Keine Brutstätten für Asiatische Tigermücke

Speyer/Baden-Baden (vn) – Experten wollen den Plagegeist genauer unter die Lupe nehmen und planen im Sommer ein Monitoring entlang des Rheins. Bürger können zudem präventiv tätig werden.

Aggressiver Plagegeist: Die aus Asien stammende Tigermücke sticht auch tagsüber. Foto: Stephan Jansen/dpa/Archiv

© dpa/dpaweb

Aggressiver Plagegeist: Die aus Asien stammende Tigermücke sticht auch tagsüber. Foto: Stephan Jansen/dpa/Archiv

Die Rheinschnake begnügt sich im Wesentlichen mit den Überschwemmungsgebieten des Flusses, um ihre Eier abzulegen. Die Asiatische Tigermücke ist wählerischer: Sie nutzt offene Regentonnen, vollgelaufene Topfuntersetzer, herumstehende Gießkannen oder andere künstliche Wasserbehältnisse als Brutstätte. Damit dieser gefährliche Plagegeist den Menschen in ihren eigenen Gärten nicht zu sehr auf die Pelle rückt, wollen Experten jetzt handeln.
Die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) mit Sitz in Speyer hat am Montag eine Kampagne angekündigt, um neue und bisher nicht bekannte Populationen der aus Südostasien eingeschleppten Art zu entdecken. Zwischen Mitte Juli und September beginnt ein Monitoring in den Mitgliedsgemeinden in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen, teilte die Kabs mit.

Konkret sollen Brutstätten imitiert werden, die für die Tigermücke attraktiv erscheinen. „Trächtige, zur Eiablage bereite Weibchen werden angelockt und legen ihre Eier auf ein angebotenes Holzstäbchen. Dieses Stäbchen wird in regelmäßigem Turnus eingesammelt und darauf abgelegte Eier unter dem Mikroskop bestimmt.“

Um zu verhindern, dass sich die Falle selbst in eine Brutstätte verwandelt, wird dem enthaltenen Wasser der biologische Wirkstoff Bti beigesetzt. So werde die Larvenbrut abgetötet, sollten Eier nicht auf dem Stäbchen, sondern beispielsweise auf der Innenwand der Falle selbst abgelegt werden.

Mit Blick auf die Debatte um ökologische Folgewirkungen des Bti-Einsatzes betont die Arbeitsgemeinschaft: „Bei der Eiablagefalle handelt es sich um eine ökologische Stechmückenfalle, denn nur sehr wenige andere Vertreter der Mücken (...) nutzen das Holzstäbchen ebenfalls zur Eiablage. Da das Wasser im Fallenkörper für alle weiteren Organismen vollkommen ungiftig ist, dient die Falle im Sommer sogar als Trinkstätte für Eidechsen oder als Brutort für Mistbienen.“

Mit Fallen kann die Kabs nur einen kleinen Teil ihres Gebiets untersuchen, das heute ganz grob von Mainz bis Breisach reicht und mehr als 90 Kommunen umfasst. Auch personelle Grenzen sind natürlich zu beachten. Daher spielt jede per Post eingesendete Stechmücke und jedes per E-Mail gesendete Foto eine große Rolle, um weitere Einblicke zu erhalten. „Asiatische Tigermücken besitzen keine braunen oder grauen Schuppen“, erklärt die Kabs. „Stattdessen besitzen sie nur schwarze oder silberweiße Schuppen. Der Name geht auf die deutlich gestreifte Musterung der Hinterbeine zurück.

Regenauffangbehälter mit Netz abdecken

Die Bürger sind zudem aufgefordert, präventiv tätig zu werden. „Um die Verbreitung zu verhindern, können alle unnötigen wassergefüllten Brutstätten entfernt werden. Andere Gefäße, auf die nicht verzichtet werden kann, können trocken gelagert werden“, empfiehlt die Kabs. „Regenauffangbehälter sollten mit einem Netz abgedeckt werden.“

Die auch tagsüber stechlustige Tigermücke ist nicht nur ein Plagegeist, sondern auch ein potenzieller Überträger von Krankheitserregern, etwa des Dengue-, Zika- oder Chikungunya-Virus. Allerdings ist mit einem Stich nicht automatisch eine Übertragung verbunden, wie das Robert-Koch-Institut vergangenes Jahr erklärt hatte. Dazu gehören mehrere Faktoren. Allerdings kam es in Südfrankreich bereits zu einigen Fällen von Dengue-Fieber.

Das Coronavirus kann nach heutigem Stand der Forschung von der Asiatischen Tigermücke nicht auf den Menschen übertragen werden.

Ihr Autor

BT-Redakteur Volker Neuwald

Zum Artikel

Erstellt:
17. Mai 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 30sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.