Kletterer mögen „Graf Dickbauch“

Gernsbach (vgk) – Die bizarren Felsformationen des Murgtals verheißen Kletterspaß. Eine markante und augenfällige Felsformation ist der steilaufragende Grafensprung unterhalb von Schloss Eberstein.

Reger Betrieb herrscht bei gutem Wetter an der Grafensprung-Felsformation in Obertsrot, die bei Kletterern sehr beliebt ist. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Reger Betrieb herrscht bei gutem Wetter an der Grafensprung-Felsformation in Obertsrot, die bei Kletterern sehr beliebt ist. Foto: Veronika Gareus-Kugel

An schönen Tagen wie vergangenen Samstag verraten die Autokennzeichen, wie beliebt der Felsen bei Kletterern ist.

„Klettern erlaubt in den Bereichen ,Ohne Haken‘ und ,Rasenmäher‘ im oberen Teil und zwischen ,Mir zu morsch‘ und ,Graf Dickbauch‘ im unteren Teil“: Das ist auf der Homepage der Stadt Gernsbach zum Kletterabenteuer am Grafensprung zu lesen. Wer ist Graf Dickbauch? Und warum ohne Haken? Diese Bemerkungen haben nicht Augenzwinkern, Humor und Spaß im Sinn. Es sind Hinweise in zweierlei Hinsicht. Zum einen legen sie fest, in welchen Bereichen geklettert werden darf, zum anderen sind es Routenbeschreibungen unterschiedlichster Schwierigkeitsstufen.

Geklettert wird auch am Orgelfelsen

Einmal kleines Schlossgespenst gefällig? „Lange Route von Bändern unterbrochen. Vorsicht, lose Schuppe am Einstieg!“ Oder wie wär es mit „Fix und fertig“? Erklärung: „Unten plattige Boulderstelle und danach deutlich leichter zum Umlenker.“ Der Rasenmäher ist ein absolutes Muss für Flechtenliebhaber und verspricht bei trockenen Verhältnissen hübsche Klettereien. Das ist im Kletterbuch von Luc zu lesen. Der Karlsruher ist mit seiner Freundin vor Ort und zum ersten Mal am Grafensprung unterwegs. Am Felsen unten wie oben ist an diesem frühen sonnigen Nachmittag viel los. Doch wer klettern will, muss erst einmal selbst klettern. „Richtig“, wird jetzt der eine oder andere sagen, aber warum diese Erwähnung? Schuld daran ist der schmale, felsige Pfad, der von der Brücke zur Grafensprunghütte runter zur Plattform im oberen Bereich führt. Eine Herausforderung.

Grafensprung nichts für Anfänger

Dort angekommen, sind Seile zu sehen, die sich über den Fels spannen. Füße und Hände versuchen, im Gestein Halt zu finden. Auf dem Boden liegen Kletterseile, Haken, Helme und Rucksäcke. Der Fels ist nichts für Anfänger. Das nahezu senkrecht aufsteigende Gestein ist etwas für Profis, urteilt ein Kletterenthusiast. Normalerweise ist an dieser Stelle weniger los. Seit jedoch der Gausbacher Straßenfelsen wegen vermehrter Corona-Verstöße zwischenzeitlich gesperrt war (zum Thema), weichen nicht wenige Kletterer auf die Möglichkeit in Obertsrot aus.

Die meisten sind in Familiengruppen unterwegs, wie ein Vater mit seinen beiden Kindern. Er stamme aus Israel und wohne seit vier Jahren in Karlsruhe, erzählt dieser. Alle drei sind voller Begeisterung für die Klettermöglichkeit nahezu vor der Haustür. Auf Gernsbacher Gemarkung gibt es nur noch den Orgelfelsen bei Reichental, der für den Klettersport freigegeben ist. Am weithin sichtbaren Lautenfelsen wird hingegen der Natur Vorrang eingeräumt. Wo eine auffallende Felsformation ist, ist auch eine Sage nicht weit. Eine davon erzählt, wie einst Graf Wolf von Eberstein auf der Flucht vor seinen württembergischen Belagerern über die Felsen ritt und in die Murg sprang.

Auch Gausbach bei Kletterern sehr beliebt

Die Kletterfelsen in Gausbach sind im November vergangenen Jahres phasenweise gesperrt worden. Dazu sah sich die Verwaltung im Zuge der Corona-Verordnung veranlasst, weil der Andrang der Kletterer zwischenzeitlich zu groß geworden war und sich nicht alle an die Vorgaben hielten. „Zahlreiche Gruppen hatten sich im Straßenbereich aufgehalten und die Kletterrouten waren belegt. Es wurden weder Abstände eingehalten noch bestanden die Gruppen aus Mitgliedern nur eines oder von höchstens zwei Haushalten“, begründete die Verwaltung ihren Schritt. Der Straßenbereich sei damals mit sitzenden Gruppen und durch Kletterausrüstung derart ausgelastet gewesen, dass ein Durchkommen mit Fahrzeugen kaum möglich gewesen sei. Anfang März wurde der Kletterfelsen in Gausbach wieder freigegeben. Seither beobachte man die Situation, die sich im Vergleich zum Herbst 2020 aber deutlich verbessert habe, wie Thomas Hudeczek vom Hauptamt der Gemeinde informiert. Trotzdem könne es sein, dass Routen des Kletterfelsens demnächst wieder teilweise gesperrt werden müssen. Das hätte dann aber nichts mit Corona zu tun, sondern mit Maßnahmen zum Vogelschutz, erklärt Hudeczek. Diesbezüglich befinde man sich zusammen mit dem Landratsamt Rastatt gerade in der Prüfung.

Das Klettern in Gausbach ist laut Gemeinde eine Sondernutzung von öffentlichem Straßenraum. Die Straße sei so zu nutzen, dass andere Verkehrsteilnehmer diese zu Fuß, mit Fahrrädern oder Kraftfahrzeugen passieren können. Die Verwaltung bittet prinzipiell alle Nutzer des Kletterfelsens, verantwortungsvoll mit allen geltenden Regeln umzugehen.


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