Keine rote Talsperre

Forbach (mm/tom) – Die für den Dienstagabend geplante rote Beleuchtung der Staumauer der Schwarzenbach-Talsperre ist abgesagt worden. Es fehlt eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde.

Die Mauer der Schwarzenbach-Talsperre bleibt am Dienstagabend dunkel.  Foto: Markus Mack

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Die Mauer der Schwarzenbach-Talsperre bleibt am Dienstagabend dunkel. Foto: Markus Mack

Es hätte ein spektakuläres Schauspiel werden können mit wahrscheinlich mehreren hundert Schaulustigen. Doch unvermittelt kam das Aus für die Aktion. Sie sollte Teil sein eines bundesweiten Protesttags. Mit ihm wollte die Veranstaltungswirtschaft am gestrigen Dienstag ein Zeichen setzen: Tagsüber tagte die Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft, abends sollten tausende „Eventlocations“ bei der Night of Light 2021 rot aufleuchten.

„Vielfalt und Größe der Branche ins Rampenlicht stellen“, war die Intention der Veranstalter. Mit der zweiten bundesweiten Protestaktion Night of Light nach 2020 sollte erneut ein Zeichen der Solidarität für alle betroffenen Event- und Kulturschaffenden gesetzt werden. Grund für die Lichtaktion war fehlende Unterstützung für den durch den Lockdown leidende Branche, berichtet die Bundesvereinigung.

Auch die Mauer der Schwarzenbachtalsperre war dafür vorgesehen, auch wenn sie nun nicht gerade eine „Event Location“ ist. Sie wird nun dunkel bleiben – letztlich auch ein Zeichen mit Symbolkraft.

So hätte es sein können: Aufnahme vom Probelauf am späten Montagabend. Foto: Margrit Haller-Reif

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So hätte es sein können: Aufnahme vom Probelauf am späten Montagabend. Foto: Margrit Haller-Reif

Der Unteren Naturschutzbehörde lag kein Antrag für die Beleuchtungsaktion vor. Dies bestätigten sowohl das Landratsamt als auch die Firma Stage Concept aus Rheinau. Letztere wollte die Beleuchtung ausrichten.

Lediglich aus der Presse habe man von dem Vorhaben erfahren, versicherte man im Landratsamt. Der Naturschutz habe allerdings Priorität, verwies Landkreis-Sprecher Benjamin Wedewart auf die im Bereich der Schwarzenbach vorkommenden Fledermäuse. Die Talsperrenmauer liegt unmittelbar an der Grenze zum Nationalpark Schwarzwald.

Robert Stiebler von Stage Concept wiederum verwies im BT-Gespräch darauf, dass man den entsprechenden Passus des Landesnaturschutzgesetzes nicht gekannt habe.

Der Probelauf war vielversprechend

Die Behörde sei noch in Gesprächen mit der EnBW als Betreiberin der Talsperre, sagte der Landkreis-Sprecher. Der Energieversorger habe der Beleuchtung ihrer Staumauer zugestimmt. Das Unternehmen werde die Unterlagen der Behörde zur Beurteilung vorlegen. Die Naturschutzbehörde sei um eine rasche Klärung bemüht. Diese würde allerdings zwei bis drei Tage brauchen, schätzte Wedewart, „wir wollen schnell reagieren.“

Dies wird nun zumindest vorerst nicht mehr nötig sein. Denn noch gestern Nachmittag habe man mit dem Abbau der Technik begonnen, sagte Robert Stiebler von Stage Concept: „Die Aktion ist komplett abgeblasen“. Dabei war das Unternehmen in der Nacht zu Dienstag mit dem Aufbau fertig gewesen, ein erster Probelauf verlief vielversprechend. Falls gestern das Wetter zu schlecht gewesen wäre, hatte man sogar den heutigen Mittwochabend als Ersatztermin vorgesehen.

Auf dem wasserseitigen Entnahmeturm der Talsperre waren Scheinwerfer installiert. Foto: Margrit Haller-Reif

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Auf dem wasserseitigen Entnahmeturm der Talsperre waren Scheinwerfer installiert. Foto: Margrit Haller-Reif

Der ganze Aufwand umsonst. „Vielleicht gibt es doch mal wieder eine Gelegenheit“, verbreitete Stiebler gestern Optimismus.

Ob das aber an der Schwarzenbach-Talsperre sein wird? „Wir sind froh, dass es abgesagt ist“, bilanziert Claudia Wild. Sie ist Pressesprecherin des Landesverbands des Naturschutzbunds Deutschland (NABU): „Es gibt noch genügend andere Maßnahmen, mit der man auf die Lage der Veranstaltungsbranche aufmerksam machen kann; da muss es nicht unbedingt eine Aktion sein, mit der man der Natur schadet.“ Sie hoffe zwar, dass es eine Alternativ-Veranstaltung geben werde, aber: „Das Gesetz wurde vor einem Jahr verabschiedet, man hätte sich im Vorfeld informieren können.“ Wild betont sie habe lediglich auf eine Presseanfrage reagiert und dabei die NABU-Einschätzung wiedergegeben. Nicht zuletzt sei es „unglücklich, dass ein Unternehmen, an dem das Land beteiligt ist, so etwas einfach genehmigt.“

Der maßgebliche Paragraf lässt keinen Zweifel

Naturschutzgesetz des Landes Baden-Württemberg, § 21 – Beleuchtungsanlagen, Werbeanlagen, Himmelsstrahler:

(1) Eingriffe in die Insektenfauna durch künstliche Beleuchtung im Außenbereich sind zu vermeiden. Beim Aufstellen von Beleuchtungsanlagen im Außenbereich müssen die Auswirkungen auf die Insektenfauna, insbesondere deren Beeinträchtigung und Schädigung, überprüft und die Ziele des Artenschutzes berücksichtigt werden. Beleuchtungen, die sich in Naturschutzgebieten, Nationalparken, Naturdenkmalen, geschützten Landschaftsbestandteilen und gesetzlich geschützten Biotopen befinden oder in diese hineinstrahlen, sind, soweit sie nicht aus Gründen der Verkehrssicherheit erforderlich sind, nur in Ausnahmefällen von der zuständigen Naturschutzbehörde oder mit deren Einvernehmen zu genehmigen. Quelle: www.landesrecht-bw.de

Artikel von der ersten Aktion 2020.

Ihr Autor

den BT-Redakteuren Markus Mack, Thomas Senger

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Erstellt:
22. Juni 2021, 18:30 Uhr
Aktualisiert:
22. Juni 2021, 17:51 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 55sec

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