Kein PFC-Aushub nach Oberweier

Gaggenau (tom) – Der Landkreis Rastatt hat seine Pläne aufgegeben, auf der Deponie „Hintere Dollert“ im Gaggenauer Stadtteil Oberweier mit PFC belastete Erde zu lagern.

Die Hausmülldeponie in Oberweier scheidet als Standort für eine PFC-Deponie aus. Gleichwohl gilt sie als geeignet für leicht belasteten Aushub und Bauschutt. Foto: pr

© pek

Die Hausmülldeponie in Oberweier scheidet als Standort für eine PFC-Deponie aus. Gleichwohl gilt sie als geeignet für leicht belasteten Aushub und Bauschutt. Foto: pr

Die geplante Ablagerung von PFC-haltigem Erdaushub auf der Mülldeponie in Gaggenau-Oberweier scheint vom Tisch. Dies zumindest geht aus der Sitzungsvorlage für den Ausschuss Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Rastatt hervor. Er soll am Dienstag, 6. Juli, darüber abstimmen. Der Kreistag wird am 27. Juli über as Thema befinden. Als denkbare Alternativstandorte zählen zwei Flächen in Rheinmünster-Stollhofen und eine neben der A5 bei Bühl-Weitenung.

Die Getreidefläche rechts von der Autobahn, jenseits der Auffahrt zur Brücke, bei Bühl-Weitenung gilt aufgrund der Kriterien als denkbarer Standort für die Ablagerung PFC-haltigen Erdaushubs. Foto: Bernhard Margull

© bema

Die Getreidefläche rechts von der Autobahn, jenseits der Auffahrt zur Brücke, bei Bühl-Weitenung gilt aufgrund der Kriterien als denkbarer Standort für die Ablagerung PFC-haltigen Erdaushubs. Foto: Bernhard Margull

Für die Ablagerung von leichtbelastetem Erdaushub (Deponieklasse 1) gilt die Deponie Oberweier allerdings als geeignet. Die Abkehr von Oberweier bei der PFC-Ablagerung bedeute aber nicht, dass damit eine Deponie in Stollhofen oder Bühl beschlossen wäre. Dies versicherten auf BT-Anfrage Michael Janke, Pressesprecher des Landkreises, und Regine Krug. Sie ist Technische Betriebsleiterin des Abfallwirtschaftsbetriebs des Landkreises.

Hintergrund: Der Landkreis hat in den kommenden Jahren zu wenig Restvolumen für Bodenaushub und Bauschutt der Deponieklasse 1. Ergebnis einer Machbarkeitsstudie war, dass ein „Draufpacken“ auf die Regeldeponie in Oberweier prinzipiell möglich wäre. Grundsätzlich könne dies auch PFC-belastetes Material sein, so die Studie. Hierfür wäre dann ein Planfeststellungsverfahren nötig.

Nach Vorstellung der Pläne regte sich aber Widerstand in Oberweier und mündete in die Gründung einer Bürgerinitiative. Die Landkreisverwaltung entschied, ein Gutachten über Standortalternativen vorzuziehen. Es hätte ohnehin im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens gemacht werden müssen. Dieses Gutachten des Ingenieurbüros Roth & Partner aus Karlsruhe liegt nun vor. Die Ergebnisse:

DK1-Material: Deponie Oberweier ist am besten geeignet. Nicht zuletzt, weil die Deponiefläche bereits vorhanden ist. Ob tatsächlich dort DK1-Material gelagert werden kann, muss noch im Planfeststellungsverfahren geprüft werden. Prinzipiell kann der Kreistag sich auch für einen anderen Standort aussprechen. Doch ob diese Entscheidung dann einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) standhalten würde, sei mehr als fraglich, argumentierte Regine Krug. Als relativ geeignet bewertet wurde beispielsweise eine Fläche auf Niederbühler Gemarkung zwischen Bahntrasse und Rastatt-Münchfeld.

PFC-Material: Die Deponie Oberweier wäre laut Gutachten zwar geeignet. Doch drei Standorte sind laut Kriterienkatalog noch besser geeignet: einer in Stollhofen (gut 450 Meter nordöstlich von Dow Chemical), einer weiterer in Stollhofen (rund 400 Meter südwestlich von der Südgrenze des Freizeitcenters Oberrhein) und einer bei Bühl-Weitenung, nördlich der Anschlussstelle Bühl Nord am westlichen Rand der A5.

Ein Argument: Dort ist bereits eine PFC-Belastung vorhanden. Hinzu kommt eine hohe Gewichtung des Kriteriums „Wasserschutzgebiet“ mit 20 Prozent bei der Abwägung. Denn die Deponie Oberweier liegt seit 2010 in einem Wasserschutzgebiet. Deshalb ist Oberweier aus dem Rennen.

„Aber das heißt nicht, dass nun in Stollhofen oder Bühl PFC gelagert wird“, betont Krug. Eine endgültige Auswahl eines Standorts könne derzeit nicht mit gutem Gewissen getroffen werden. Schließlich gebe es auf Bundesebene bislang nur den Entwurf eines Leitfadens zur PFC-Ablagerung. Krug: „Da brauchen wir Rechtssicherheit.“

Kein PFC-Aushub nach Oberweier

© bt

Prinzipiell, so erläutert Regine Krug, muss ein PFC-Deponiebereich nicht anders eingerichtet werden als ein DK1-Bereich. Allerdings muss bei einer PFC-Monodeponie zusätzlich noch eine Sickerwasseranlage betrieben werden.

DK1-Sickerwasser sei nicht behandlungsbedürftig. Gleichwohl habe beim AWB Schutz des Grundwassers eine sehr hohe Bedeutung und werde beim Gutachten stark gewichtet. Schließlich brauche man über Jahrhunderte Sicherheit. Bis heute gebe es im Abzugsbereich der Deponie Oberweier keine Belastung des Grundwassers durch die Deponie.

Im BT-Gespräch betonte Krug weiterhin: Beim Betrieb der Deponie in der Regie des Landkreises „wurden immer die zum jeweiligen Zeitpunkt geltenden gesetzlichen Bestimmungen eingehalten.“

Gewichtung der Kriterien

Auf dem gesamten Landkreisgebiet wurden bestehende Standorte und auch neu zu erschließende Standorte untersucht. Eine Reihe von Ausschlusskriterien wurden berücksichtigt, sodass am Ende insgesamt nur ein gutes Dutzend Flächen im Verfahren blieben.

Die Gewichtungen waren:

Wasser, Grundwasser (20 Prozent), Naturschutz (15 Prozent), Siedlungsgebiete (15 Prozent), Deponieverfügbarkeit (7,5 Prozent), Zufahrt (15 Prozent), Flächenverbrauch neu (17,5 Prozent), Technische Nachhaltigkeit (10 Prozent). Für die einzelnen Kriterien wurden die Standorte mit Punkten bewertet.

0 = schlechte Eignung

0,5 = mäßige Eignung

0,75 = mittlere Eignung

1,00 = gute Eignung

Durch Multiplikation der Gewichtung mit den Bewertungspunkten wurde die Punktzahl der Standorte ermittelt. Wirtschaftliche Aspekte fanden keinen Eingang.

Die Sitzung beginnt am 6. Juli um 15 Uhr in der Badner Halle. Die Unterlagen sind hier einsehbar.

Weiterer Bericht zum Thema.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

Zum Artikel

Erstellt:
1. Juli 2021, 15:11 Uhr
Aktualisiert:
1. Juli 2021, 18:23 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 05sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.