Kleine Ausstellung, großer digitaler Aufschwung

Stuttgart (sr) – Das Kunstministerium des Landes stellt kleineren kommunalen und privaten Museen professionelle Hilfe für den digitalen Ausbau zur Verfügung.

Das Hans-Thoma-Museum in Bernau hat sich bereits digital weiterentwickelt: Künftige Besucher sollen mit den Preisträgern, deren Werke hier gezeigt werden, direkt kommunizieren können. Foto: Bernd Schumacher/Hans-Thoma-Museum

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Das Hans-Thoma-Museum in Bernau hat sich bereits digital weiterentwickelt: Künftige Besucher sollen mit den Preisträgern, deren Werke hier gezeigt werden, direkt kommunizieren können. Foto: Bernd Schumacher/Hans-Thoma-Museum

Ohne virtuelle Angebote sind heute alle Kulturinstitutionen aufgeschmissen: Nach Monaten der Schließung von Theatern, Museen, Konzertsälen und Kinos ist klar, dass man digital präsent sein sollte und ohne Neue Medien kaum mehr auskommt. Schon längst ist die Führung durch ein Museum nicht mehr auf eine „physische“ Person angewiesen, die da mit mehr oder weniger zupackendem Charme ihre Gruppen durch die Ausstellung schleust.

Dafür gibt es den Audioguide, der mit angenehmer, oft sogar prominenter Schauspielerstimme das Wesentliche zum Bild, zur Skulptur, zur Installation erläutert. Immer mehr aber werden interaktive Formate gewünscht, bei denen man noch einmal nachfragen und knappe Erläuterungen vertiefen kann. Für große Häuser ist auch das kein Problem. Aber für die vielen kleinen, kommunalen oder privaten Museen wird es da eng. Das Stuttgarter Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst hat deshalb die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) beauftragt, einen Kompass für digitale Kultur zu erstellen und damit den kleineren Institutionen jene handwerklichen Tricks an die Hand zu geben, mit denen sie das Potenzial der digitalen Technologie nutzen und letztendlich einen effektiven und individuellen Auftritt hinlegen können.

Museumsdirektorin als Comicfigur

Das Hans-Thoma-Museum in Bernau im Schwarzwald hat bereits davon profitiert: Wie Museumsleiterin Margret Köpfer im BT-Gespräch erläutert, hatte sie zwar lange schon die Idee für einen interaktiven Media Guide, aber erst in einem Workshop mit den MFG-Experten habe sich ihr Vorhaben konkretisiert und dann auch umsetzen lassen. Für das Hans-Thoma-Museum, das sie selbst als „ein bisschen angestaubt“ bezeichnet, hat sie einen Guide im Stil von WhatsApp entwickelt, damit der Besucher fiktive Chats mit den ausgestellten Preisträgern des Hans-Thoma-Preises führen kann. Der Media Guide antwortet auf die Besucherfragen mit Textbotschaften, Bildern oder mit Videos. An der Finanzierung hat sich das Ministerium beteiligt. Sollten die Museen bald geöffnet werden, könnte dieser neu entwickelte Media Guide auch rasch eingesetzt werden. Margret Köpfer hat sich dafür selbst zur Verfügung gestellt – als Vorlage für eine Comicfigur.

Kostenloser Online-Leitfaden

Die digitale Öffnung der Museen ist eines der Hauptanliegen des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, wie Staatssekretärin Petra Olschowski betont. Mit dem rund vier Millionen Euro umfassenden Förderprogramm „Digitale Wege ins Museum“ und der Etablierung fester Stellen für Digitalmanager in den Landesmuseen sei es gelungen, Baden-Württemberg zur „Leitregion in diesem Bereich“ innerhalb Deutschlands zu machen. Neben der Förderung der Landesmuseen stehen auch die nichtstaatlichen Museen im Fokus des Ministeriums. Für sie speziell wird jetzt der Kompass Digitale Kultur der MFG Baden-Württemberg als Online-Leitfaden zur Verfügung gestellt.

MFG-Geschäftsführer Carl Bergengruen sieht dadurch die 1.200 kleinen und mittelgroßen Museen im Land gestärkt. „Die Museen können aus einem breiten Sortiment jederzeit die für sie passenden Methoden, Werkzeuge und Vorlagen abrufen und im Rahmen ihrer eigenen Strukturen und Möglichkeiten anwenden.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sabine Rahner

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Erstellt:
4. Mai 2021, 23:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 27sec

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