Keine Ausbrüche aus Gefängnissen in den vergangenen sechs Jahren

Baden-Baden (fk) – Aus den Gefängnissen im Land ist in den vergangenen sechs Jahren kein Häftling geflohen – wohl aber bei Terminen, für die Gefangene an Orte außerhalb der JVA mussten.

Mauern und Gitterstäbe der Gefängnisse bieten oft keine Chancen zur Flucht. Anders sieht es aus, wenn die Häftlinge zu Terminen nach außerhalb müssen. Foto: Oliver Berg/dpa

© dpa

Mauern und Gitterstäbe der Gefängnisse bieten oft keine Chancen zur Flucht. Anders sieht es aus, wenn die Häftlinge zu Terminen nach außerhalb müssen. Foto: Oliver Berg/dpa

August 2004: In der JVA Mannheim kratzt ein Insasse mit seinem Essbesteck den Mörtel von der Zellenwand, hämmert und stemmt einen Steinquader aus der Mauer. So gelangt er in den Hof, der seinerseits von einer Mauer umgeben ist. Doch der Mann ist vorbereitet: Aus seinem Bettgestell hatte er sich eine Leiter gebastelt, mit der er auf und schließlich über die Mauerkrone klettert. Ein spektakulärer, aber letztlich sehr seltener Fall. Denn tatsächlich gibt es nur wenige Gefängnisausbrüche im Land – und wenn überhaupt dann zumeist bei Aufenthalten außerhalb der JVA, etwa bei Therapiemaßnahmen.

Eine Flucht 2020

So zumindest lassen sich die Antworten Interpretieren, die das baden-württembergische Justizministerium auf BT-Anfrage verlauten lässt. Demnach sei aus dem geschlossenen Vollzug in den vergangenen sechs Jahren kein einziger Gefangener entflohen. Anders sieht das außerhalb der Mauern und Gitterstäbe der rund 25 Justizvollzugseinrichtungen im Land aus. „Bei Aus- und Vorführungen ist in diesem Jahr ein Gefangener entwichen“, erklärt Ministeriumssprecher Robin Schray. Im vergangenen Jahr sei zwar kein Häftling aus dem Gewahrsam von Vollzugsbediensteten entkommen, allerdings „kam es 2019 zu drei Entweichungen im Rahmen von Ausantwortungen aus dem Gewahrsam anderer Behörden“, erklärt Schray in verklausuliertem Juristendeutsch. Heißt im Klartext: Drei Gefangene sind bei Aufenthalten außerhalb des Gefängnisses, bei denen die Aufsichtspflicht nicht bei Justizbeamten lag, getürmt. Zwei von ihnen sind Schray zufolge immer noch flüchtig.

Rund 2.500 „Aus- und Vorführungen“ pro Jahr

Zieht man die Zahlen und Vorfälle der zurückliegenden Jahre hinzu, könne man dem Ministerium zufolge durchaus zu dem Ergebnis kommen, dass eben solche Aufenthalte außerhalb des Gefängnisses bevorzugt zur Flucht- oder zu Fluchtversuchen genutzt werden. Rund 2500 solcher „Aus- und Vorführungen“ gebe es pro Jahr im baden-württembergischen Vollzug.

Gelinge einem Sträfling die Flucht, versuchten zunächst die begleitenden Beamten ihn wieder einzufangen und verständigten schließlich die Polizei. „Diese leitet anschließend etwaige Fahndungsmaßnahmen in eigener Zuständigkeit, gegebenenfalls nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft, ein“, skizziert Schray die normale Vorgehensweise.

Zum Artikel

Erstellt:
18. September 2020, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 01sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.