Klagen über Störche in Stollhofen nehmen zu

Rheinmünster (fvo) – Die Klagen von Anwohnern über die Storchen-Ansiedlungen in Stollhofen nehmen zu. Neben dem Krach stört viele der Gestank durch den Kot. Aktuell gibt es bereits elf Paare im Ort.

Suchbild mit Störchen: In Stollhofen sind zahlreiche Vögel und Nester auf relativ engem Raum zu finden. Foto: Bernhard Margull

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Suchbild mit Störchen: In Stollhofen sind zahlreiche Vögel und Nester auf relativ engem Raum zu finden. Foto: Bernhard Margull

Störche und Stollhofen, das sollte passen, könnte man meinen. Zumindest klanglich ergibt dies eine wunderbare Assonanz. Doch die Nebenwirkungen von Meister Adebar sind nicht wirklich lecker, duften und klingen eher nach Diskrepanz und Dissonanz. Zumal die Anzahl und damit die Zahl der betroffenen Haushalte zunimmt. Das wurde bei der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrats überdeutlich.
„Unter der Woche muss ich die Terrasse mit einer Folie abdecken“, schildert Mike Lorenz die Verhältnisse für dessen junge Familie, die das Gebäude der ehemaligen Gaststätte „Lamm“ bewohnt. Das Storchenpaar mit Jungen haust zwar „nur“ auf dem unmittelbar angrenzenden Nachbaranwesen, doch die Dröhnung bekommt seine Familie voll ab. Zu dem penetranten Gestank des tierischen Kots kommt der Krach, was, da das Schlafzimmer der Familie gerademal 15 Meter vom Nest entfernt ist, einige „schlaflose Nächte“ beschert. „Die fangen oft auch mal nachts um drei Uhr an zu klappern“, klagt Lorenz.

Auch die neue Außenanlage inklusive Rasen, in die die Familie „sehr viel investiert“ hat, wird permanent in Mitleidenschaft gezogen. Zu allem Übel kommt der Ausblick auf einen möglichst coronagerechten Urlaub zuhause im eigenen Garten, was mit zwei Grundschulkindern und den tierischen Ausscheidungen wenig erbauliche Aussichten sind.

„Das alles ist schon eine große Einschränkung, um nicht zu sagen ein Verlust von Lebensqualität“, findet Lorenz und zeigt auch wenig Verständnis, dass die Rechte des vom Aussterben bedrohten und europaweit geschützten Tieres derart hoch hängen und es als Hausbesitzer scheinbar gar keine Handhabe gebe. Er sieht jedenfalls dringend Handlungsbedarf, zumal bei durchschnittlich zwei Jungstörchen, „ansonsten werden wir in drei, vier Jahren eine riesige Plage haben“.

Aktuell elf Nester im Ortsteil

Das kann auch Ehepaar Oswald und Ingrid Bechtold aus der Bannstraße 1 nur unterstreichen. Auch bei ihnen hat sich ein Storchenpaar direkt auf dem Kamin häuslich eingerichtet und von dort aus alles mit Kot vollgemacht. „Und das stinkt richtig“, berichtet Bechtold. Seine Versuche, das Kamin durch zwei mit Stahlnadeln versehene Brettern zu sichern, sei letztlich erfolglos gewesen. Die Tiere sind einfach Richtung Giebel weitergewandert. Und so brachte die ohnehin bedenkliche Aktion („Ich musste da noch in meinem Alter hochkraddeln“) neben einem zerstörten Hochbeet durch die im Sturm herabgefallenen Bretter nur einen scharfen telefonischen Verweis des Landratsamtes ein, derlei eigenmächtige Umtriebe zu unterlassen. Mit den negativen Begleiterscheinungen müssen er und seine Familie allerdings täglich leben. Ganz zu schweigen von den Mücken. „Für die ist der Kot ja quasi eine Einladung“, so Bechtold und verweist auf ähnliche Probleme rund um die Gamshurster Kirche, wo Zugänge zur Kirche schon mit rot-weißen Bändern abgesperrt werden mussten.

Aktuell hat Stollhofen elf Nester bzw. Storchenpaare mit entsprechendem Nachwuchs. Fakt ist auch – und dazu braucht man kein Vogelexperte sein: „Es werden jedes Jahr mehr, und es sind einige Einwohner davon betroffen“, sieht auch Interims-Ortsvorsteherin Melanie Schaan (SPD) dringend Handlungsbedarf, weshalb sie das Thema ins Protokoll aufnehmen ließ. „Das Problem verschärft sich“, schlägt Ortschaftsrat Jens Lorenz (CDU) in dieselbe Kerbe. War man früher noch froh, wenn sich überhaupt mal ein Paar im Ort niederließ, so kippt die Geschichte so langsam. Laut Schaan denkt die Gemeinde bereits über Umsiedlungsmaßnahmen nach und ist um eine nachhaltige Lösung bemüht, um die betroffenen Bürger nicht alleine zu lassen.

Umsiedlung gestaltet sich schwierig

Allerdings ist eine „Verpflanzung“ der Nester rechtlich nicht so einfach, in der Regel nur solange möglich, bis das Paar noch nicht „Hochzeit“ hatte, sprich bis das Nest noch nicht fertig gebaut ist. Selbst im November, wenn das Nest verlassen wird, darf es nicht einfach entfernt werden. Auch sei die Frage, „inwieweit wir da als Gemeinde wirklich eine Handhabe haben“, so Schaan. Man habe jedenfalls die Einwohner bereits angehalten, die Tiere nicht mehr zu füttern, zumal diese bei der aktuell nassen Witterung ohnehin genug Nahrung fänden.

Mike Lorenz bringt zudem auf die Palme, dass sich nach Auskunft des Ordnungsamtes der Hauseigentümer, auf dessen Dach die Tiere hausen, um einen Alternativplatz im näheren Umkreis bemühen muss – nach vorherigem Antrag beim Regierungspräsidium. Und auf den Kosten bleibe man dann auch noch sitzen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Franz Vollmer

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Erstellt:
16. Juli 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
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