Klares Votum: Kindergarten-Neubau statt Sanierung der „Oase“

Muggensturm (sl) – Muggensturm will dem steigenden Bedarf an Kinderbetreuung mit dem Neubau eines Kindergartens begegnen. Der alte Kindergarten „Oase“ wird dafür nicht saniert.

Das Grundstück Ecke Vogesenstraße/Veritasstraße im Muggensturmer Baugebiet Faisen Nord II ist als Standort für den neuen Kindergarten vorgesehen. Foto: Sebastian Linkenheil

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Das Grundstück Ecke Vogesenstraße/Veritasstraße im Muggensturmer Baugebiet Faisen Nord II ist als Standort für den neuen Kindergarten vorgesehen. Foto: Sebastian Linkenheil

Das Projekt ist umstritten, aber das Votum des Muggensturmer Gemeinderats am Montagabend war eindeutig: Anstatt noch einmal fast fünf Millionen Euro in den 30 Jahre alten Kindergarten „Oase“ zu stecken, um ihn zu sanieren und zur sechsgruppigen Einrichtung zu erweitern, will die Gemeinde lieber gut sieben Millionen in die Hand nehmen, um im Gewerbegebiet Faisen Nord II neu zu bauen und dazu noch eine Küche zur Versorgung von 250 bis 300 Kindergarten- und Schulkindern zu haben.
Dass dieser Tage auch noch die Zusage aus Stuttgart für 840.000 Euro Zuschuss, den es für die Oase-Sanierung nicht gäbe, ins Rathaus flatterte, spielte dann für die Entscheidung des Gemeinderats schon fast keine Rolle mehr. Die Sitzung war gut besucht, die Ränge füllten Oase-Eltern, die sich im Vorfeld für den Erhalt des rund 30 Jahre alten Kindergartens eingesetzt hatten. Ihnen dankte Bürgermeister Dietmar Späth für ihr Engagement, wenn sich die Gemeindeverwaltung auch eindeutig für den Neubau aussprach.

Der Bürgermeister erinnerte auch noch einmal daran, dass die Gemeinde ausführliche Pläne zur Sanierung der „Oase“ erstellen ließ. Die Kosten hatten dann allerdings den Gemeinderat ins Grübeln gebracht, sodass der Neubau im Faisen ins Auge gefasst wurde. Die Pläne dazu stellte in der Sitzung Architekt Andreas Adler vor. Zuvor hatte Margita Müller von der Gemeindeverwaltung noch einmal das Alternativprojekt „Oase“-Sanierung dargestellt, ging es doch an diesem Abend um eine Grundsatzentscheidung des Gemeinderats. Hauptamtsleiter Claus Gerstner wog dann das Für und Wider noch einmal akribisch in einer Gegenüberstellung ab. Aus Sicht der Gemeinde sprechen unterm Strich die Flexibilität der Nutzung für alle Betreuungsformen mit Krippenkindern unter drei Jahren, Ganztageskindern und Inklusion für den Neubau. Weitere Vorteile sind die energetische Ausrichtung des Neubaus, der im Betrieb CO2-neutral sein soll. Nicht zuletzt können mit der neuen Küche 250 bis 300 Kinder auch anderer Kindergärten und die Ganztagskinder der Albert-Schweitzer-Schule verpflegt werden.

Verkehrslärm fällt nicht ins Gewicht

In der Bürgerfragestunde hatte ein Muggensturmer gefragt, ob es für das gemeindeeigene Baugrundstück an der Ecke Vogesenstraße/Veritasstraße, das auch an die Bahnlinie grenzt, ein Schallgutachten gebe. „Gibt es“, antwortete Architekt Adler. Die Schallwellen aus Richtung Straße seien minimal, sodass der Verkehrslärm komplett irrelevant sei, und bei der Bahnlinie müsse man im Fall eines Kindergartens, der ja anders als Wohnhäuser nachts nicht genutzt wird, nur eine Tagbetrachtung anstellen. Ergebnis: Der Standort fällt in die Schallschutzklasse drei. Adler: „Das erfüllt jedes normale Fenster, das Wärmeschutzverglasung beinhaltet. Weitere Anforderungen für Schallschutz gibt es nicht.“

Keine leichte Entscheidung

Dass sich der Gemeinderat die Entscheidung nicht leicht gemacht hat, war den Stellungnahmen der Fraktionen anzumerken. Harald Unser (MBV) sagte: „Ich bin sicher, wenn das Kindergartenpersonal die Pläne und das Gesamtkonzept sieht, werden sie sich auf das neue Gebäude freuen.“ Dass während der Sanierungszeit der „Oase“ ein Containerdorf zur Betreuung der Kinder notwendig wäre, war für ihn ein weiteres Argument für den Neubau. Nicht nur wegen der Kosten, sondern weil man das auch den Kindern nicht zumuten müsse.

Melanie Rodriguez (SPD) gab zu bedenken, dass der neue Kindergarten für berufstätige Eltern, die mit dem Auto schnell weiter müssten, gut zu erreichen sei, während in der Friedenstraße bei einer Erweiterung der „Oase“ der Verkehr steigen würde. Sie wünschte sich, dass das Personal der „Oase“ sich in die weitere Planung des Neubaus einbringen kann. Joachim Schneider (CDU) legte Wert darauf, dass mit dem Grundsatzbeschluss für einen Neubau noch nicht das endgültige Aus der „Oase“ als Ort der Kinderbetreuung besiegelt sei. Die Planungen für den Neubau fand er in pädagogischer und ökologischer Hinsicht gut. Er machte auch darauf aufmerksam, dass der Kindergarten, außer etlichen Stellplätzen für Autos und Fahrräder, auch Bahnanschluss hat: Die Haltestelle „Badesee“ ist direkt in der Nachbarschaft.

Ihr Autor

BT-Redakteur Sebastian Linkenheil

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Erstellt:
23. Juni 2021, 12:30 Uhr
Lesedauer:
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