Keine PCR-Test-Pflicht in Pflegeheimen

Stuttgart (bjhw) – Bei der Corona-Teststrategie in Alten-und Pflegeheimen setzt das Land weiterhin auf eine Kombination. Was Besucher und Besucherinnen beachten müssen.

Suche nach der richtigen Teststrategie: Die Pflegeheime wollen ihre Bewohner schützen. Foto: Jens Kalaene/dpa

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Suche nach der richtigen Teststrategie: Die Pflegeheime wollen ihre Bewohner schützen. Foto: Jens Kalaene/dpa

Die Corona-Teststrategie in Baden-Württembergs Alten- und Pflegeheimen steht in der Kritik, seit der Bundesverband Privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) der Landesregierung eine Verringerung von Schutzmaßnahmen dort vorgeworfen hat. Der bpa-Landesvorsitzende Rainer Wiesner verlangt eine Rückkehr zur PCR-Test-Pflicht für Besucher und Besucherinnen.

Die Fachleute im Sozialministerium warnen allerdings genau davor, weil das zu einem „faktischen Besuchsverbot“ führen würde, wie ein Sprecher sagt. Denn 48 Stunden alte PCR-Tests seien wegen der hohen Infektiosität von Omikron zu unsicher, da eine Infektion in der Zwischenzeit nicht ausgeschlossen werden könne. 24 Stunden alte Tests seien aber „nicht leicht zu bekommen und teuer“.

Paul-Ehrlich-Institut prüft Antigen-Schnelltests auf Verlässlichkeit bei Omikron

Deshalb setzt das Land weiter auf eine Kombination. Vorgelegt werden muss seit vergangenen Montag von nicht-immunisierten Besuchern entweder ein 24 Stunden alter PCR- oder ein Antigen-Schnelltest, der nicht länger als sechs Stunden zurückliegt.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat das zuständige Paul-Ehrlich-Institut damit beauftragt, eine Positivliste derjenigen Antigen-Schnelltests zu erstellen, die bei Omikron besonders zuverlässig anschlagen. Die soll in der kommenden Woche vorliegen und wird gerade in Alten- und Pflegeheimen sehnsüchtig erwartet, um Bewohnern, Beschäftigten und Besuchern mehr Sicherheit zu bieten. Nach den derzeit im Land geltenden Regeln werden immunisierte Besucher eingelassen, wenn ihr Antigen-Schnelltest nicht älter als 24 oder der PCR-Test nicht älter als 48 Stunden ist. Ausdrücklich auch betroffen von den Vorgaben sind Geboosterte, ausgenommen dagegen Kinder unter sechs Jahren, wenn sie, wie es heißt, „geimpft oder genesen sind und keine typischen Symptome einer Corona-Infektion haben“, sowie alle Babys im ersten Lebensjahr. Für Nicht-Immunisierte gelten die verkürzten Fristen von 24 beziehungsweise sechs Stunden.

Pflegeheime können auf Testung vor Ort bestehen

Ein Vorteil der Landesstrategie ist, dass nach dem Infektionsschutzgesetz Alten- und Pflegeheime verpflichtet sind, Antigen-Schnelltests anzubieten. Zulässig ist es aber auch, Testergebnisse von offiziellen Testzentren oder Tests vom Arbeitsplatz vorzulegen, die im Rahmen einer betrieblichen Testung durchgeführt wurden. Pflegeheimen ist es aber auch erlaubt, bei nicht-immunisierten Besuchern auf eine Testung vor Ort zu bestehen.

Im Sozialministerium wird betont, dass die Ge- und Verbote auch den Verzicht auf grundsätzliche Besucherzahlbeschränkungen ermöglichen. In der weiterhin geltenden Alarmstufe II sind aber nur Besuche von höchstens fünf nicht-immunisierten Personen zulässig. Auch ein erster Schritt zu mehr Normalität würde daran nichts ändern, weil die Einschränkungen auch in der Alarmstufe I weiter gelten.

Sozialminister Manne Lucha (Grüne) nutzte die Bestätigung der bisherigen Teststrategie dazu, erneut für Booster-Impfungen zu werben. Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, wie gering die Impf- und Booster-Quoten vor allem unter Beschäftigten der Heime sind. Gut zwölf Prozent sind überhaupt nicht geimpft, knapp weniger als 82 Prozent sind doppelt geimpft, was aber immerhin über der Quote in der Gesamtbevölkerung liegt. Vorerst keine Engpässe werden erwartet durch die Mitte März in Kraft tretende einrichtungsbezogene Impfpflicht. Die Erfahrungen anderer Länder hätten eher gezeigt, so Lucha, dass die Akzeptanz schlussendlich höher gewesen sei als ursprünglich angenommen.

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Erstellt:
21. Januar 2022, 08:00 Uhr
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