Kirchenreform: Mehr als „blumige Worte“ gefordert

Rastatt (manu) – Bei der Kirchenentwicklung 2030 ist noch vieles unklar. Das sorgt unter Ehrenamtlichen auch für Verärgerung. Die Reform war Thema bei der Vollversammlung des Dekanatsrats in Rastatt.

Das Gemeindehaus St. Alexander mit Sitz des Dekanats Rastatt: Bei der Ausrichtung der beiden Großpfarreien spielt auch eine Neuordnung der Immobilien eine Rolle. Foto: Egbert Mauderer

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Das Gemeindehaus St. Alexander mit Sitz des Dekanats Rastatt: Bei der Ausrichtung der beiden Großpfarreien spielt auch eine Neuordnung der Immobilien eine Rolle. Foto: Egbert Mauderer

Die katholische Kirchenentwicklung 2030 geht in diesem Herbst die ersten Schritte, wie jetzt bei der Vollversammlung des Dekanatsrats im Gemeindehaus Heilig-Kreuz in Rastatt-Rheinau zu erfahren war. Dass vieles noch ungeklärt ist, sorgt unter den Ehrenamtlichen auch für Verärgerung.

Es beginnt jetzt die Konzeptphase der Reform unter dem Schirm der Projektkoordinationstandems Pfarrer Ulrich Stoffers und Pastoralreferent Markus Westermann (für die Pfarreien auf der Rheinschiene) sowie Pfarrer Tobias Merz und Dekanatsreferent André Scholz (Murgtalstrecke).

Die Duos sind die Sammeltöpfe für „Herzensthemen“, innere Kirchenbilder sowie alle der neuen Großpfarreien dienlichen Konzepte vor Ort, um daraus einen „holzschnittartigen Projektplan“ zu erstellen. Es gilt, sich der Aktivitäten in den bestehenden Gemeinden zu versichern und diese auf eine solide Basis zu stellen, indem man die bereits Engagierten fürs Weitermachen einschwört. Bis März will man so ein „Portfolio der katholischen Kirche vor Ort“ erstellen.

Breite Beteiligung benötigt

Um in der Dimension der künftigen Großpfarreien die lokalen Gefüge bei der Stange zu halten, ist die großzügige Losung ausgegeben, es brauche zum Gelingen und zum „Lebendigbleiben“ eine breite Beteiligung aus allen kirchlichen Akteuren vor Ort, konkret: Ehrenamtliche aus Pfarreien und Verbänden, Mitarbeitende aus Kirchengemeinden, Schulen, Bildungseinrichtungen, Caritas und Seelsorge. Von den Hauptberuflichen in Pastoral, Bildung und Caritas erwarte man, dass diese sich „mit ihrer je eigenen Spiritualität gestaltend und unterstützend in den Prozess einbringen“.

Dazu kommt das Rekrutieren von „Menschen, die von uns aktuell noch gar nicht gesehen werden“. Hierbei zeigt man sich sehr offen, schließlich fehlt es an Personal. Dekanatsreferent Scholz machte deutlich: „Kirche erhält eine neue Gestalt.“ Dafür bedürfe es einer „ganz neuen Prozessarchitektur“.

„Ein bisschen schwimmen wir alle“

Aus der Versammlung kam dazu die direkte Frage: „Was kommt auf uns zu außer blumigen Worten?“ Man forderte einen roten Faden, anhand dessen man die Pfarrgemeinderäte sowie die Ehrenamtlichen umfassend informieren könne. Man monierte, es sei „sehr wenig geklärt“. Und: „Wo begleiten die Pfarrgemeinderäte diesen Prozess? Werden sie von den Entscheidungen der Hauptamtlichen überrannt?“

Dekan Josef Rösch bekannte: „Ein bisschen schwimmen wir alle.“ Am 25. und 26. März hält der Erzbischof eine diözesane Pastoralkonferenz ab, an deren Ende er mit Blick auf die entstandenen Sammeltöpfe die Richtschnur für die Weiterarbeit an der Großpfarrei-Architektur festlegt.

Auch Neuordnung der Immobilien spielt eine Rolle

Voraussetzung dafür ist die Umsetzung der Immobilienneuordnung. In der Dekanatsratsversammlung wurde sie als „der Nerv bei den Pfarrgemeinderäten“ bezeichnet. Es entscheidet sich bald, welche Kirchen, Kapellen, Gemeindezentren und pastoral genutzten Mietobjekte ausgemustert und dichtgemacht werden.

Mit den übrig bleibenden Immobilien sowie den in den Pfarreien vorhandenen Projekten und Aktiven jongliert man im Frühjahr in die Transformationsphase, um langsam „auf die Spur zu kommen“. In Teams vor Ort lotet man die neue Gestalt des kirchlichen Lebens aus, erprobt bis 2025/26 die Neuausrichtung, „unabhängig von bisherigen Denkgewohnheiten und Arbeitsweisen“.


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