Keine Teststation über Weihnachten in Mittelbaden

Baden-Baden/Rastatt (fk) – In vielen Städten soll es vor Weihnachten möglich sein, sich einem Corona-Schnelltest zu unterziehen – aber nicht in Mittelbaden.

Eine Notärztin hält einen positiven Corona-Schnelltest in der Hand. In vielen Städten des Landes können sich die Menschen über Weihnachten damit testen lassen. Foto: Tom Weller/dpa

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Eine Notärztin hält einen positiven Corona-Schnelltest in der Hand. In vielen Städten des Landes können sich die Menschen über Weihnachten damit testen lassen. Foto: Tom Weller/dpa

In mehr als hundert Städten im Land soll es am 23. und 24. Dezember möglich sein, sich einem Corona-Schnelltest zu unterziehen. Das Angebot des Sozialministeriums richtet sich vor allem an Verwandte von Risikopatienten, denen so ein Stück weit Sicherheit gegeben werden soll, ihre Familienmitglieder nicht mit Corona zu infizieren. Doch kaum ist die Idee auf dem Tisch, hagelt es Kritik. Der Landkreis Rastatt und der Stadtkreis Baden-Baden sind – im Gegensatz zu den Nachbarkreisen – bei der Aktion erst gar nicht dabei.
Nach klaren Aussagen zur Begründung sucht man vergebens – ebenso nach dem Verantwortlichen für diese Entscheidung. Von der Landespressestelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) heißt es auf BT-Anfrage, dass die Nicht-umsetzung der Aktion im Stadt- und Landkreis eine politische Entscheidung gewesen sei. Das Landratsamt Rastatt – dessen Gesundheitsamt auch für Baden-Baden zuständig ist – bestätigt zwar Gespräche zwischen dem Gesundheitsamt und dem DRK, betont aber, dass man den Rot-Kreuzlern nichts aufoktroyieren und sie schon gar nicht zu etwas drängen könne. „Es hat lediglich ein Austausch stattgefunden“, sagt Landkreispressesprecher Michael Janke. Die Organisation der Schnelltestzentren spiele sich letztlich zwischen dem Land als Finanzier der Aktion und dem DRK ab.

Landräte wenden sich an Lucha

Der Rest ist Interpretationssache. Allerdings könnte diese Deutung etwas klarer werden, wenn man mit einbezieht, dass der Rastatter Landrat Toni Huber nach Auskunft seines Hauses zu den Unterzeichnern eines Briefes mehrerer Landräte an Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) gehört, in dem Lucha darum gebeten wird, von dieser Aktion Abstand zu nehmen.

Begründet wird das im Wesentlichen mit zwei Punkten, die weitestgehend die allgemein aufbrandende Kritik aufgreifen. Der Schnelltest sei nicht sicher und oft ungenau und würde daher die Menschen in einer falschen Sicherheit wiegen. „Es kommt öfter vor, dass der Schnelltest negativ ist und ein anschließender PCR-Test, der deutlich genauer ist, ein positives Ergebnis liefert“, heißt es aus dem Landratsamt.

Auf der anderen Seite komme es auch vor, dass der Schnelltest positiv ausfalle, ein PCR-Test dann aber ergebe, dass gar keine Erkrankung vorliege. Die Landräte befürchten deshalb, dass sich zu viele Menschen an die Gesundheitsämter wenden könnten und diese somit überlastet würden. Außerdem, so das Rastatter Landratsamt weiter, befürchte man Schlangen vor den Teststationen, was gerade in Corona-Zeiten kontraproduktiv sei. Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen bezeichnete die Argumente gegenüber dem BT als nachvollziehbar. „Es wäre bitter, wenn durch inkorrekte Tests eine falsche Sicherheit erzeugt würde. Wir sollten uns lieber an die geltenden Regeln in Sachen Hygiene und Abstand halten.“

Auch Ärzte des KMB sehen Schwächen

Unterstützt werden diese Aussagen in Teilen auch von einigen Medizinern. Gegenüber dem BT sagte Dr. Michael Schmude, im Klinikum Mittelbaden (KMB) unter anderem für den Gesundheitsschutz zuständig, im Hinblick auf die Aussagekraft: „Die Tests werden positiv, wenn eine gewisse Virusmenge vorhanden ist. Bei einem positiven Ergebnis ist erst mal von einer Ansteckungsgefahr auszugehen, solange nicht das Gegenteil durch einen PCR-Test bewiesen ist. Ein negativer Test schließt allerdings eine beginnende Infektion nicht sicher aus.“

Es sei zur Zeit eine Vielzahl an Tests auf dem Markt, die sich hinsichtlich ihrer Genauigkeit unterscheiden könnten. „Die Aussagekraft hängt auch ganz entscheidend von der korrekten Durchführung des Abstrichs und des Testverfahrens ab“, so Schmude, der zugleich klar macht, dass der Zeitraum, in dem ein Test aktuell sei, lediglich 24 Stunden betrage. „Im Zweifelsfall sollte jeden Tag ein Test durchgeführt werden.“ Wer also Verwandte mit erhöhtem Risiko an unterschiedlichen Tagen besuche, sollte zu Beginn jedes Tages einen neuen Test machen.


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