Klein-Parzellige Grundstücke sollen Amazon verhindern

Baden-Baden (up) – Der Ortschaftsrat Haueneberstein spricht keine Genehmigung für das Logistikunternehmen Amazon aus. Stattdessen sind Kleinbetriebe erwünscht.

Der Ortschaftsrat Haueneberstein fordert die Ansiedlung von Kleinbetrieben statt des Online-Riesen Amazon. Foto: Ulrich Philipp

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Der Ortschaftsrat Haueneberstein fordert die Ansiedlung von Kleinbetrieben statt des Online-Riesen Amazon. Foto: Ulrich Philipp

Der Ortschaftsrat von Haueneberstein hat am Montagabend das Bebauungsplanverfahren für das Gewerbegebiet „Aschmatt-Sellmatt-Braunmatt-Restfläche“ eingeleitet. Ziel der Ratsmitglieder ist es, die Ansiedlung des Online-Versandhändlers Amazon zu verhindern.

Das Votum der Ortschaftsräte war einstimmig, jetzt muss der Baden-Badener Gemeinderat dem Vorhaben noch zustimmen. In den Antrag des Ortschaftsrates wurde eine Stellungnahme der Fraktionen von CDU, Grünen, Freie Bürger Baden-Badens (FBB) und der SPD aufgenommen, die Alexander Schäfer (CDU) vorlas. Die Ortschaftsräte der genannten Fraktionen wollen demnach explizit die Ansiedlung des Online-Versandhändlers Amazon verhindern, der in dem Gewerbegebiet ein großes Logistikzentrum bauen will. Deshalb fordern sie eine Gliederung des Gewerbegebietes in klein-parzellige Grundstücke, auf denen sich ausschließlich Kleinbetriebe ansiedeln dürfen. Logistikunternehmen sollen keine Genehmigung erhalten, sich niederzulassen.

Kleinere Flächenversiegelung

Außerdem soll der Ausbau der Braunmattstraße in den Bebauungsplan aufgenommen werden. Als Begründung ist in der Stellungnahme festgehalten, kleinere und mittlere Handwerks- und Gewerbebetriebe benötigten kleinere Grundstücke, von denen etwa 20 entstehen könnten. Das hätte einerseits den Vorteil, dass Gewerbesteuern oder Fremdenverkehrsabgaben eingenommen werden könnten, aber auch die Flächenversiegelung wäre deutlich kleiner als bei einem Großprojekt. Außerdem brächte das Amazon-Verteilzentrum eine erhebliche Verkehrsbelastung mit sich. „Wir investieren gerade 750.000 Euro in die Verkehrsberuhigung der Ortsmitte“ stellte Reinhilde Kailbach-Siegle (CDU) klar, da sei ein großes Logistikzentrum kontraproduktiv: „Wir wollen Lebensqualität erhalten.“ Am Ende solle aber nicht stehen, „dass wir Amazon in Haueneberstein verhindert haben, wir hätten uns auch gegen andere wie beispielsweise UPS ausgesprochen“, so Kailbach-Siegle.

Nähe zur Autobahn und Bundesstraße

Sabine Iding-Diehlmann (Grüne) ergänzte: „Unsere Gewerbegebiete sind von kleineren Gewerben geprägt, außerdem grenzen sie an Wohngebiete.“ Volker Maier von den Freien Wählern erklärte, er sei ebenfalls gegen die Ansiedlung von Amazon, auch wenn seine Fraktion die Stellungnahme nicht unterzeichnet hat: „Wir haben keinen Fraktionszwang.“ Vor der Abstimmung hatte Kurt Armbruster vom Fachbereich Stadtplanung den Räten mitgeteilt, das Planungsgebiet eigne sich wegen der Nähe zu Autobahn und Bundesstraße gut für die Ansiedlung von Logistikbetrieben. Auch für große Sattelschlepper gebe es genug Platz. Nur wenn ein Lkw von der Braunmattstraße in die Bertha-Benz-Straße Richtung B3 abbiegen wollte, und es käme ihm hier ein weiterer großer Lkw entgegen, müsste dieser bis zum etwa 150 Meter entfernten Kreisel weiterfahren, umkehren und dann rechts in die Braunmattstraße abbiegen, so Armbruster.

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Erstellt:
14. April 2021, 11:00 Uhr
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