Keine Beweise für Straftat

Gernsbach (stj) – In einem Strafprozess vor dem Amtsgericht Gernsbach konnte einem angeklagten Hobby-Tierhalter aus dem Murgtal kein Verstoß gegen Tierschutzgesetz nachgewiesen werden.

Wie acht Schafe der Herde eines Murgtäler Tierhalters im Mai 2019 zu Tode gekommen sind, bleibt auch nach dem Prozess vor dem Amtsgericht Gernsbach ungeklärt. Foto: Stephan Juch

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Wie acht Schafe der Herde eines Murgtäler Tierhalters im Mai 2019 zu Tode gekommen sind, bleibt auch nach dem Prozess vor dem Amtsgericht Gernsbach ungeklärt. Foto: Stephan Juch

Auch der zweite Verhandlungstag ließ am Amtsgericht Gernsbach einige Fragen offen. Nicht jedoch die nach einer Bestrafung des Angeklagten: Ihm konnte kein Verstoß gegen Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes nachgewiesen werden, weshalb er freigesprochen wurde. Ihm war vorgeworfen worden, im Mai 2019 acht seiner Tiere auf einer Weide in Staufenberg ohne vernünftigen Grund zu Tode gebracht zu haben. „Von der Anklage blieb letztlich nichts übrig“, betonte der Verteidiger nach dem Ende der Beweisaufnahme. Sogar die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hatte dies in ihrem Plädoyer festgestellt.

Entsprechend fiel das Urteil von Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch aus. Allerdings betonte er darin, dass „die ganze Sache nicht ganz sauber war“. Denn der Angeklagte hatte ursprünglich behauptet, die Tiere seien ohne Fremdeinwirkung gestorben, später gegenüber dem Veterinäramt in Rastatt aber angegeben, dass ein Bekannter die acht Schafe mit dem Bolzenschussgerät getötet habe. Letzteres konnte im Zuge der Beweisaufnahme durch die Aussage eines weiteren Schäfers aber entkräftet werden. Der 35-Jährige gab an, beim Abtransport der toten Schafe zur Tierkörperbeseitigungsanlage geholfen zu haben. Diese seien nicht mit dem Bolzenschuss zu Tode gekommen, versicherte er und stützte die These des Angeklagten, ein Befall mit dem Gedrehten Magenwurm sei für das Ableben der Tiere ursächlich gewesen.

Warum wurde kein Tierarzt kontaktiert?

Ins Rollen gebracht hatte das Strafverfahren das Rastatter Veterinäramt, nachdem es eine Meldung der Tierkörperbeseitigungsanlage Neckar-Franken erhalten hatte, das in den Jahren 2018 und 2019 Anlieferungen von toten Tieren des Angeklagten im unteren zweistelligen Bereich dokumentiert hat. Die Amtstierärztin sagte als Sachverständige im Zeugenstand aus. Sie nannte die Häufung der Vorkommnisse beim Angeklagten „ungewöhnlich“ und wies darauf hin, dass die Herde des Hobby-Schäfers erst im April 2019 – also wenige Wochen vor dem Tod der acht Schafe – gegen den Parasit (Gedrehter Magenwurm) behandelt worden war. Von daher sei es der Tierärztin zufolge „sehr unwahrscheinlich“, dass es so kurz darauf schon zu einem Befall kommen würde, auch wenn es nicht gänzlich auszuschließen sei. Nicht zuletzt stelle sich der Veterinärin die Frage, warum der Tierhalter angesichts von acht toten Schafen auf einmal keinen Tierarzt kontaktiert habe? Auf diese Fragen gab es im Verlauf des Verfahrens keine plausiblen Antworten.

Von daher sei die Frage nach der Ursache und auch die Einleitung eines entsprechenden Verfahrens erst mal berechtigt, betonte Richter Koch. Auch der angebliche Parasitenbefall erscheine ihm nicht wirklich schlüssig. Darum gehe es aber in einem Strafprozess nicht, dort benötige man Beweise – in diesem Fall für einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. „Keiner war wirklich dabei, als die Tiere starben oder hat es gesehen“, erläuterte auch die Staatsanwaltschaft: „Letztlich wissen wir nicht, woran die Tiere gestorben sind.“

Das unterstrich der Rechtsanwalt auf der anderen Seite. Weil es keine Dokumentation seitens der Tierkörperbeseitigungsanlage gebe, wisse man nicht mal genau, wie alt oder schwer die toten Schafe im Detail waren. Alle Juristen sahen daher keinen Beweis dafür, dass der Angeklagte lebensfähige Tiere grundlos getötet haben soll.


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