Klassischen Werte aufrechterhalten

Baden-Baden (fk) – Kurt Hermann (AfD) will konservative Werte bewahren und drängt auf Änderungen bei Gesundheit und Bildung.

Leidenschaftlicher Imker: Der Baden-Badener AfD-Stadtrat Kurt Hermann kandidiert für den Landtag. Foto: Florian Krekel

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Leidenschaftlicher Imker: Der Baden-Badener AfD-Stadtrat Kurt Hermann kandidiert für den Landtag. Foto: Florian Krekel

Man könnte Kurt Hermann als Enttäuschten bezeichnen. Enttäuscht von der rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder, die regierte, als er anfing, sich für die Politik zu begeistern. Enttäuscht von den konservativen Parteien; enttäuscht allen voran von der CDU. Sie hätten, so sagt der AfD-Kandidat für den Wahlkreis Baden-Baden, die konservativen Werte verloren, seien nach links abgedriftet. Seine Heimat hat er deshalb in der AfD gefunden, für die er nun in den Landtag einrücken will.

„Nicht rechtsextremistisch, sondern konservativ“

Denn, das macht er am Tag, da die AfD zum Überwachungsobjekt für den Verfassungsschutz wird, deutlich: „Die AfD ist keine rechtsextremistische Partei, sondern eine konservative.“ Parteiprägend seien nämlich nicht einzelne Köpfe wie Björn Höcke oder Stefan Räpple, sondern der Bundesvorstand. Und der sei klar konservativ und nicht rechtsextremistisch. Äußerungen von Alice Weidel, die von vielen als „rechts“ interpretiert würden, seien zwar unglücklich, aber kein Indiz für rechtsradikale Tendenzen. Der Kreisverband Baden-Baden/Rastatt, zu dessen Vorstand Hermann zählt, stehe hinter Parteichef Jörg Meuthen.

Sein politisches Ziel formuliert Hermann klar in einem prägnanten Satz: „Zukunftsgestaltung unter der Maßgabe ,Erhalten, was war‘.“ Die klassischen Werte sollen aufrechterhalten werden in einem Land, „wo Milch und Honig fließen und jeder alles erreichen kann“. So wie es einmal gewesen sei. „Das möchte ich auch für meine Kinder.“ Die CDU verkörpere das aber nicht mehr, biedere sich zu sehr den Grünen an und stecke auf Bundesebene in einer großen Koalition, die er, so Hermann, ablehne.

„Allen voran die Pflege“

Seine Kernthemen hat Hermann in den Feldern Gesundheitspolitik – „allen voran die Pflege“ – und Bildungspolitik. So sieht er etwa im Gesundheitssektor auf Landesebene mehrere Fehlplanungen und schlechte Politik. Beispiel Baden-Baden: Hier sei er zwar auch für ein Zentralklinikum, aber nicht für eine Reduktion der Betten. Dieser Trend sei ein Fehler auf Landesebene, genauso wie die nicht leistungsgerechte Bezahlung von Krankenpflegern und Heimmitarbeitern. Lösen will er das unter anderem durch eine Ausweitung von staatlichen Pflegeheimen als Konkurrenz zu den vielen privaten, die auf Gewinnmaximierung ausgelegt seien. Das bedinge auch die hohen Pflegesätze in Baden-Württemberg. Außerdem müsse es neue Regelungen im Hinblick auf die Bezahlung der Kräfte geben – „von den momentanen Gegebenheiten profitiert nur die Pharmaindustrie, die ohnehin geschont wird.“

Dreigleisiges Schulmodell

Im Bildungssektor plädiert der Vater von drei Kindern und technische Betriebswirt für ein dreigleisiges Schulmodell und positioniert sich klar gegen Inklusion. In der Gesellschaft sei die sicher sinnvoll, aber nicht in der Schule – „zumindest nicht im Klassenzimmer“. Behinderte Kinder bräuchten „speziell ausgebildete Pädagogen“. Außerdem müsse die Digitalisierung der Schulen verstärkt werden, und das nicht nur durch bloßes Bereitstellen von Laptops, sondern auch durch Glasfaserleitungen und andere Infrastruktur sowie Unterricht zum richtigen Recherchieren und Auswerten von Informationen im und aus dem Internet. Hermann kritisiert eine politische „Indoktrinierung“ der Schüler durch Lehrer. Hier müssten an Schulen Vertrauensleute bereitgestellt werden, an die sich Eltern wenden könnten, wenn Schüler politisch beeinflusst würden.


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