Klimabündnis Rastatt sammelt Zigarettenstummel

Rastatt (nora) – An der Plittersdorfer Rheinpromenade sammeln Mitglieder der Umweltinitiative weggeworfene Glimmstängel. Mit der Aktion wollen sie Raucher sensibilisieren und der Natur helfen.

Sybille Kirchner, Birgitta Renz und Agnes Neumaier vom Klimabündnis (von links) sammeln am Rhein Zigarettenstummel, um auf deren Giftigkeit hinzuweisen.  Foto: Nora Pallek

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Sybille Kirchner, Birgitta Renz und Agnes Neumaier vom Klimabündnis (von links) sammeln am Rhein Zigarettenstummel, um auf deren Giftigkeit hinzuweisen. Foto: Nora Pallek

Das Klimabündnis Rastatt ist unter die Kippenjäger gegangen. Eine Sammelaktion an der Plittersdorfer Rheinpromenade, an der sich drei Mitglieder der Umweltinitiative beteiligten, brachte reichlich „Beute“: Fast ein ganzer Eimer Kippen wurde in nur eineinhalb Stunden gesammelt.

„Zigaretten schaden nicht nur den Rauchern, sondern sind auch ein großes Problem für die Umwelt“, sagt Sybille Kirchner, die treibende Kraft hinter der Kippenjägeraktion. „Zwei von drei Glimmstängeln landen nach dem Rauchen in der Landschaft“, verdeutlicht die Rastatter Stadträtin das Ausmaß des Kippenproblems. Weil das Thema sie schon lange beschäftigt, hat sie Mitstreiterinnen vom Klimabündnis Rastatt mobilisiert. Birgitta Renz und Agnes Neumaier aus Ottersdorf waren sofort bereit, bei einer Sammelaktion mitzumachen. „Wir wollen aufklären und Raucher sensibilisieren“, begründen die Aktivistinnen ihren Einsatz.

Zigaretten verunreinigen Grundwasser

Die Stummel finden sich überall, wo Menschen sich länger aufhalten, etwa an Bushaltestellen, unter Parkbänken und sogar auf Spielplätzen. Auch an der Rheinpromenade liegen sie dicht an dicht. „Viele Menschen wissen gar nicht, was sie anrichten, wenn sie Kippen einfach wegwerfen“, meint Kirchner. Dabei seien Zigarettenstummel wahre „Giftbomben“. Tausende von Chemikalien steckten darin, allen voran das hochgiftige Nikotin, aber auch Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Cadmium, Formaldehyd oder Benzol seien enthalten. „Durch den Regen werden die Schadstoffe ausgewaschen. Jede Zigarettenkippe verunreinigt rund 40 Liter Grundwasser“, betont Kirchner.

Und auch im Rhein könnten die Stummel immensen Schaden anrichten: „Bereits eine Zigarettenkippe pro Liter Wasser reicht aus, um die Hälfte der darin schwimmenden Fische zu töten.“ Da die meisten Zigarettenfilter aus Celluloseacetat – einem Kunststoff – bestehen, bräuchten sie 15 Jahre, um von der Natur abgebaut zu werden, im Salzwasser sogar bis zu 400 Jahre.

Appell an Raucher

Alle Raucher bittet Kirchner daher, stets einen mobilen Aschenbecher mitzunehmen und die Stummel später ordentlich zu entsorgen. „Zigarettenkippen gehören in den Restmüll!“, stellt sie klar und schlägt vor, alle öffentlichen städtischen Mülleimer mit einem Aschenbecher auszurüsten. „Bei den neueren Eimern ist das ja zum Glück bereits der Fall.“

Mit der Aktion erregten die Kippensammlerinnen die Aufmerksamkeit der Besucher an der Rheinpromenade. Nur ein Herr fühlte sich belästigt von den Aktivistinnen, die die Stummel mit Handschuh-bewehrten Fingern und Zangen vom Boden aufklaubten. Ansonsten ernteten sie nur positive Reaktionen. „Vielen Dank, dass Sie das machen“, sagte ein Passant sogar.

Und eine Gruppe von Feierabend-Biertrinkern nahm die Aktion zum Anlass, um sich lautstark über Menschen zu beschweren, die ihren Müll in die Landschaft werfen. Einer entpuppte sich dabei als besonders umweltbewusst. Er zeigte auf den Kronkorken neben seiner Bierflasche und verkündete: „Den nehme ich wieder mit und werfe ihn zu Hause in die gelbe Tonne.“ Genau die richtige Einstellung, fanden die Kippenjägerinnen.

Bußgelder für Müllsünder

Das Klimabündnis Rastatt kritisiert generell die Vermüllung der Landschaft. Die Diskussion um die Verunreinigung der Innenstadt habe das Problem in der Öffentlichkeit in den Fokus gerückt. „200.000 Euro für einen Dienstleister auszugeben, der hinter Müllsündern herräumt, ist jedoch keine Lösung“, betont Bündnissprecher Erwin Groß. Viel sinnvoller wäre es seiner Ansicht nach, das Geld einzusetzen, um Ordnungshüter einzustellen, die das Wegwerfen von Abfällen mit Bußgeldern ahnden.

„Das könnte zu einer Verhaltensänderung führen“, ist Groß überzeugt. Den Leuten müsse klar gemacht werden, dass es kein Kavaliersdelikt sei, Müll auf den Boden oder in Gewässer zu werfen. Groß betont, dass das Land den Kommunen bereits 2018 ein gutes Mittel an die Hand gegeben hat, um Müllsünder zu bestrafen. So gebe es eine Verwaltungsvorschrift, die landesweit einheitliche Bußgelder für Ordnungswidrigkeiten im Bereich des Umweltschutzes festlegt. Für das Wegwerfen von kleineren Mengen Hausmüll, wie etwa Zigarettenkippen, wären laut diesem Bußgeldkatalog 50 bis 250 Euro fällig.

Auf Nachfragen des Klimabündnisses bei der Stadt Rastatt, ob bereits derartige Geldstrafen verhängt worden seien, lautete die Antwort „äußerst selten“. Es fehle an Personal. „Wir fragen uns, warum die Stadt nicht in Umweltsheriffs investiert, statt einfach nur immer wieder hinter verantwortungslosen Mitmenschen herzuräumen“, kritisiert der Bündnissprecher. Bußgelder könnten zur Deckung der Personalkosten beitragen. Groß zitiert aus der Landesverordnung: „Neben Aufklärungsarbeit durch die Umweltverwaltung ist […] die Durchführung von Bußgeldverfahren bei erheblichen Umweltverstößen sowohl in repressiver Hinsicht als auch unter Abschreckungsgesichtspunkten zwingend erforderlich.“ Das Klimabündnis Rastatt könne diesen Satz nur unterstreichen.


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