Kindergarten-Neubau auf dem Prüfstand

Loffenau (stj) – Die Gemeinde steht gut da, muss finanziell aber in den kommenden Jahren kleinere Brötchen backen. Das ist eine wesentliche Botschaft der aktuellen Haushaltsberatung.

Blühendes Loffenau: Die Gemeinde steht gut da, muss finanziell aber zunächst kleinere Brötchen backen. Erst 2024 geht es wieder aufwärts. Foto: Stephan Juch

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Blühendes Loffenau: Die Gemeinde steht gut da, muss finanziell aber zunächst kleinere Brötchen backen. Erst 2024 geht es wieder aufwärts. Foto: Stephan Juch

Wer die finanzielle Situation der Gemeinde Loffenau betrachtet, kommt schnell zu der Erkenntnis, dass es unumgänglich sein wird, weiter nach Einspar- und Optimierungspotenzialen zu suchen und eigene Einnahmequellen möglichst auszubauen. Denn die Rücklage wird Ende 2021 bis auf die Mindestliquidität aufgezehrt sein, sodass für Investitionen ab 2022 kein Geld mehr da ist. Hohe Kreditaufnahmen werden also erforderlich. Das ist eine der wesentlichen Botschaften aus der Haushaltsberatung, die am Dienstag den Großteil der öffentlichen Gemeinderatssitzung füllte.

Kämmerin Daniela Tamba stellte die wichtigsten Zahlen und Daten zusammen und erläuterte den zweiten doppischen Haushalt in der Geschichte der Gemeinde. In diesem sei man „sehr defizitär unterwegs“, erläuterte Tamba mit dem Verweis darauf, dass die Aufwendungen um knapp 570.000 Euro über den vorhandenen Erträgen liegen. Die Abschreibungen seien dafür ursächlich. Auch 2022 bis 2024 werde man den Werteverzehr des gemeindlichen Anlagevermögens nicht ausgleichen können.

Erst danach erholen sich den Prognosen zufolge die Einkommenssteuer und die Schlüsselzuweisungen wieder, weshalb dann mit einer Entspannung zu rechnen sei. „Aber auch nur, wenn keine neuen Großinvestitionen dazu kommen“, betonte Tamba. Die Zeit bis dahin müsse man mit Kreditaufnahmen (200.000 Euro im Jahr 2021, 440.000 und 650.000 in den beiden folgenden) und einem Griff in die Pensionsrücklage (jeweils 150.000 in den Jahren 2022 und 2023) überbrücken.

Im Jahr 2021 sind folgende wesentlichen Investitionen (ab 50.000 Euro) geplant:

- Server-/PC-Austausch für die tägliche Verwaltungsarbeit: Die aktuelle Ausstattung habe ihren Zenit nach acht Jahren längst überschritten. Deshalb müssen für 50.000 Euro neue Geräte angeschafft werden.
- Neugestaltung Friedhof: 130.000 Euro.
- Neues Feuerwehrfahrzeug (Ansatz: 260.000; Gesamtbedarf: 420.000 Euro).
- Neugestaltung Ortsdurchfahrt (Ansatz: 331.000; Gesamtbedarf 774.000 Euro)-
- Ortskernsanierung (Zuschüsse an Privat): 52.000 Euro.

Über zwei Millionen Euro für etwaige Zentralisierung des Kindergartenbereichs

Bei den geplanten Maßnahmen für dieses und die folgenden Jahre handele es sich nicht um Luxussachen, betonte die Kämmerin. Die große Unbekannte in der mittelfristigen Finanzplanung ist der Kindergartenbereich. In diesem hatte ein von der Gemeinde im Vorfeld des zum 1. August dieses Jahres anstehenden Trägerwechsels (von der evangelischen Kirche zum Diakonieverband Nördlicher Schwarzwald) in Auftrag gegebenes Organisationsgutachten ergeben, dass es sinnvoll sein könnte, die Einrichtungen Brunnengasse und Kirchhaldenpfad zusammenzulegen. Dass es in Loffenau zwei Kindergärten in derselben Trägerschaft gibt, die Luftlinie gerade mal rund 500 Meter auseinanderliegen, ist historisch gewachsen, aber nicht in Stein gemeißelt. Deshalb werde man nun zunächst den Trägerwechsel abwarten, dann die entsprechenden Gespräche mit dem Diakonieverband Nördlicher Schwarzwald führen und prüfen, ob eine zentrale Einrichtung langfristig die bessere Lösung sein könnte.

So skizzierte Bürgermeister Markus Burger im BT-Gespräch den Zeitplan. Er verwies darauf, dass diesbezüglich noch keinerlei Entscheidung getroffen sei. Um den erforderlichen finanziellen Spielraum in der angespannten Haushaltslage zu haben, hat man für das Jahr 2022 vorsorglich 50.000 Euro für Planungsmittel und in den Jahren 2023 und 2024 jeweils eine Millionen Euro für eine etwaige Umsetzung eingestellt.

Diesem Gesamtbetrag liegen Erfahrungen anderer Kommunen zugrunde, die einen Kindergartenneubau in ähnlicher Größenordnung realisiert haben, erklärte der Bürgermeister. Als Standort komme in Loffenau eigentlich nur das Areal des Kindergartens Brunnengasse infrage, meinte Burger.

Insgesamt lasse sich für Loffenau feststellen, dass die finanziellen Spielräume der Gemeinde sehr eng sind. „Gelingt es weiterhin, den Kindergarten zu optimieren und erholt sich der Holzmarkt, entspannt sich die Lage im laufenden Ergebnis etwas“, blickte die Kämmerin in ihrem Fazit voraus: „Ein Haushaltsausgleich wäre aber wohl dennoch nicht zu erwirtschaften – auch nicht in den Finanzplanjahren“, prognostizierte Tamba.

Ihr Autor

BT-Redakteur Stephan Juch

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Erstellt:
17. März 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 48sec

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