„Kein Verständnis fürs Hinhalten“

Bühl (galu) – Das Gastgewerbe ist ohnehin kein Zuckerschlecken, das weiß jeder Wirt. Durch das Corona-Virus hat sich die Lage jedoch nochmals drastisch verändert. Wochenlang waren Gaststätten und Kneipen auch in Bühl geschlossen, gerade kleinere Betriebe stehen finanziell vor Problemen. Nun aber soll im Laufe des Monats die Öffnung wieder erlaubt werden – selbstverständlich unter Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen.

Thomas Strotz ist für die Öffnung unter Auflagen vorbereitet – würde sich jedoch klarere Vorgaben wünschen. Foto: L. Gangl

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Thomas Strotz ist für die Öffnung unter Auflagen vorbereitet – würde sich jedoch klarere Vorgaben wünschen. Foto: L. Gangl

Doch wie genau diese aussehen sollen, das weiß noch keiner so genau. „Wir sind für alles gerüstet, wenn es denn klare Vorgaben geben würde“, berichtet Jürgen Kohler, Vorsitzender der Kreisstelle Bühl des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) und Inhaber des Hotel-Restaurants Engel in Vimbuch. „Wir haben alle den Drang danach, zu öffnen. Aber die großen Fragen bleiben: Unter welchen Bedingungen wird das stattfinden? Werden die Leute es überhaupt annehmen?“

Nach wochenlanger Zwangsschließung gibt es immerhin einen Lichtblick für viele Gastronomen: Ab dem 18. Mai dürfen sowohl Innen- als auch Außenbereiche von Speisegaststätten wieder geöffnet werden. So gab es die Landesregierung in ihrer Pressemitteilung vom 7. Mai bekannt. Für reine Trinkkneipen und Bars gibt es jedoch nach wie vor keinen genauen Starttermin.

„Für dieses Hinhalten habe ich kein Verständnis“, sagt Martin Foshag. Der Geschäftsführer der „Heimat“ in der Bühler Innenstadt würde sich eine klare Linie der Regierung wünschen, auch um sich optimal vorbereiten zu können. Wie viele Gastronomen fühlt er sich durch das Fehlen dieser ein wenig alleine gelassen. „Wir haben das Glück, einen schönen Biergarten zu haben“, so Foshag. Andere Betriebe hätten es da durchaus schwerer.

Ist die Öffnung überhaupt rentabel?

„Es wird trotz allem eine schwierige Zeit“, weiß Philippe Schützenbach, Inhaber des Gasthaus Schwanen in der Schwanenstraße. „Weniger Tische bedeuten automatisch weniger Gäste, aber das bei gleichbleibenden Betriebskosten.“ Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit stellt sich auch Kohler: „Gerade kleinere Gaststätten müssen sich jetzt fragen: Lohnt es sich für mich überhaupt?“

Trotz allem dürfe man den Kopf nicht in den Sand stecken, so Schützenbach. „Wir werden so gut es geht mit den Vorgaben weitermachen, wenn es denn dann welche gibt“, sagt der Schwanen-Inhaber.

„Ich gehe und blicke nach vorne“, sagt Thomas Strotz bestimmt. Er hat seine Gaststätte „Zur Quetsch“ an der Hauptstraße bereits für alle Eventualitäten gerüstet: Mit Absperrbändern hat er eine Einbahnstraßenregelung eingeführt, der Mindestabstand ist auf dem Boden markiert, ein Schild weißt auf die Maskenpflicht und die einzuhaltenden Abstände hin. Außerdem gibt es einen Spuckschutz sowie einen Desinfektionsmittelspender direkt an der Theke. „Trotzdem weiß keiner, ob das genug ist. Wir können nur hoffen, dass es Anfang nächster Woche eine genaue Regelung gibt“, so der Quetsch-Wirt.

„Wir haben hier in der Gegend die Krise bisher im Großen und Ganzen gut überstanden“, sagt Kohler. „Aber die finanziellen Defizite aus der jetzigen Zeit werden noch über die nächsten Jahre spürbar sein“, da ist sich der Dehoga-Vorsitzende der Region sicher.

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Erstellt:
9. Mai 2020, 14:30 Uhr
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