Klärschlamm soll an den Kaiserstuhl

Gaggenau (tom) – Klärschlamm aus dem Stadtgebiet soll ab Ende der 2020er-Jahre am Kaiserstuhl verbrannt werden. Der Abwasserverband Murg plant eine Beteiligung an einer künftigen Anlage in Forchheim.

Das Gelände des Gaggenauer Klärwerks im Industriegebiet Bad Rotenfels ist in den vergangenen Jahren deutlich kleiner geworden. Es ist nur noch Platz für die notwendige vierte Reinigungsstufe. Das Foto stammt von 2019. Foto: Willi Walter

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Das Gelände des Gaggenauer Klärwerks im Industriegebiet Bad Rotenfels ist in den vergangenen Jahren deutlich kleiner geworden. Es ist nur noch Platz für die notwendige vierte Reinigungsstufe. Das Foto stammt von 2019. Foto: Willi Walter

Hintergrund ist die seit 2017 geltende neue Klärschlammverordnung. Sie schreibt vor, dass aus Klärschlamm künftig Phosphor zurückgewonnen wird.

Die Große Kreisstadt Gaggenau ist Mitglied des Abwasserverbands Murg mit Sitz in Rastatt. In Gaggenau müssen ebenso wie in den anderen Mitgliedskommunen des Zweckverbands die Gemeinderäte dem Ansinnen zustimmen. Der Gemeinderat billigte deshalb den Beitritt des Abwasserverbands Murg zum „Klärschlammverwertungs- Zweckverband Südbaden (KZV)“. Der Oberbürgermeister wurde zugleich ermächtigt, allen Entscheidungen, die zum Beitritt erforderlich sind, zuzustimmen. Der Abwasserverband Murg klärt die Abwässer aus: Ebersteinburg, Bischweier, Gaggenau, Kuppenheim, Muggensturm, Ötigheim, Rastatt und Steinmauern.

Eine ähnliche Anlage wird ebenfalls im Landkreis Karlsruhe geplant. Doch in Fachkreisen geht man davon aus, dass deren Kapazität bereits ausgeschöpft ist.

Derzeit fallen in den Klärwerken in Rastatt und Gaggenau insgesamt rund 8.000 Tonnen Klärschlamm pro Jahr an. Dieser wird bislang in die neuen Bundesländer zur Entsorgung transportiert. Künftig wäre die Fahrtstrecke also kürzer.

In der Sitzung am Montag stellte Dr. Wolfgang Nießen (Grüne) den Abtransport von Faulschlamm von Gaggenau nach Rastatt generell in Frage. Es könne doch sinnvoller sein, im Gaggenauer Klärwerk in Bad Rotenfels eine Faulturmanlage anzulegen und Methangas zu produzieren, das man klimaneutral verstromen könne.

Kämmerer Andreas Merkel entgegnete, dass Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen bereits vor Jahren ergeben hatten, dass es für den Zweckverband sinnvoller sei, den Klärschlamm zentral in Rastatt mittels Faulturm und Blockheizkraftwerk zu verwerten.

Darüber hinaus sei die Grundstücksfläche des Klärwerks in Bad Rotenfels mittlerweile sehr klein geworden: Die Stadt habe mehrere Male Flächen an angrenzende Betriebe veräußert. Die jetzt noch vorhandene, geringe Restfläche müsse für die vom Gesetzgeber geforderte vierte Reinigungsstufe vorgehalten werden.

Bürgermeister Michael Pfeiffer gab zu bedenken, dass zwei kleinere Anlagen in Rastatt und Bad Rotenfels nicht so gut und wirtschaftlich zu betreiben seien wie eben nur eine größere – jene in Rastatt.

Phosphat aus der Asche

Die neue Klärschlammverordnung (AbfKlärV) von 2017 sorgt für grundlegend neue Bedingungen in der Klärschlammentsorgung ab dem Jahr 2029: Das im Klärschlamm enthaltene Phosphat ist ab dann aus der Verbrennungsasche oder dem Klärschlamm zurückzugewinnen. Eine Mitverbrennung der Schlämme ohne Vorbehandlung in Kraftwerken oder Zementwerken wird somit, anders als bislang, nicht mehr möglich sein.

Vor diesem Hintergrund hat der Abwasserverband Murg bereits am 19. April 2019 beschlossen, eine regionale Klärschlammverwertung in Zusammenarbeit mit dem Abwasserzweckverband Breisgauer Bucht anzustreben. Hierfür soll ein neuer Zweckverband mit der Bezeichnung „Klärschlammverwertung Zweckverband Südbaden (KZV)“ gegründet werden. Diese Körperschaft öffentlichen Rechts wird in Forchheim (Kaiserstuhl) eine Monoklärschlammverbrennungsanlage planen, bauen und betreiben.

Die Phosphatrückgewinnung soll mit einem geeigneten Verfahren aus der Klärschlamm-Asche erfolgen. Doch dies funktioniert bislang nur im Labormaßstab; es gibt in der Praxis noch keine großtechnisch erprobten Verfahren. Damit liegen auch noch keine verlässlichen Preisangaben vor. Der Abwasserverband Murg kalkuliert derzeit mit diesen Kosten: Transport etwa 24 Euro/Tonne, die anschließende Verbrennung in Forchheim werde in Abhängigkeit der Größe der Anlage auf 100 bis 128 Euro pro Tonne geschätzt. Dies entspreche den aktuellen Marktpreisen für die Klärschlammentsorgung ohne Phosphatrückgewinnung.

Die Kosten für die eigentliche Phosphatgewinnung kommen also bei der Forchheimer Anlage noch hinzu.

Weitere Informationen zur Klärschlammverordnung finden Sie hier.


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