Keine Milde für 82-jährigen Dieb

Gernsbach (ham) – Ein 82-jähriger Dieb wollte seine Geldstrafe senken lassen – doch er erschien nicht vor dem Amtsgericht Gernsbach. Nach diesem Eigentor erhöhen sich seine Kosten zusätzlich.

Eie 82-jähriger Gernsbacher, der mit seinem Elektroroller auf Diebestour war, muss nun noch mehr bei Gericht zahlen.  Symbolfoto: Oliver Berg/dpa

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Eie 82-jähriger Gernsbacher, der mit seinem Elektroroller auf Diebestour war, muss nun noch mehr bei Gericht zahlen. Symbolfoto: Oliver Berg/dpa

Ein 82-Jähriger hatte im Gernsbacher Rewe-Einkaufsmarkt Lebensmittel und Socken mitgehen lassen. Das fiel trotz seiner Behinderung auf, die geplante unerkannte Flucht auf seinem Elektroroller misslang. Daraufhin wurde der Bewohner eines Wohnstifts zu einer Geldstrafe von 2 000 Euro verurteilt. Die 50 Tagessätze zu 40 Euro erschienen dem Senior als zu happig, weshalb er Einspruch gegen die Höhe einlegte.

Doch als die Verhandlung am Montag beim Amtsgericht Gernsbach anstand, tauchte der Verurteilte nicht auf. Zwar entschuldigt durch seine Tochter, weil der Vater „schlecht zu Fuß“ sei – aber so „wird es nicht billiger, wenn man nicht kommt“, stellte Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch während des kurzen Ausharrens nach Sitzungsbeginn klar.

Dabei half es auch nichts, dass der 82-Jährige am Telefon betont hatte, dass „ich weiß, dass ich Scheiße gebaut habe“, wie Koch berichtete. Weil der Lenker des Seniorenmobils zudem „15 Einträge, meist wegen Diebstahls in Rastatt und Gernsbach“ auf dem Kerbholz hat, sah der Richter auch „keinen Altersdefekt“ als Entschuldigungsgrund beim Verurteilten, sondern habe dieser „ein Problem mit der Rechtstreue“.

Mit dem Staatsanwalt war sich der Gernsbacher Richter daher einig: „Der Einspruch wird verworfen.“ Koch meinte gar ungeachtet des hohen Alters und der Behinderung, der Delinquent „muss froh sein, dass er keine Freiheitsstrafe erhielt“. Die Verfahrenskosten, die etwas weniger als 100 Euro betragen, bekam der Verurteilte nun zusätzlich aufgebrummt. Eine nochmalige Berufung sei zwar möglich, „wird sich aber nicht lohnen, weil der Mann die Tat zugab“, rät Koch dem Elektroroller-Fahrer von einem erneuten Anlauf wegen weiterer Verfahrenskosten ab.

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Erstellt:
30. September 2020, 15:55 Uhr
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