Kilometerweit mit Auto über Loipe gefahren

Gernsbach (stj) – „Was die letzten Tage auf dem Kaltenbronn unterwegs war, ist nicht mehr zu akzeptieren“, bedauert der Skiclub Enzklösterle angesichts des Chaos’, das in den Höhenlagen herrscht.

Von ruhiger Langlauf-Idylle wie hier auf unserem Archiv-Foto von der Schwarzmiss ist man auf dem Kaltenbronn derzeit weit entfernt. Foto: Infozentrum Kaltenbronn

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Von ruhiger Langlauf-Idylle wie hier auf unserem Archiv-Foto von der Schwarzmiss ist man auf dem Kaltenbronn derzeit weit entfernt. Foto: Infozentrum Kaltenbronn

Auf dem Kaltenbronn ist keinerlei Entspannung in Sicht, im Gegenteil: Die Situation scheint eher dramatischer zu werden. „Was die letzten Tage auf den Loipen unterwegs war, ist nicht mehr zu akzeptieren“, berichtet zum Beispiel der Skiclub Enzklösterle am Samstag auf seiner Facebook-Seite „Langlaufspaß Kaltenbronn“. Von Spaß könne da – trotz bester winterlicher Bedingungen – keine Rede mehr sein: „Bereits mehrfach wurden am späten Abend Autofahrer auf der Loipe gesichtet und angehalten.“

Die Dreistigkeit kennt dabei offenbar keine Grenzen. So schreibt der Skiclub über den Fahrer eines weißen BMW mit Karlsruher Kennzeichen, der bei seiner Fahrt über die Loipe gebeten worden sei, sofort umzukehren. Dieser Anweisung habe er sich aber widersetzt und auch noch behauptet, dort fahren zu dürfen. Laut Skiclub war der provokante BMW-Fahrer auf einer Länge von mehr als sieben Kilometern auf der Loipe vom Kaltenbronn nach Enzklösterle unterwegs. Wer diesen und andere Autofahrer auf der Loipe gesehen hat, wird um Mithilfe gebeten – bei Möglichkeit mit Beweisfoto.

Trotz Straßensperrungen kaum Entlastung

Unterdessen setzt auch in Reichental und Sprollenhaus keinerlei Entspannung ein. Auf den Zugangsstraßen zum Kaltenbronn herrscht nach wie vor Chaos. Zwar hat die Polizei am Neujahrstag, am Samstag und Sonntag die L76b am Bahnübergang Hilpertsau und von Bad Wildbad kommend dicht gemacht und nur noch Anwohner durchgelassen, aber es war trotzdem jeweils die Hölle los. Das bestätigt Reichentals Ortsvorsteher Guido Wieland, der sich täglich ein Bild der Lage macht und stets viele Hinweise auf die untragbare Situation erhält. Im BT-Gespräch verweist er auf die Kennzeichen SÜW (Südliche Weinstraße), MA (Mannheim) oder DA (Darmstadt), die Sonntagmittag innerhalb kürzester Zeit die Bushaltestelle Johannesplatz passierten. „Das verstehe ich nicht, müssen die hierher fahren? Die können doch im Pfälzer Wald spazieren gehen“, nennt Wieland eine näherliegende Alternative, statt über hundert Kilometer durch die Republik zu fahren.

Der Ortsvorsteher fordert, sich generell Gedanken über die Situation auf dem Kaltenbronn zu machen. Auch nach Corona müsse die Besucher- und Verkehrslenkung verstärkt auf die kommunalpolitische Agenda kommen, zumal man das Gebiet mit dem Masterplan ja auch weiterzuentwickeln gedenkt. Für die weitere Ausrichtung des Naturparks Schwarzwald Mitte/ Nord spielt der Kaltenbronn eine ganz wesentliche Rolle. Im Juni hat das zweiköpfige Projektteam Masterplan Kaltenbronn seine Arbeit aufgenommen, das in den nächsten zwei Jahren mit den Vertretern des Infozentrums das Höhengebiet weiterentwickeln soll.

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Erstellt:
4. Januar 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 14sec

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