Kelterei in Ottersweier nimmt Streuobst an

Ottersweier (sga) – Seit Donnerstag können bei der Kelterei Seifermann in Ottersweier wieder Äpfel und Birnen abgegeben werden. Wer möchte, bekommt dafür Direktsaft.

Seit Donnerstag können Kunden ihr Obst nach Ottersweier bringen. Bereits um 11 Uhr liegen rund sieben Tonnen Äpfel auf dem Hof. Foto: Sarah Gallenberger

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Seit Donnerstag können Kunden ihr Obst nach Ottersweier bringen. Bereits um 11 Uhr liegen rund sieben Tonnen Äpfel auf dem Hof. Foto: Sarah Gallenberger

Ingo Grimm ist 81 Jahre alt. Trotzdem war er am Donnerstagmorgen bereits um 8 Uhr auf den Knien, um Äpfel einzusammeln und sie anschließend zur Kelterei Seifermann nach Ottersweier zu fahren. „Ich mache das, solange ich es kann“, erzählt der Bühler, während er die prall gefüllten Eimer ausladen lässt. Diesmal hat er 60 Kilogramm Streuobst abgegeben.

Seit 45 Jahren ist Grimm „treuer Kunde“ von Seifermann. Auf dem Hof des Traditionsunternehmens kann seit Donnerstag Streuobst abgegeben werden. Grimm selbst fährt mehrmals pro Saison nach Ottersweier, damit aus seinen Äpfeln frischer Saft gepresst wird. Material dafür hat er genug: Auf seinen 2.700 Quadratmetern stehen insgesamt 50 Bäume, die jedes Jahr reichlich Streuobst fallen lassen. „Ich bin stolz“, grinst Grimm. Und das kann er auch sein. Denn von seinen 16 verschiedenen Apfelsorten ist keine einzige gespritzt.

Kennt kein Alter: Trotz seiner 81 Jahre kümmert sich Ingo Grimm seit Jahrzehnten um seine Obstbäume. Foto: Sarah Gallenberger

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Kennt kein Alter: Trotz seiner 81 Jahre kümmert sich Ingo Grimm seit Jahrzehnten um seine Obstbäume. Foto: Sarah Gallenberger

Als Geschäftsführer von Seifermann freut sich Manfred Rettig über Kunden wie Ingo Grimm. Auch deshalb, weil das Thema Streuobst heutzutage „leider“ nicht mehr so präsent in den Köpfen ist. Früher sei es normal gewesen, sich um die Bäume zu kümmern und das Obst nicht einfach verfaulen zu lassen. „Jetzt sieht das schon anders aus. „Dabei ist das enorm wichtig“, appelliert Rettig an die jüngere Generation. Und er liefert wichtige Argumente: „Streuobstbäume tragen einen großen Teil zur Nachhaltigkeit bei“ und seien zudem auch ein Lebensraum für viele Tiere. Grimm stimmt nickend zu und erzählt von den 33 Nistkästen, die er auf seinem Grundstück angebracht hat. „Früher waren die alle belegt“, erinnert er sich. Dieses Jahr seien lediglich zwei Stück bewohnt. „Da könnte die Stadt Bühl ein wenig nachhelfen“ und auch im öffentlichen Raum Kästen zur Verfügung stellen.

Obwohl der Hof an diesem Vormittag „ganz gut“ gefüllt ist und bereits der nächste Kunde vorfährt, merkt Rettig an: „Dieses Jahr gibt es nicht so viel Streuobst.“ Letzte Saison habe das schon ganz anders ausgesehen, als rund 10.000 Tonnen Äpfel den Weg nach Ottersweier gefunden haben. Zwar habe er Donnerstag bereits nach zwei Stunden rund sieben Tonnen Obst annehmen können, doch aufgrund der Witterung in den vergangenen Wochen erwarte er diesmal nicht so viel.

„Trinke das ganze Jahr an dem Saft“

Der viele Regen habe den Äpfeln und Birnen einiges abverlangt, „wir sind dadurch ohnehin schon rund 14 Tage später dran“. An der Qualität des Obstes ändere das jedoch nicht zwingend etwas. Trotzdem rechnet auch Grimm damit, in dieser Saison lediglich die Hälfte dessen, was er in anderen Jahren nach Ottersweier gefahren hat, abgeben zu können.

Wer Äpfel und Birnen zu Seifermann bringt, bekommt dafür pro 100 Kilogramm 20 Flaschen frischen Saft, ohne etwas dafür zahlen zu müssen. Das Angebot muss nicht sofort genutzt werden – laut Rettig kann der Saft über fünf Jahre verteilt geholt werden. Für Grimm klingt das fair, schließlich „trinke ich das ganze Jahr an dem Saft“.

Doch nicht nur Kunden aus dem Bühler Raum haben Gefallen an dem Deal gefunden. Gegen 11.30 Uhr fährt ein Mann aus Achern seine Äpfel vorbei, und laut Rettig ist vor allem das Murgtal ein großes Einzugsgebiet. Wer Interesse daran habe, sein Streuobst bei Seifermann vorbei zu bringen, könne das noch einige Wochen tun. Der Annahmeschluss ist noch nicht festgelegt, aber aktuell werden von Montag bis Freitag (7 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr) sowie an den Samstagen von 7 bis 12 Uhr Äpfel und Birnen angenommen.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
27. August 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 48sec

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