Keine Öffnungsperspektive für Friedrichsbad

Baden-Baden (nof) – Das Warten aufs Dampfbadvergnügen geht weiter: Im Gegensatz zur Caracalla-Therme, die vom verregneten Sommer profitiert, hat das Friedrichsbad keine konkrete Öffnungsperspektive.

Das Friedrichsbad befindet sich seit eineinhalb Jahren im unfreiwilligen Dornröschenschlaf. Foto: Nico Fricke

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Das Friedrichsbad befindet sich seit eineinhalb Jahren im unfreiwilligen Dornröschenschlaf. Foto: Nico Fricke

Während sich die Caracalla-Therme wieder über langsam steigende Besucherzahlen freuen kann, gibt es für das Friedrichsbad auch weiterhin keine Öffnungsperspektive. Seit Beginn der Corona-Pandemie vor gut eineinhalb Jahren und dem ersten Lockdown ist das römisch-irische Bad im Herzen der Innenstadt geschlossen.
„Wir können unseren Gästen derzeit auch gar keine Perspektive bieten“, sagt Cornelia Buchmüller, bei der Carasana-Bäderbetriebe GmbH für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. „Wir dürfen nicht öffnen. Das ist eine politische Entscheidung.“ Die aktuelle Corona-Verordnung untersagt die Öffnung. Demnach dürfen zwar Saunabetriebe und Saunabereiche betrieben werden – was der Caracalla-Therme zugutekommt. Doch der Betrieb von Anlagen mit Aerosolbildung, insbesondere Dampfbäder, Dampfsaunen und Warmlufträume ist weiterhin untersagt. „Und das Dampfbaderlebnis ist wesentlicher Bestandteil des Friedrichsbads“, sagt Buchmüller. Doch das besondere Merkmal wird dem weltbekannten Traditionsbad nun zum Verhängnis. Während andere Einrichtungen ihre Dampfbadbereiche geschlossen lassen und vermehrt auf Sauna-Angebote setzen könnten, sei ein eingeschränkter Betrieb im Friedrichsbad mit seinem einzigartigen Angebot nicht möglich, erklärt Buchmüller: „Dabei laufen die Kosten seit eineinhalb Jahren weiter, ohne dass den Ausgaben Einnahmen gegenüberstehen.“ Das Bad könne mit seiner Technik nicht einfach auf Null zurückgefahren werden. So bestehe die Gefahr, dass der historische Fliesenspiegel Schaden nehme, wenn die Heizung ausgeschaltet werden würde. „Deshalb ist es notwendig, dass Teile der Heißluftbäder weiter in Betrieb bleiben und auf konstanter Temperatur gehalten werden.“ 20.000 Euro an Kosten komme monatlich allein durch die Fernwärmenutzung zustande, gibt Buchmüller ein Beispiel.

Die zurückliegende Zeit sei auch deshalb sehr herausfordernd gewesen, „weil niemand wusste, wie lange der Lockdown andauert, was auch eine Planung schwierig gestaltet hat“. Ein siebenstelliger Betrag auch mit Mitteln der Bäder- und Kurverwaltung (BKV) sei zwischenzeitlich in Revision und neue Lüftungsanlagen investiert worden. „Wir wollen gewappnet sein und alles dafür tun, dass wir auch loslegen können, wenn wir es wieder dürfen“, betont Buchmüller. Die Corona-Verordnung werde ja immer mal wieder verändert.

Doch selbst wenn die Politik den Betrieb des Dampfbades wieder erlauben würde, könnte das historische Friedrichsbad nicht sofort wieder an den Start gehen. „Das Hochfahren der Anlagen benötigt eine Vorlaufzeit von rund acht bis zwölf Wochen“, schätzt Buchmüller. „So eine Situation gab es ja noch nie.“

Menschen wollen etwas unternehmen

Während die Perspektive für das Friedrichsbad noch sehr mau aussieht, läuft zumindest der Bade-und Sauna-Betrieb in der Caracalla-Therme ein paar Meter weiter wieder. „Da sind wir mit dem Verlauf zufrieden“, sagt Buchmüller. „Die Besucherzahlen sind nach wie vor nicht vergleichbar mit Normalzeiten, aber deutlich besser als nach dem ersten Lockdown im vergangen Jahr. Damals wollten die Leute nicht wieder raus.“ Jetzt merke man, dass die Menschen wieder etwas unternehmen wollen. „Außerdem spielt uns der sehr thermenfreundliche Sommer in die Karten“, sagt Buchmüller schmunzelnd und verweist auf den eher kühlen und verregneten Sommer.

Auch seien die Corona-Auflagen zuletzt weiter entschärft worden, freut sich Buchmüller: „Das Personal befindet sich immer auf einem schmalen Grat zwischen Regelüberwachung und dem Versuch, den Gästen einen möglichst ungetrübten Besuch zu ermöglichen.“

Mit der Situation des Friedrichsbades hatte sich kürzlich auf FDP-Stadtrat Rolf Pilarski befasst: „Gerade nach der Anerkennung unserer Stadt als Welterbe ist es besonders schmerzlich, dieses Bad geschlossen zu sehen. Auch für die Erholung unseres Tourismusgeschehens ist diese Situation kontraproduktiv. In der Hoffnung, wenigstens für vollständig Immunisierte Öffnungsperspektiven zu erfahren, wandte ich mich an Verantwortliche“, teilte Pilarski mit. Doch es sei „bedrückend, den Menschen nicht einmal eine Perspektive für ein Wiedereröffnungsszenario bieten zu können“.

Ihr Autor

BT-Redakteur Nico Fricke

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Erstellt:
12. September 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 48sec

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