Kindergarten Fliegenpilz ein entscheidendes Puzzleteil

Gernsbach (stj) – Mit dem 4,3 Millionen Euro teuren Anbau an den Kindergarten Fliegenpilz sorgt die Stadt dafür, dass Gernsbach ab Dezember den gesetzlichen Anspruch erfüllt, den Eltern für die Betreuung ihrer Kinder haben.

Überzeugen sich vom Baufortschritt: Die städtische Architektin Elke Bräuer (von links), Bürgermeister Julian Christ, Hauptamtsleiter Thomas Lachnicht und Fliegenpilz-Leiterin Astrid Heursen Roll. Foto: Juch

© stj

Überzeugen sich vom Baufortschritt: Die städtische Architektin Elke Bräuer (von links), Bürgermeister Julian Christ, Hauptamtsleiter Thomas Lachnicht und Fliegenpilz-Leiterin Astrid Heursen Roll. Foto: Juch

Im Streben, dem Rechtsanspruch aller Eltern auf einen Betreuungsplatz für ihre Kinder gerecht werden zu können, ist die Stadt auf einem guten Weg: Wenn die mit Hochdruck vorangetriebene Erweiterung des Kindergartens Fliegenpilz im kommenden Dezember eingeweiht wird, kann Gernsbach erstmals seit Jahren sein Soll wieder erfüllen. „Das macht mich stolz“, sagte Bürgermeister Julian Christ gestern bei einer Baustellenbesichtigung der städtischen Einrichtung in der Baccarat-Straße.

Dort entsteht auf dem rund 4 000 Quadratmeter großen Grundstück, das sich am Leutersbach entlang schlängelt, ein 50 Meter langer Neubau mit einer Nutzfläche von 1 500 Quadratmetern. Auf der Außenanlage verbleiben circa 2 500 Quadratmeter zum Spielen im Freien, die ab Juli entsprechend gestaltet werden, wie die städtische Architektin Elke Bräuer ankündigte. Der Kindergarten wird durch den Anbau, der Platz für weitere 50 Kindergarten- sowie 20 Krippenkinder schafft, doppelt so groß sein wie bis jetzt und kann dann insgesamt 145 Kinder in sieben Gruppen betreuen. Neu sind die beiden Krippengruppen, die bei Bedarf auf eine dritte erweitert werden können, und das Angebot der Ganztagsbetreuung. Beides sei in der Kernstadt aktuell stark nachgefragt, betonte Christ.

Aus vielerlei Hinsicht ein Mammutprojekt

Für die Stadt stellt die 4,3 Millionen Euro teure Investition aus vielerlei Hinsicht ein Mammutprojekt dar. Neben dem Bau, der laut Bräuer unter der Planung des Gaggenauer Architekturbüros Luft „wirklich toll läuft“, mussten 13 weitere Erzieherinnen eingestellt werden. Die habe man „alle an Bord“, freute sich Hauptamtsleiter Thomas Lachnicht, dass nun auch die Betriebserlaubnis für den „neuen Fliegenpilz“ erteilt worden sei.

Zwischenzeitlich wurde der Rohbau erstellt und der Innenausbau läuft auf Hochtouren. Aktuell werden der Estrich im gesamten Obergeschoss eingebracht und die Fußbodenheizung eingebaut. Es folgen Fassade und Außenanlage; das Dach wird begrünt und mit einer Fotovoltaikanlage ausgestattet, erläuterte Bräuer. Der Bund hat Zuschüsse in Höhe von insgesamt 884 000 Euro bewilligt, davon kommen 496 000 Euro aus dem Kinderbetreuungsfinanzierungsgesetz und 388 000 Euro aus dem Ausgleichsstock.

Eröffnung für Dezember geplant

Voller Vorfreude auf die Eröffnung und die neue Herausforderung ist auch Fliegenpilz-Leiterin Astrid Heursen-Roll. Die Bauphase, die am 29. Juli 2019 mit dem ersten Spatenstich begann, sei für die Kinder, die im alten Gebäude betreut werden, natürlich toll gewesen; auch wenn durch den Wegfall des Erdhügels als Spielgelegenheit im Außengelände etwas Wehmut aufgekommen sei. Dies werde aber durch den neuen Spielplatz, der zum Teil auch Kindern offen steht, die nicht in den Fliegenpilz gehen, mehr als kompensiert. Zudem können sich Kinder und Erzieherinnen auf viele neue Möglichkeiten freuen, zum Beispiel ein Atelier- und Funktionsraum. Auch für das Thema Inklusion ist man im Fliegenpilz künftig durch einen Aufzug gewappnet.

„Es wird immer stärker erkennbar, was sich in der Stadt alles tut“, verwies der Bürgermeister auf die großen Anstrengungen, die man zuletzt im Bereich Kinderbetreuung unternommen habe. Nach der neu eingerichteten Kinderkrippe Ameisennest in der Otto-Hahn-Straße (Außenstelle der Pusteblume Obertsrot) und der im September in Betrieb gehenden weiteren Krippe in der Jahnstraße „ist der Fliegenpilz ein entscheidendes Puzzleteil, um den gesetzlichen Anspruch der Eltern umzusetzen, und ein weiterer Baustein zur Deckung des hohen Kinderbetreuungsbedarfs in der Kernstadt“, betonte Christ. Die weitere Entwicklung müsse man natürlich trotzdem im Auge behalten.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.