Kinderhände lassen das Land erblühen

Stuttgart (red) – Vor 15 Jahren wurde in Baden-Württemberg die „Stiftung Kinderland“ gegründet. Sie ist bundesweit einmalig. 30 Millionen Euro sind bis heute in gemeinnützige Projekte geflossen.

Umschwärmter Ministerpräsident: Günther Oettinger erfüllt 2005 bei der Feier zur Stiftungsgründung Autogrammwünsche von Kindern. Foto: Uwe Sattler/dpa/Archiv

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Umschwärmter Ministerpräsident: Günther Oettinger erfüllt 2005 bei der Feier zur Stiftungsgründung Autogrammwünsche von Kindern. Foto: Uwe Sattler/dpa/Archiv

Günther Oettinger hatte die Idee, Marianne Schultz-Hector schoss großzügig Geld zu: Vor 15 Jahren wurde mit einem Fest im Park des Staatsministeriums die „Stiftung Kinderland“ gegründet. Die Einrichtung, die bundesweit noch immer einmalig ist, verfügt heute über ein Stammkapital von rund 53 Millionen Euro.

Die Tausende Projekte und Aktionen unterschiedlichster Ausrichtung haben ein gemeinsames Ziel. Die Stiftung, so erläutert ihr Geschäftsführer Christoph Dahl, will dazu beitragen, dass Kinder, Jugendliche und Familien in Baden-Württemberg ideale Lebens- und Entwicklungschancen vorfinden.

Die aktuellen Ausschreibungen und die Programminfos illustrieren die große Bandbreite. Noch bis 16. November können sich Vereine um finanzielle Unterstützung bewerben, die mit Kindern Bäume pflanzen und einen Zukunftswald gestalten wollen, um das Bewusstsein für die Bedeutung des Waldes im Klimawandel dauerhaft zu wecken.

Ein Film-Wettbewerb mit dem Titel „Smart. Ohne Phone“ zum bewussteren Umgang mit Medien hat bereits stattgefunden. Die Preisverleihung ist, wenn Corona es zulässt, für Anfang November geplant. Ebenfalls pandemiebedingt musste die Zukunftsakademie, die achte ihrer Art, 2020 alle Workshops virtuell organisieren.

Die Stiftung hat sich früh diverse Eckpfeiler gegeben. Für das Engagement in Sachen Kreativität steht auch der Schreibwettbewerb zum zehnten Geburtstag unter dem Motto „Dein Traum von der Zukunft“. Einer der jungen prämierten Autoren prognostiziert per Zeitmaschine nicht nur seine erfolgreiche Fußballerkarriere und wie er unter dem Nationaltrainer Thomas Tuchel spielt, sondern auch, dass er seine Villa in Ischgl per Handy heizen wird und einer der Mitspieler sich freuen kann, weil es gelang, Meerwasser mit Hilfe von Sonnenenergie zu entsalzen: Jetzt kann „seine Familie und die ganze Bevölkerung in Afrika selber genügend Nahrung herstellen“.

Eine andere Geschichte trägt den Titel „Kinder an die Macht“. Die Autorin will mit einbezogen sein in die Gestaltung der Zukunft: „Manchmal sehen wir die Dinge klarer als die Erwachsenen, denken weniger an den eigenen Vorteil und folgen ehrlich unserem Gefühl.“

Sie wolle dank konkret umgesetzter Ideen, die zur Nachahmung anspornen, vor allem das Selbstbewusstsein gestärkt wissen, beschrieb Schultz-Hector, die frühere Kultusministerin, einmal ihren Impetus. „Kinderland“ verfolgt das Ziel auf vielen Wegen. Mit einem Ferienprogramm, zum Beispiel, das immer wieder neu und mit unterschiedlichen Schwerpunkten ausgeschrieben wird.

2015 standen Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrungen im Mittelpunkt, „die in ihrem Leben schon viel Leid erlebt haben“. 28 Initiativen im ganzen Land wurden drei Jahre lang gefördert und wissenschaftlich begleitet. Viele Erkenntnisse sind gegenwärtig besonders aktuell: „Kinder mit einer Fluchtgeschichte haben die gleichen Bedürfnisse wie ihre Altersgenossen und sollten die gleichen Rechte haben wie alle anderen in Deutschland lebenden Kinder.“

Sportprogramme werden ausgeschrieben, Kooperationen zwischen Eltern und Schule unterstützt, ebenso Hospize oder der altersgerechte interreligiöse Dialog. Eine über die Landesgrenzen hinaus anerkannte Kulturakademie ist gegründet, in deren Rahmen Jahr für Jahr Kinder professionell begleitet ihre Talente in den Sparten Bildende Kunst, Literatur, MINT und Musik unter Beweis stellen.

Die Bilanz nach 15 Jahren schlägt sich in einer stattlichen Zahl nieder: Seit der Gründung sind 30 Millionen Euro in gemeinnützige Projekte geflossen. Eines davon hat Baden-Württemberg ideell und real erblühen lassen: Von Kinderhand sind 530 Gärten angelegt worden. Für das Geerntete gibt es ein Kochbuch. Und in diesem Werk adelt ein royaler Grußwortschreiber das Engagement: „Es gibt kaum etwas Wichtigeres, das wir unseren Kindern beibringen können, als ihnen zu zeigen, woher unser Essen kommt“, bekennt Prinz Charles als Vorsitzender von Garden Organic, der britischen Wohltätigkeitsorganisation für ökologischen Anbau.

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