Keine Abbrecherwellen im Lehramtsstudium

Karlsruhe/Pforzheim (kos) – Die kommende Lehrergeneration steht wegen Corona vor großen Herausforderungen. Dennoch bleibt die Zahl der Lehramtsstudenten an den Hochschulen weiterhin stabil.

Neben den Schülern haben auch angehende Lehrer die Folgen von Corona deutlich zu spüren bekommen.  Foto: Felix Kästle/dpa-tm

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Neben den Schülern haben auch angehende Lehrer die Folgen von Corona deutlich zu spüren bekommen. Foto: Felix Kästle/dpa-tm

Schulschließungen, Online-Vorlesungen und kaum Praxiserfahrung: Die Lehramtsausbildung, für die menschlicher Kontakt essenziell ist, findet nun seit über einem Jahr fast ausschließlich digital statt. Studenten stehen dann vor der Frage: Abbrechen oder Durchhalten? Nachforschungen zeigen eine optimistische Stimmung: Von Abbrecherwellen kann keine Rede sein.

„Wir haben alles gemacht“, erklärte Christian Gleser, Prorektor für Studium und Lehre der Pädagogischen Hochschule (PH) Karlsruhe. Von Hochschulseite sei alles Mögliche dafür unternommen worden, damit Studenten trotz Corona ihr Studium ohne größere Einschränkungen durchziehen können.

Die Corona-Folgen seien zwar auch an der PH Karlsruhe spürbar, sagte der Prorektor. Allerdings seien aufgrund der Pandemie keine besonderen Fluktuationen bei den Studentenzahlen zu bemerken. Ein gewisser Prozentsatz käme zwar mit dem Online-Studium erwartungsgemäß schlechter zurecht als andere, erklärte Gleser. Das sei aber zu keinem flächendeckenden Problem geworden. Spürbar sei jedoch der Bedarf an psychologischer Beratung, der mit der Krise deutlich gestiegen sei.

Positives aus der Krise ziehen

Der Trend gehe dank der aktuellen Inzidenzen allerdings in eine vielversprechende Richtung, so der Tenor bei Gleser. Mittlerweile sind auch wieder Schulpraktika möglich, womit Studenten die notwendige Praxiserfahrung im Umgang mit den Schülern sammeln können. „Die Leute stecken den Kopf nicht in den Sand“, sagte Gleser. „Das würden wir merken“, fügte er hinzu. Abgesehen von einer üblichen Abbrecherquote von etwa 20 bis 25 Prozent, die auch vor Corona normal gewesen sei, sei kein Schwund zu verzeichnen.

hnliches bestätigte auch die PH Freiburg. Dort halten sich unmittelbare Pandemiefolgen in der Studentenzahl ebenfalls in Grenzen, teilte Georg Brunner, Prorektor für Studium und Lehre, mit. Bewerberzahlen hätten zudem schon vor Corona eine sinkende Tendenz gezeigt. Das sei aber auch durch doppelte Abiturjahrgänge und geburtenschwächere Jahrgänge zu erklären, fügte Brunner hinzu.

Digitalisierung als Chance gewertet

Mit Blick in die Zukunft äußerte der Karlsruher Prorektor Gleser die Hoffnung, dass der Digitalisierungsschub in den Schulen für Lehrer und Schüler gleichermaßen eine „Riesenchance“ darstelle. Aus der Krise etwas Positives zu schöpfen – gerade was das digitale Lehren und Lernen betrifft – sieht auch Brunner positiv. Die Online-Lehrveranstaltungen an den Hochschulen könnten die jetzigen Lehramtsanwärter zudem zu einer besseren Online-Lehre befähigen, sollte die Pandemie noch deutlich länger dauern. Die Lernlücken der Schüler könnten zudem bewirken, dass der individuelle Fördergedanke bei den angehenden Lehrern deutlich gestärkt wird, sagte Gleser.

Die Stimmung unter den Lehramtsanwärtern, die ein auch ohne Corona schon arbeitsaufwendiges Referendariat absolvieren, deckt sich nach Angaben der Lehrerseminare in Karlsruhe und Pforzheim mit den Beobachtungen der Hochschulen. Gerhard Sutor, Direktor des Lehrkräfteseminars in Pforzheim, betonte die hohe Bereitschaft der Referendare, sich der „besonderen Situation zu stellen und positiv mit ihr umzugehen“. Auch aus dem Karlsruher Ausbildungsseminar für Werkreal-, Haupt- und Realschule hieß es trotz großer Einschränkungen, dass niemand den Vorbereitungsdienst pandemiebedingt beendet habe. Bei all den Hindernissen, die Corona der jüngeren Generation in den Weg legt, hält sich der Frust unter den angehenden Lehrern also in Grenzen.

Ihr Autor

BT-Volontär Konstantin Stoll

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Erstellt:
30. Juni 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 31sec

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