Kindergarten Neusatz: Generalsanierung kein Thema

Bühl (BNN) – Eine Generalsanierung oder ein Neubau des Kindergartens Neusatz ist zurzeit kein Thema mehr. Das Geld reicht nach Auskunft der Stadt Bühl nur für dringende Reparaturen.

Ausgelastet, aber schlechte Energiebilanz: Der Kindergarten in Neusatz ist 50 Jahre alt.  Fotos: Ulrich Coenen

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Ausgelastet, aber schlechte Energiebilanz: Der Kindergarten in Neusatz ist 50 Jahre alt. Fotos: Ulrich Coenen

Die Kasse ist leer und die Stadt setzt auf Zeit. Für den Kindergarten in Neusatz, den die Kommune bereits zum 1. Januar 2020 inklusive des benachbarten Pfarrheims von der Pfarrgemeinde übernommen hat, bedeutet dies zumindest eine Gnadenfrist. „Wir beschäftigen uns lediglich mit dringend notwendigen Reparaturarbeiten“, berichtet Oberbürgermeister Hubert Schnurr (FW) auf Anfrage dieser Zeitung.

Vor zwei Jahren sah das noch völlig anders aus. Nachdem sich die Pfarrgemeinde, die die Jugendstil-Pfarrkirche St. Karl Borromäus aktuell für mehr als eine Million Euro aufwendig saniert, vom Problemfall Kindergarten getrennt hatte, stellte Ortsvorsteher Hans-Wilhelm Juchem (CDU) im September 2020 im Interview fest: „Das Flachdach ist undicht, die Energiebilanz des Gebäudes schlecht.“ Vor diesem Hintergrund müsse man prüfen, ob eine Sanierung überhaupt Sinn mache oder ob ein Neubau die bessere Lösung sei.

Der Gemeinderat hat den Kauf bereits im Oktober 2019 in nicht öffentlicher Sitzung beschlossen. Zum Kaufpreis wollte Schnurr damals auf Nachfrage keine Auskunft geben, sondern nur zum Gebäudezustand: „Das eingeschossige Flachdachgebäude an der Nordseite, das ausschließlich für Kindergartenzwecke dient, ist in einem schlechten Zustand.“ Das Dach sei nicht dicht, außerdem gebe es weitere baukonstruktive Mängel.

Das südliche Gebäude, in dem neben dem Kindergarten der Pfarrsaal, eine Wohnung und weitere Räume der Pfarrgemeinde untergebracht sind, sehe allerdings besser aus. „Wir werden prüfen, ob es sinnvoll ist, den nördlichen Trakt zu sanieren oder ob wir ihn besser abreißen und komplett neu bauen“, erklärte Schnurr damals. Diese Frage stellt sich beim südlichen Trakt angesichts des deutlich besseren Zustands nicht.

OB: „Kindergarten istaktuell betriebstüchtig“

Im Jahr 2019 waren die Auswirkungen der Automobilkrise mit dem Einbruch der Gewerbesteuer für die Stadt noch nicht so offensichtlich wie heute. Mit einer Rückkehr zum früheren Wohlstand rechnet im Bühler Rathaus und im Gemeinderat inzwischen niemand mehr. OB Schnurr verweist auf drei andere Mammutprojekte, die die Stadt stemmen muss: Sanierung des Windeck-Gymnasiums, Neubau einer Mensa und Neubau des Kindergartens in Moos.

Vor diesem Hintergrund konstatiert der Oberbürgermeister: „Der Kindergarten in Neusatz ist aktuell betriebstüchtig. Der Handlungsbedarf ist nach den Reparaturarbeiten nicht mehr so dringend, wie wir das zunächst befürchtet haben.“

„Immerhin kein Schimmel“: Hans-Wilhelm Juchem (CDU) ist Ortsvorsteher in Neusatz.  Fotos: Ulrich Coenen

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„Immerhin kein Schimmel“: Hans-Wilhelm Juchem (CDU) ist Ortsvorsteher in Neusatz. Fotos: Ulrich Coenen

Die Entscheidung der rathausinternen Arbeitsgruppe, die zwischen einer Generalsanierung des Bestands und einem kompletten Neubau abwägen sollte, wurde deshalb verschoben. „Diese Grundsatzentscheidung ist zurzeit kein Thema“, sagt Schnurr.

Das bestätigte Ortsvorsteher Juchem jetzt auf Anfrage dieser Zeitung. Vor 2025 rechnet er nicht mit einer Generalsanierung oder einem Neubau. Die Entscheidung über das Thema sei auf 2023 vertagt.

„Das ist für den Ortschaftsrat nach einer Begehung Stand der Dinge“, erklärte Juchem. „Immerhin gibt es im Gebäude keinen Schimmel. Wir akzeptieren die Verschiebung des Vorhabens, weil andere kommunale Projekte bereits länger eingetütet und wohl auch sehr wichtig sind.“ Im Haushaltsplan stehen nach Auskunft von Juchem rund 22.000 Euro für die Sanierung des Flachdaches. An der katastrophalen Energiebilanz des Gebäudes ändere das natürlich nichts.

Nachdem die Kirche das Kindergartengebäude an die Stadt verkauft hat, bleibt sie Trägerin der Einrichtung. Juchem berichtete, dass die Auslastung der Einrichtung gut ist. Aus diesem Grund werde auch der Pfarrsaal komplett vom Kindergarten genutzt. Der Kirchenchor weiche für Proben, die wegen der Corona-Pandemie aber nur selten stattfinden, in die Schlossberghalle oder die Pfarrkirche aus.

Kostenschätzung neun Jahre alt

Kindergarten und Pfarrheim Neusatz wurden 1969 bis 1971 erbaut und 1984 erweitert. Zum Raumprogramm gehören der große Pfarrsaal, der inzwischen teilweise vom Kindergarten genutzt wird, ein Besprechungsraum, eine Küche und eine vermietete Wohnung im Dachgeschoss. Für Kindergarten und Pfarrheim liegt eine Schätzung von 2013 vor, die Sanierungskosten in Höhe von 630.000 Euro nennt. Wegen des Baubooms, der galoppierenden Preise und des verschlechterten Gebäudezustands dürfte diese Summe deutlich angewachsen sein.

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Ihr Autor

Ulrich Coenen

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Erstellt:
17. Januar 2022, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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