten kann“, erklärt Selvi. Also packte er den Rabona-Trick aus, einen Kunstschuss, bei dem sich das Schussbein hinter dem Standbein gegen den Ball bewegt. Selvi traf das runde Leder satt, das Richtung Loch flog, aber an der unteren Kante hängenblieb. „Leider ist der nicht reingegangen, im Probedurchgang hatte es noch geklappt. Vielleicht war ich doch zu nervös“, sagt Selvi, zumal er und sein Begleiter Tarik Tarhan, der das Traumsolo Mitte Oktober filmte, coronabedingt nicht im Studio sitzen durften, sondern hinten im Wartebereich: „Das war natürlich ein bissel schade, aber das ZDF hat alles bestens organisiert. Das Hotel war super, das Catering gut und es war spannend, mal so einen Ablauf einer Sendung mitzubekommen: In der Maske zu sitzen und verkabelt zu werden“, blickt Selvi zurück, der sich aufgrund seiner Nullnummer an der Torwand der einen oder anderen Frotzelei von Freunden ausgesetzt sah. „Mein Ex-Trainer beim FC Lichtental hat sich gemeldet und gemeint, dass ich eben kein Stürmer bin“, nennt Selvi ein Beispiel.

Zumindest blieb die Torwand stehen, schließlich spekulierten einige Teamkollegen aufgrund seiner satten Schusstechnik, dass er die Wand zusammenbomben würde. „Zumindest das ist mir nicht gelungen“, witzelt Selvi.

Und ganz mit leeren Händen trat Selvi die Rückreise von Mainz nach Mittelbaden nicht an, sondern mit einem Versprechen. „Peter Hyballa hat zugesichert, mir ein Trikot von Jakub ,Kuba‘ Błaszczykowski zu schicken, der spielt nämlich bei ihm in Krakau“, sagt Selvi. „Was will man mehr? Es war ein spannender, unvergesslicher Tag.“ Auch ganz ohne Treffer an der Torwand.

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