Keine Angst vor neuen Wegen

Baden-Baden (kie) – Heiko Mathias Förster wird der neue Chefdirigent der Philharmonie Baden-Baden. Am Dienstag stellte er sich bei einem Pressegespräch der Öffentlichkeit vor.

Bereit für einen Neuanfang: Heiko Mathias Förster wird ab September 2022 Nachfolger von Pavel Baleff. Foto: Franziska Kiedaisch

Bereit für einen Neuanfang: Heiko Mathias Förster wird ab September 2022 Nachfolger von Pavel Baleff. Foto: Franziska Kiedaisch

Heiko Mathias Förster macht nicht den Eindruck, als ließe er sich von neuen Wegen verunsichern. Vielmehr ist dem zukünftigen Chefdirigenten der Philharmonie Baden-Baden, der ab der Spielzeit 2022/23 als Nachfolger von Pavel Baleff das Orchester leiten wird, die Freude über die neuen Aufgaben in der Kurstadt anzumerken: Bei einem Pressegespräch, das am Dienstag anlässlich seiner einstimmigen Wahl durch den Gemeinderat am Montagabend erfolgte, sprach Förster von einer „tiefen Zuneigung zum Orchester“ und von „neuem Wind in der Region und Stadt“.

Spätestens seitdem er nach der politischen Wende sozusagen über Nacht wegen der Flucht des amtierenden Chefdirigenten der Brandenburger Symphoniker mit gerade einmal 23 Jahren den Chefposten vor Ort übernommen hat, ist Förster gewohnt, ins sprichwörtlich kalte Wasser geschmissen zu werden. Nicht nur die Leitung eines Orchesters, sondern auch der gesellschaftliche Wandel in Ostdeutschland waren im Jahr 1989 für den jungen Dirigenten Momente des Neuanfangs und der Veränderung:

„Das hat mich abgehärtet“, sagt Förster. Und weiter: „Ich bin froh, dass ich diesen schweren Weg bekommen habe“. Am Ende ist Förster zehn Jahre in Brandenburg an der Havel geblieben. Es folgten weitere Stationen in Chefpositionen bei renommierten Orchestern im In- und Ausland, so bei den Münchener Symphonikern, der Neuen Philharmonie Westfalen oder der Janacek Philharmonie Ostrava (Tschechien). Im Jahr 2017 gründete Förster die Prague Royal Philharmonic, wo er als Chefdirigent tätig ist. Das Engagement vor Ort wird parallel zu seiner fünfjährigen Anstellung in Baden-Baden auch weiterhin bestehen – allerdings stellt Förster klar: „Das ist dann nicht länger mein Orchester, sondern mein Orchester heißt dann Philharmonie Baden-Baden“.

Mehr als 4.500 Konzerte dirigiert

Der ausgewiesene Opernspezialist und gut vernetzte Orchesterchef hat in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 4.500 Konzerte dirigiert, was ihm im Bewerberfeld laut Kulturbüro der Stadt „eine Alleinstellung“ zugewiesen habe. Seit elf Jahren kennt Förster die Philharmonie und hat bereits unterschiedliche Programme mit dem Orchester erarbeitet.

Oberbürgermeisterin Margret Mergen, die in der Findungskommission für die Suche nach einem neuen Dirigenten saß, betonte während der Vorstellung von Förster die enge Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen Orchester und Stadtverwaltung und den hohen organisatorischen Aufwand. Das Auswahlverfahren, an dessen Beginn 80 Bewerber standen, sei eine „sehr, sehr intensive Phase für alle Beteiligten“ gewesen. Orchestermanager Arndt Joosten attestierte allen vier Dirigenten der Finalkonzerte ein „unglaublich hohes Niveau“; man habe versucht, die Bewerber durch die Werkauswahl und die Zusammenarbeit mit jungen Solisten auf die Probe zu stellen – alle hätten diese Aufgabe mit Bravour gemeistert.

Doch schließlich fiel die Wahl auf Förster: Bei den Abstimmungen seien Orchester und Findungskommission „fast immer synchron“ gewesen, so Joosten. Ein Umstand, den auch Konzertmeister Yasushi Ideue betonte: Es sei nicht selbstverständlich, dass das Orchester bei solch einer Entscheidung mitsprechen dürfe: „Ich bin sehr dankbar und glücklich darüber. Wenn man so anfängt, gibt das eine gute Basis“.

Nun sei es auch an der Philharmonie, Baleff einen „schönen Abschied“ zu bescheren, denn: „Ohne einen schönen Abschied gibt es keinen schönen Anfang“. Innerhalb der vergangenen 15 Jahre sei das Orchester mit ihm gewachsen: „Und nun wollen wir mit einem neuen Chef weiterwachsen“, so Ideue. Mergen ergänzte, dass Baleff „sehr einverstanden mit der Entscheidung“ sei.

Gute Arbeitsbedingungen und fehlende sprachliche Barrieren

Nun stehen die Zeichen also auf Neuanfang: Förster umschreibt die Argumente für Baden-Baden als einen „großen Topf“: Gute Arbeitsbedingungen seien darin zu finden, die auch aus der finanziellen Absicherung des Orchesters resultierten, oder die Sprachsituation, die es ihm erlaube, sich über „sein Innerstes anständig austauschen zu können“ – was ihm in Tschechien teilweise fehle.

Eine wichtige Aufgabe sieht Förster im historischen Erbe der Philharmonie: Bei der Werkauswahl etwa möchte er das umfangreiche Archiv des Orchesters durchstöbern, um besonders jene Stücke zur Aufführung zu bringen, die bereits in der Vergangenheit im kurstädtischen Repertoire lagen: „Da sehe ich eine wichtige Aufgabe für mich. Ich könnte mir einen Schubert-Zyklus vorstellen“, nennt er ein Beispiel. Auch Kooperationen mit Stars der Opernszene seien sicher „wichtige Schwerpunkte“, so Förster. Hier verfüge die Philharmonie ja bereits selbst über viel Erfahrung.

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Förster blickt optimistisch in die Zukunft und freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem Orchester. Foto: Franziska Kiedaisch

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Förster blickt optimistisch in die Zukunft und freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem Orchester. Foto: Franziska Kiedaisch

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BT-Redakteurin Franziska Kiedaisch

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Erstellt:
29. Juni 2021, 22:00 Uhr
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