Kinder- und Jugendliche bei Piks noch zurückhaltend

Rastatt/Baden-Baden (for) – Impfzentren und Arztpraxen in Mittelbaden erkennen bislang noch keine hohe Impfbereitschaft bei 12- bis 17-Jährigen.

Schwierige Entscheidung: Viele Eltern sind sich unschlüssig, wenn es darum geht, ob ihr Kind eine Corona-Impfung erhalten soll oder nicht. Foto: Raul Mee/dpa

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Schwierige Entscheidung: Viele Eltern sind sich unschlüssig, wenn es darum geht, ob ihr Kind eine Corona-Impfung erhalten soll oder nicht. Foto: Raul Mee/dpa

Bund und Länder haben sich am Montag auf breitere Impfangebote für Kinder und Jugendliche geeinigt. Demnach wollen alle Länder Corona-Impfungen für 12- bis 17-Jährige nun auch in den regionalen Impfzentren anbieten – so wie es bereits in Arztpraxen möglich war. In den Kreisimpfzentren (KIZ) in Mittelbaden führt dieser Beschluss nicht zu größeren Veränderungen.

„Ausführliches ärztliches Aufklärunsgespräch“

„Uns in Baden-Württemberg war es schon seit Anfang Juni wichtig, allen 12- bis 17-Jährigen, die sich mit dem Einverständnis ihrer Eltern gegen das Coronavirus impfen lassen wollen, ein Angebot zu machen“, sagt Florian Mader, Pressesprecher beim Sozialministerium Baden-Württemberg, auf BT-Nachfrage. Im Südwesten sei es deshalb grundsätzlich seit Anfang Juni auch für Kinder- und Jugendliche dieser Altersklasse möglich, sich in den Impfzentren – und nicht nur bei niedergelassenen Ärzten – impfen zu lassen. „Voraussetzung dafür ist allerdings immer eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Analyse und ein ausführliches ärztliches Aufklärunsgespräch“, erklärt Mader. Die endgültige Entscheidung, ob im konkreten Einzelfall eine Impfung vorgenommen wird, liegt dann immer beim impfenden Arzt.

In den Kreisimpfzentren in Bühl und Baden-Baden konnten sich 12- bis 17-Jährige bereits vor dem offiziellen Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz von Montag impfen lassen. „Baden-Württemberg war hier wirklich einer der Vorreiter“, meint Jürgen Jung, Leiter des Kreisimpfzentrums Baden-Baden. Bisher sei die Anzahl der Jugendlichen, die sich impfen lassen wollen, aber „überschaubar“. „Zwar bemerken wir seit rund 14 Tagen, dass die Impfbereitschaft bei den Jugendlichen langsam wächst, aber auf einem niedrigen Niveau“, so Jung gegenüber dem BT. Insbesondere die 12-Jährigen seien hinsichtlich der Corona-Impfung noch sehr zurückhaltend.

Beim KIZ Bühl liegen bislang noch keine Daten zur Impfbereitschaft bei Jugendlichen vor. „Bei der Sonderimpfaktion am vergangenen Samstag im Gaggenauer Rathaus war aber festzustellen, dass von 119 durchgeführten Impfungen etwa 50 Prozent an Jugendliche verabreicht wurden“, fügt Benjamin Wedewart, Pressesprecher beim Landratsamt Rastatt, hinzu.

Nachfrage „nicht besonders hoch“

Dr. Patrick Fischer, Vorsitzender der Ärzteschaft Baden-Baden, kann die Jugendlichen, die sich bisher für eine Corona-Impfung entschieden haben, „an einer Hand abzählen“, wie er sagt. Bei Dr. Jürgen Schönit, Vorsitzender der Ärzteschaft Rastatt, ist die Lage ähnlich: „Ich habe zwar einige Kinder und Jugendliche geimpft, die Nachfrage ist allerdings nicht besonders hoch.“

Dass die Minister mit ihrer Entscheidung die Ständige Impfkommission (Stiko) umgehen, die Corona-Impfungen für 12- bis 17-Jährige bisher nur bei Vorliegen besonderer Risiken empfiehlt, sei mit Blick auf die Impfbereitschaft nicht gerade vorteilhaft. „Ich denke, die Impfbereitschaft wird aber ansteigen, wenn die Stiko irgendwann doch noch eine allgemeine Impfempfehlung für alle 12- bis 17-Jährigen abgibt“, vermutet Jung.

Warten auf Empfehlung der Stiko

Dr. Ralf Spahn, Kinder- und Jugendarzt in Rastatt, kann das bestätigen: „Die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen und ihrer Eltern in meiner Praxis wartet auf eine Empfehlung der Stiko für alle Kinder und Jugendlichen ab 12 Jahren“, sagt er. In seiner Praxis hat der Arzt eigenen Aussagen zufolge bisher etwa 60 Jugendliche geimpft. „Das entspricht nur einem geringen Prozentsatz der Patienten von 12 bis 17 Jahren“, sagt Spahn. Einige Kinder und Jugendliche aus dem Patientenstamm seiner Praxis seien zwar in Impfzentren oder bei anderen niedergelassenen Ärzten geimpft worden, eine hohe Impfbereitschaft sei aber nicht erkennbar.

Viele Impfskeptiker unter den Eltern

Schönit sieht neben der Uneinigkeit zwischen Politik und Stiko, die durchaus zu Verunsicherung führe, noch eine andere Problematik: „Wir haben unter den Eltern sehr viele Impfskeptiker, die selbst auch nicht geimpft sind“, sagt er. Es sei eher unwahrscheinlich, dass diese Eltern ihre Kinder zum Piks schicken würden – selbst wenn die Stiko eine entsprechende Empfehlung abgebe. Aber gerade in diesen Familien wäre es wichtig, dass die Minderjährigen das Virus nicht von zu Hause in die Schulen tragen oder umgekehrt – von den Schulen nach Hause.

Bei einer Sache zeigen sich sowohl Ärzte als auch die Verantwortlichen der Impfzentren in Mittelbaden optimistisch: Jugendliche, die sich für eine Corona-Impfung entscheiden, würden zeitnah auch einen Termin bekommen. „Impfstoff ist genug da“, versichert Fischer.


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