Kleinod für Mensch und Tier mitten in Rastatt

Rastatt (nora) – Sieghard Oberacker ist für das Klimabündnis Rastatt ein „Klimaheld des Alltags“. Er gestaltet seinen 250 Quadratmeter großen Garten in der Georgenvorstadt naturnah.

Natur pur mitten in Rastatt: Jedes Jahr pflanzt Sieghard Oberacker neue naturnahe Gewächse in seinen Garten. So sieht’s im Sommer aus. Foto: pr

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Natur pur mitten in Rastatt: Jedes Jahr pflanzt Sieghard Oberacker neue naturnahe Gewächse in seinen Garten. So sieht’s im Sommer aus. Foto: pr

Ist Rastatt auf dem Weg zurück in die Steinzeit? Diesen Eindruck hat zumindest Erwin Groß, Sprecher des Klimabündnisses Rastatt, wenn er durch die Wohnviertel geht. Dort finden sich immer mehr Stein- und Schottergärten. „Damit ist ein Trend entstanden, der aus ökologischer Sicht völlig in die falsche Richtung geht“, kritisiert er. Viele Steine bedeuteten wenige Pflanzen, die CO2 aufnehmen oder Tieren Nahrung bieten könnten.

Solche „Steinwüsten“ seien auch ein Problem für das Stadtklima, denn die Steine heizten sich auf und strahlten die Hitze auch nachts noch ab. „Allenfalls Eidechsen fühlen sich da wohl.“ Dass es auch anders geht, beweist Sieghard Oberacker. Auf seinem Grundstück im Herzen Rastatts hat der 65-Jährige ein Kleinod für Mensch und Tier geschaffen und sich damit aus Sicht des Klimabündnisses den Titel „Klimaheld des Alltags“ verdient. Seit dem Einzug in das Haus in der Georgenvorstadt 2008 arbeitet er daran, den rund 250 Quadratmeter großen Garten naturnah zu gestalten.

Zwei Tannen und eine Kiefer, die für das Grundstück deutlich zu groß waren, mussten weichen und machten Platz für heimische Vogelschutzgehölze, zum Beispiel Holundersträucher, Ebereschen, Haselnuss, Hartriegel, Rot- und Schwarzdorn sowie Felsenbirne und Goldparmäne. Sie halten heute ein Stelldichein mit vielen anderen ökologisch wertvollen Blumen, Kräutern, Gräsern und Kletterpflanzen.

Klimaheld des Alltags: Sieghard Oberacker. Foto: Nora Pallek

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Klimaheld des Alltags: Sieghard Oberacker. Foto: Nora Pallek

„Heimische Laubgehölze haben eine bessere CO2-Bilanz als Nadelbäume“, weiß Oberacker. Zusammen mit den anderen Pflanzen böten sie auch vielen Insekten und Vögeln Nahrung und Lebensraum. „Von meinen acht aufgestellten Nistkästen waren fünf im vergangenen Jahr belegt“, freut sich der Naturliebhaber über die zwitschernden Mitbewohner in seinem grünen Wohnzimmer. Auch viele Insekten beherberge der Garten, wie Wildbienen, Hummeln, Käfer und Schmetterlinge. Für ihn und seine Familie sei der Garten ein Ort der Erholung, Entspannung, Spiel und Spaß. „Im Sommer ist es hier schön schattig und kühl. Und meine Enkel freuen sich, dass sie auch mal Löcher graben dürfen“, erzählt er.

Der Entschluss, einen Naturgarten anzulegen, entspringt Oberackers Umweltbewusstsein, das ihn bereits seit vielen Jahren umtreibt. „Wir haben in Deutschland 17 Millionen Kleingärten. Wenn die alle naturnah gestaltet wären, könnten wir viel für Klima- und Artenschutz erreichen“, ermuntert er weitere Gartenbesitzer, seinem Beispiel zu folgen. Er empfiehlt, sich vorrangig für einheimische Pflanzen statt für standortfremde Gewächse wie Kirschlorbeer, Forsythie und Thuja zu entscheiden. „Insekten können mit solchen Exoten nicht viel anfangen“, betont er. Der Hobbygärtner will zwar auch nicht komplett auf Ziersträucher verzichten, arbeitet aber ständig daran, seinen Garten noch naturnäher zu machen. „In diesem Jahr kommen Himbeeren und Brombeeren dazu“, erzählt er. Auch eine Apfelbeere erhält in seinem Garten eine neue Heimat.

„Nackte Erde gibt es bei mir nicht“

Sein Wissen über die naturnahe Gartengestaltung hat er sich selbst angeeignet. „Beim Naturschutzbund gibt es viele gute Anregungen“, verrät der Klimaheld und gibt ein Beispiel: „Verblühte Stauden sollte man stehen lassen. Darin überwintern viele Insekten.“ Oberacker betont, dass kein Blatt, Gras- oder Baumschnitt seinen Garten verlässt: „Alles wird kompostiert oder landet direkt unter den Sträuchern.“

Unter den Büschen pflanzt er auch Stauden wie Bärlauch, Buschwindröschen und Günsel oder Farne. „Nackte Erde gibt es bei mir nicht“, so der Naturliebhaber, der das üppige Grün und die Pflanzenvielfalt liebt. „Ein aufgeräumter, fast leerer Garten ist nichts für mich.“ Seine nächsten Projekte hat er schon im Kopf: „Ich will Regenwasser vom Hausdach direkt in den Garten leiten und ein größeres Insektenhotel bauen.“

Zum Thema: Tipps zur Gestaltung

Experten geben folgende Tipps zur Gestaltung naturnaher Gärten:

• Heimische Bäume, Sträucher und Beeren pflanzen statt Exoten, also zum Beispiel Thuja durch Liguster ersetzen.

• Versteckmöglichkeiten und Brutplätze für Tiere schaffen, beispielsweise Vogelnistkästen, Fledermausquartiere, Hummelkästen aufstellen.

• Beerentragende Sträucher wie Schlehe, Schneeball, Hagebutten, Sanddorn, Liguster, Holunder, Eberesche und Brombeere füttern zweimal: Die Insekten zur Blütezeit und die Vögel zur Fruchtzeit.

• Schmetterlinge mögen wilde Möhre, Dill, Fenchel, Karotte, Liebstöckel und Brennesseln.

• Weide, Glockenblumen und Efeu fördern Bestäuberinsekten wie Wildbienen, Schwebefliege, Wespen, Florfliege, Ameisen, Käfer, Hummeln.

• Aus dem Rasen eine Wiese machen, aus dem Stiefmütterchenbeet eine Staudenflur.

• Wildrosen statt gefüllter Prachtrosen pflanzen.

• Eine Kräuterspirale aufstellen zum Nutzen von Hummeln, Käfern und Schmetterlingen – und natürlich auch für die eigene Küche!

Mehr Beiträge der Serie „Klimaheld des Alltags“ gibt es hier und hier.

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Erstellt:
20. April 2021, 15:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 12sec

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