Kein „bereinigter“ Inzidenzwert für Rastatt

Rastatt (naf) – Das diffuse Infektionsgeschehen im Landkreis Rastatt verhindert eine Neuberechnung der Ansteckungen – der Inzidenzwert kann laut Sozialministerium nicht nach unten korrigiert werden.

So lange die Inzidenz im Landkreis Rastatt über 100 liegt, bleiben die Geschäfte geschlossen. Auch eine andere Auslegung der Verordnung kann da nicht helfen.Symbolfoto: Jens Büttner/dpa

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So lange die Inzidenz im Landkreis Rastatt über 100 liegt, bleiben die Geschäfte geschlossen. Auch eine andere Auslegung der Verordnung kann da nicht helfen.Symbolfoto: Jens Büttner/dpa

88 am Freitag, 136 am Montag und 36 gestern: Das hiesige Gesundheitsamt verzeichnet täglich neue Infizierte, vor allem die Stadt Rastatt treibt den Inzidenzwert des Landkreises nach oben. Eine „bereinigte“ Version der Zahlen gibt es nicht.

Kann ein Landkreis seinen Inzidenzwert „bereinigen“? In Calw ist man zumindest davon ausgegangen. Auslöser ist eine flexible Auslegung der Coronaverordnung, in der es heißt, dass bei der Bewertung der Inzidenzwerte „das Gesundheitsamt die Diffusität des Infektionsgeschehens angemessen berücksichtigen“ kann, sprich: Das Gesundheitsamt definiert, wie diffus das Infektionsgeschehen in seinem Zuständigkeitsgebiet ist. Kommt es zu einzelnen Ausbruchsgeschehen beispielsweise in Kindergärten, Altenheimen oder Großfamilien, müssen diese nicht zwangsläufig in den Inzidenzwert eingerechnet werden – er wird davon bereinigt. So ermöglichte Calw vor rund einer Woche weitere Lockerungen wie die Öffnung des Einzelhandels. „Wir haben in Teilen ein diffuses Infektionsgeschehen, in maßgeblichen Teilen aber auch ein abgrenzbares Ausbruchsgeschehen, welches wir unter Kontrolle haben“, erklärte Landrat Helmut Riegger damals.

Nur bei singulären Ausbruchsgeschehen

Der etwas andere Weg des Calwer Gesundheitsamts hat auch in Mittelbaden für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Warum gehe man nicht den gleichen, wenn allein Ausbrüche in der Stadt Rastatt den hiesigen Inzidenzwert nach oben drücken? „Die Ausnahme greift nur bei einem singulären Ausbruchsgeschehen, für ein zweites gibt es keinen Spielraum“, begründet Benjamin Wedewart, Sprecher des Landratsamts Rastatt, die Einschränkungen im Landkreis. Auch eine BT-Anfrage beim Sozialministerium bestätigt: „Ein nicht diffuses Geschehen liegt nur vor, wenn eine größere Zahl an Infektionen in einer einzelnen Einrichtung vorliegt“. Nur in Ausnahmefällen könne das eine Abweichung von den Schwellenwerten der Öffnungsschritte rechtfertigen, sagt Pressereferent Florian Mader. Von einem diffusen Infektionsgeschehen sei hingegen die Rede, „wenn es sich um eine flächendeckende Ausbreitung des Virus im gesamten Landkreis mit kleineren Ausbruchsgeschehen in verschiedenen Settings handelt“ – so auch im Landkreis Rastatt.

„Wenn man das Geschehen im Griff hätte, dürfte die Gesamtinfektion nicht steigen“, sagt Mader außerdem – so auch in Calw: Ab heute müssen dort Einzelhandel und Co. wieder schließen – „auf Weisung des Sozialministeriums“, wie es in einer Pressemitteilung von Montag heißt. Landrat Riegger stellt jedoch klar: „Wir sind weiterhin der Auffassung, dass nicht die reinen Inzidenzwerte ausschlaggebend für Lockerungen sein dürfen.“ Auch in Rastatt sind sie das, und täglich kommen neue Infektionszahlen dazu. Was genau das für die Arbeit im Gesundheitsamt bedeutet und wie ausgelastet dieses aktuell ist, dazu konnte das Landratsamt gestern keine Auskunft geben.

Ihr Autor

BT-Volontärin Nadine Fissl

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Erstellt:
17. März 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 16sec

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