Kinderpornos auf dem Schulhof: Das sagt die Polizei

Rastatt (sie) – Polizei-Jugendsachbearbeiter Andreas Haselbach vernimmt Schüler, die verbotene Fotos mit dem Handy verschicken.

Hat schon viele junge Täter vor sich sitzen gehabt: Andreas Haselbach ist seit mehr als 20 Jahren Jugendsachbearbeiter beim Polizeirevier Rastatt. Das Smartphone spielt heute in vielen Fällen eine Rolle. Foto: Holger Siebnich

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Hat schon viele junge Täter vor sich sitzen gehabt: Andreas Haselbach ist seit mehr als 20 Jahren Jugendsachbearbeiter beim Polizeirevier Rastatt. Das Smartphone spielt heute in vielen Fällen eine Rolle. Foto: Holger Siebnich

Rastatt – Kinder verschicken Kinderpornos: Die Hälfte der Sexualdelikte, die das Polizeirevier Rastatt registriert, geht inzwischen auf solche Fälle zurück. Schüler leiten verbotene Bilder via WhatsApp an Freunde oder Gruppenchats weiter. Was ihnen nicht bewusst ist: Damit machen sie sich strafbar. Viele Täter sitzen am Ende im Büro von Andreas Haselbach. Der Jugendsachbearbeiter des Polizeireviers Rastatt versucht, ihnen klarzumachen, warum sie falsch gehandelt haben. Unserem Mitarbeiter Holger Siebnich erzählt er im Interview, wie die Jugendlichen reagieren.

BT: Herr Haselbach, wie spricht man Kinder an, die Kinderpornos verschickt haben?
Andreas Haselbach: Bei mir als Jugendsachbearbeiter landen Fälle, bei denen wir von Schulen oder Eltern informiert werden. Zum Beispiel, wenn ein Jugendlicher in einem Klassenchat ein verbotenes Bild gepostet hat. Wir schreiben die Eltern an und bestellen sie und das Kind ins Revier ein.

Viele haben kein Schuldbewusstsein

BT: Welchen Eindruck machen die Betroffenen, wenn sie im Revier auftauchen?
Haselbach: Den meisten ist nicht bewusst, was sie da gemacht haben. Sie sagen, sie haben das Bild irgendwo aus dem Netz her. Sie wollten sich vielleicht im Klassenchat in den Vordergrund drängen und haben sich nichts weiter bei gedacht. Die Eltern sind allerdings oft geschockt. Wobei es leider auch Fälle gibt, bei denen die Jugendlichen allein bei uns auftauchen. Es ist erschreckend, wie vielen Eltern es egal ist.

BT: Wie schaffen Sie es, ein Unrechtsbewusstsein bei den Jugendlichen zu erzeugen?
Haselbach: Wenn es sich wie im Fall von Kinderpornografie um Straftaten handelt, beschlagnahmen wir das Handy als Tatmittel. Oft hat es schon einen Effekt, dass die Jugendlichen direkt mit ihrem Handeln konfrontiert werden. Ein Bild ist schnell im Netz geteilt. Wenn wir das hier noch mal persönlich thematisieren, bekommen viele Betroffene rote Ohren.

Tatwaffe Smartphone: Wenn Schüler Kinderpornos weiterleiten. Foto: Silas Stein/dpa

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Tatwaffe Smartphone: Wenn Schüler Kinderpornos weiterleiten. Foto: Silas Stein/dpa

Über juristische Folgen entscheidet der Staatsanwalt

BT: In vielen Fällen gibt es aber mehr Betroffene. Wenn ein Jugendlicher ein verbotenes Bild in einer Gruppe teilt, machen sich im Fall von Kinderpornografie alle Chat-Teilnehmer strafbar, weil schon der Besitz solcher Bilder verboten ist.
Haselbach: Das ist richtig. Wir verlangen von allen Beteiligten, dass sie die Aufnahmen löschen. Über die juristischen Folgen entscheidet die Staatsanwaltschaft. Nach Absprache mit den Schulleitern gehen wir auch in die Klassen. Dort sprechen wir an, welche Straftaten die Kinder und Jugendlichen mit dem Handy begehen können. Oft sind sie sich dessen nicht bewusst.

BT: Von was sprechen wir da abseits von Kinderpornografie?
Haselbach: Es werden auch andere schlimme Bilder geteilt, zum Beispiel Aufnahmen von Gewalt oder mit rechtsextremen Inhalten. Ein weiteres Thema ist Mobbing. Die Jugendlichen fotografieren Mitschüler, schreiben einen Spruch zum Bild oder verändern es und schicken es dann herum. Solche Fälle gibt es auch mit Lehrern. Einmal hat ein Jugendlicher zum Beispiel im Schwimmunterricht eine Lehrerin in der Umkleidekabine fotografiert.

Kaum Kontrollen über Klassenchats

BT: Was raten Sie Eltern?
Haselbach: Es ist immer eine Gratwanderung, in wieweit die Eltern schauen, was ihre Kinder am Handy treiben. Es gibt technische Möglichkeiten, die Nutzungsdauer einzuschränken und festzulegen, welche Apps die Kinder starten dürfen. Bis zu einem gewissen Alter halte ich das für sinnvoll. Das Problem gerade in Klassen-Chats ist, dass dort Lehrer wegen Vorgaben des Kultusministeriums nicht teilnehmen dürfen. Wenn die Eltern sich nicht damit beschäftigen, gibt es keinerlei Kontrolle, was dort geschieht.

BT: Sie sind seit dem Jahr 2000 Jugendsachbearbeiter. Das war lange vor der Smartphone-Zeit. Wünschen Sie manchmal die alte Zeit zurück?
Haselbach: Smartphones sind praktisch und machen das Leben oft leichter. Aber sie spielen heutzutage bei vielen Straftaten eine Rolle, gerade bei Jugendlichen. Inzwischen haben schon viele Viertklässler ein Smartphone, spätestens in der fünften Klasse ist es Standard. Diese Entwicklung wird sich nicht rückgängig machen lassen. Umso wichtiger ist die Prävention.


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