Klinik statt Knast: „Brandstifter weiterhin gefährlich“

Rastatt (sl) – Landgericht Baden-Baden ordnet die Unterbringung eines Rastatters an, der seine Wohnung angezündet hatte.

Die Feuerwehr im Einsatz gegen den Brand, den ein Bewohner in „psychischer Ausnahmesituation“ gelegt hat. Foto: FFW

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Die Feuerwehr im Einsatz gegen den Brand, den ein Bewohner in „psychischer Ausnahmesituation“ gelegt hat. Foto: FFW

Auf längere Zeit in einem psychiatrischen Krankenhaus wird der Mann untergebracht, der in der Nacht auf den 2. September seine Rastatter Wohnung in Brand gesetzt hat und damit neun weitere Hausbewohner gefährdet sowie einen Sachschaden von rund 150 000 Euro verursacht hat. Das hat die Große Strafkammer des Landgerichts Baden-Baden unter Vorsitz von Wolfgang Fischer gestern angeordnet.

Bestraft im engeren Sinn wird der 49-Jährige nicht, da seine Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt nach Auffassung des Gerichts erheblich vermindert war. Stand er doch nicht nur unter erheblichem Einfluss von Drogen, sondern litt auch an einer wahnhaften Störung, die ihn glauben ließ, dass sich Angreifer in seiner Wohnung befänden. Um sich zu wehren, habe er das Feuer vorsätzlich gelegt, so die einhellige Meinung von Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung.

Ob die psychotische Störung des Beschuldigten letztlich auf den jahrelangen Drogenmissbrauch zurückzuführen ist oder ob von einer eigenständigen Erkrankung auszugehen ist, wagte sein behandelnder Arzt, Dr. Mehrshad Shahriari vom Zentrum für Psychiatrie Emmendingen, wo der Beschuldigte seit Dezember untergebracht ist, gegenwärtig nicht abschließend zu sagen. Hierzu müsse der Patient mindestens sechs Monate drogenfrei gelebt haben. Der Arzt tendierte aber dazu, die seelische Erkrankung auf den Drogenkonsum zurückzuführen. Während seines Klinikaufenthalts seien keine wahnhaften Erlebnisse mehr vorgekommen, der Patient glaube aber nach wie vor daran, dass ihn Mitglieder eines Motorradclubs, der ihn schon lange verfolge, in seiner Wohnung bedroht hätten. Der Mann war nicht zum ersten Mal in einer psychiatrischen Klinik. Zwei Kurzaufenthalte 2019 waren Kriseninterventionen, weil er einmal mit einem Hammer, das andere Mal mit einem Messer bewaffnet, in wahnhaftem Zustand aufgegriffen worden sei. Bei einer Hausdurchsuchung hatte die Polizei ebenfalls verbotene Waffen bei ihm gefunden. Weiterhin stehe sein Patient unter einem hohen Drogendruck, so der Mediziner. Auf die Frage, ob er wieder schwach würde, wenn ihm Drogen angeboten würden, habe dieser geantwortet: „Als Junkie kann ich die Frage nicht mit nein beantworten.“ In dem Fall könnten die psychotischen Symptome wieder auftreten.

Verteidigerin rät zu einer Drogentherapie

Verteidigerin Katrin Behringer riet ihrem Mandanten in ihrem Plädoyer denn auch „ganz dringend“ zu einer Drogentherapie. Dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik hatte sie indes „wenig entgegenzusetzen“, wie sie zugab. Dennoch sei im Zuge des Verfahrens zu prüfen gewesen, ob im Fall des Beschuldigten ein Entzug nicht ausreichend wäre, insofern die Drogen die Wurzel des Übels darstellten. Der Beschuldigte betonte in seinem Schlusswort, dass ihm seine Tat leidtue.

Das Gericht kam in der Gesamtwürdigung zu dem Ergebnis, dass vom Beschuldigten infolge seines Zustandes auch weiter erhebliche Straftaten zu erwarten sind und er deshalb für die Allgemeinheit gefährlich ist. Dass in der Brandnacht keine Personen zu Schaden kamen, sei einem Insassen der benachbarten Jugendarrestanstalt, der das Feuer bemerkte und eine Justizvollzugsbeamtin alarmierte, sowie dem schnellen Eintreffen der Feuerwehr zu verdanken. „Die Unterbringung in der Klinik und die Behandlung dort sind auch für Sie das Beste“, sagte Richter Fischer zum Beschuldigten.

Ihr Autor

BT-Redakteur Sebastian Linkenheil

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Erstellt:
2. März 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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