„Killer“ übernimmt Gasthaus „Krone“

Bühl (BNN) – Die „Krone“ in Oberbruch stand seit dem Jahresende leer. Jetzt gibt es mit Siegbert Gütle einen neuen Wirt. In der Szene ist er als „Killer“ bekannt.

Das Traditionsgasthaus „Krone“ in Oberbruch ist nach dreimonatiger Schließung wieder geöffnet. Foto: Ulrich Coenen/BNN

Das Traditionsgasthaus „Krone“ in Oberbruch ist nach dreimonatiger Schließung wieder geöffnet. Foto: Ulrich Coenen/BNN

Auf Pospisil folgt der Killer. Nachdem der böhmische Gourmetkoch Pavel Pospisil sein Restaurant im Bühler Stadtteil Oberbruch zum Jahresende nach einem Vierteljahrhundert geschlossen hat, blieb die Tür der „Krone“ zunächst zu. Doch das Traditionsgasthaus ereilt nicht das Schicksal vieler anderer Wirtschaften im Stadtgebiet, für die sich kein Nachfolger mehr findet. Seit einem Monat ist Siegbert Gütle aus dem Sinzheimer Ortsteil Müllhofen der neue Pächter. Er ist besser bekannt unter seinem Spitznamen „Killer“. „Ich koche eben mörderisch gut“, scherzt der 53-Jährige. Konsequenterweise heißt das Gasthaus nach „Pospisils Krone“ jetzt „Killers Krone“.

Gütle tritt mit einem völlig neuen Konzept an. Der erfahrene Gastronom betreibt seit 2011 einen Partyservice. Geöffnet wird die „Krone“ nur zweimal in der Woche, nämlich mittwochs und donnerstags. Daneben plant der Wirt Sonderveranstaltungen mit Musik oder auch Lichtbildvorträgen. Die Karte mit ausgewählten Gerichten wechselt monatlich.

„Mein erster Monat ist gut gelaufen“

Gütle führt aktuell nur das Restaurant. Der Landkreis hat das Hotel der „Krone“ mit seinen sieben Zimmern und die frühere Wohnung des Wirts über dem Restaurant für ukrainische Flüchtlingen angemietet. „Das sind sehr nette Gäste“, sagt Gütle. Gemeinsam mit der Bürgervereinigung Oberbruch plant er ein Fest für die Ukrainer. Gütle kann sich aber vorstellen, zu einem späteren Zeitpunkt auch das Hotel zu übernehmen. „Mein erster Monat in Oberbruch ist gut gelaufen“, berichtet er.

Erfahrener Gastronom: Siegbert Gütle ist der neue Wirt des Gasthauses „Krone“ im Bühler Stadtteil Oberbruch. Er ist der Nachfolger von Gourmet-Koch Pavel Pospisil. Foto: Ulrich Coenen/BNN

Erfahrener Gastronom: Siegbert Gütle ist der neue Wirt des Gasthauses „Krone“ im Bühler Stadtteil Oberbruch. Er ist der Nachfolger von Gourmet-Koch Pavel Pospisil. Foto: Ulrich Coenen/BNN

Siegbert Gütle ist gelernter Maurer. Zum Kochen kam er über das Eishockey. Gütle spielte beim EHF Moos, den es längst nicht mehr gibt. „Eishockey ist wegen der Hallenmiete ein teurer Sport“, erklärt Gütle. Die Sportler waren beim Eintreiben von Finanzmitteln erfinderisch. Ein Wirt in Moos stellte ihnen im Sommer jeweils für einen Tag in der Woche sein Lokal zu Verfügung. Dort durften sie den Gästen Flammkuchen servieren. Gütle stand in der Küche. „Das war ein Riesenerfolg“, erinnert er sich. „Am Ende der Saison hatten wir 7000 Mark auf dem Vereinskonto.“

2005 übernahm der „Killer“ die Vereinsgaststätte des Tennisclubs Leiberstung. 2009 bis 2014 war er gemeinsam mit einem Freund für die Gastronomie im Solarpavillon in Steinbach verantwortlich. Seit 2011 lief parallel der Partyservice. „Der lief sehr gut, bis Corona kam“, sagt Gütle. Die Pandemie stürzte sein Geschäft in eine tiefe Krise. Jetzt will er neu durchstarten.

An Tradition der Dorfgaststätte anknüpfen

„Die Krone gibt es bereits seit 1886“, berichtet der neue Wirt. „Früher war im Gebäude zusätzlich die Post untergebracht. Wenn die Wirtin abends schließen wollte, hat sie im Winter die Fenster geöffnet und die kalte Luft reingelassen. Dann gingen die Letzten von alleine“. An die Tradition der Dorfgaststätte will Gütle anknüpfen.

Dass viele Gastronomen Probleme bei der Suche nach einem Nachfolger haben, wundert Siegbert Gütle nicht. Neben den Arbeitszeiten am Abend und am Wochenende und der schwierigen Rekrutierung von geeignetem Personal stören ihn vor allem die immer größer werdenden behördlichen Auflagen. „Da muss man sich nicht wundern, wenn Gastronomen aufgeben“, meint er. Für den „Killer“ ist das keine Option.

Lob hat Gütle von seinem Vorgänger bekommen. Pavel Pospisil hat in der „Krone“ gegessen. „Er hat meinen Flammkuchen gelobt und mein Konzept als zukunftsträchtig bezeichnet“, berichtet Gütle. Das ist wie ein Ritterschlag.

Kommentar: Glück gehabt

Von Ulrich Coenen

Glück gehabt! In der „Krone“ in Oberweier gibt es wieder ein neues gastronomisches Angebot. Das ist alles andere als selbstverständlich. Immerhin war das Traditionsgasthaus ein Vierteljahr geschlossen.

Die Zahl der Gaststätten im Stadtgebiet Bühl schrumpft seit Jahrzehnten gewaltig. Jedes Mal, wenn ein Wirt in den Ruhestand geht, muss man befürchten, dass er keinen Nachfolger findet. Die Corona-Pandemie hat das ohnehin große Problem dramatisch verschärft.

Gastwirt ist ein anstrengender Beruf. Am Abend und am Wochenende, wenn andere frei haben, muss er hinter der Theke oder in der Küche stehen. Vor diesem Hintergrund ist es schwierig, geeignete Mitarbeiter für eine Branche zu finden, die keine Spitzenlöhne zahlen kann. Wer eine Kneipe, ein Restaurant oder ein Hotel betreibt, muss also eine gehörige Portion Begeisterung für seinen Beruf mitbringen.

Auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen machen es den Gastronomen seit Jahren immer schwerer. Sie fühlen sich durch immer neue behördliche Vorschriften gegängelt. Die kosten nicht nur Arbeitszeit, sondern auch Geld.

Alleine in der Bühler Kernstadt ist in den letzten drei Jahrzehnten mehr als ein halbes Dutzend Traditionsgasthäuser verschwunden. In den Stadtteilen sieht es oft sogar noch sehr viel schlimmer aus. Da können sich nicht nur die Oberbrucher freuen, dass der neue Wirt der „Krone“ ein Stück Infrastruktur in ihrem Dorf erhält.

Ihr Autor

BNN-Redakteur Ulrich Coenen

Zum Artikel

Erstellt:
6. Mai 2022, 07:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 20sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.