Kliniktür für Notfälle rund um die Uhr geöffnet – eigentlich

Rastatt (ema) – Ein Vater kommt nachts mit seiner 17-jährigen Tochter an die Pforte der Rastatter Klinik. Verdacht auf akute Nierenkolik. Dass ihnen nicht geöffnet wird, begründet die Verwaltung mit einem Missverständnis.

In Zeiten der Corona-Krise bewacht eine Sicherheitsfirma den Eingang des Rastatter Klinikums. Foto: Linkenheil

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In Zeiten der Corona-Krise bewacht eine Sicherheitsfirma den Eingang des Rastatter Klinikums. Foto: Linkenheil

Die Eingangstüren des Rastatter Krankenhauses sind für Notfälle rund um die Uhr geöffnet. Dies unterstreicht das Klinikum Mittelbaden nach einem nächtlichen Vorfall in der vergangenen Woche.

Ein Vater aus Muggensturm stand am Mittwoch gegen 4.10 Uhr mit seiner 17-jährigen Tochter vor der Pforte. Das Mädchen litt, wie sich später herausstellte, an einer akuten Nierenkolik. Die Eingangstür des Krankenhauses war verschlossen und auch auf mehrmaliges Klopfen an der Scheibe habe die Mitarbeiterin am Empfang immer nur den Kopf geschüttelt – ohne weitere Information oder Hinweise, berichtet der Vater.

„Wenn, aus welchen Gründen auch immer, eine medizinische Versorgung dort nicht möglich war, hätte man dies uns zumindest mitteilen können“, schreibt der Vater in einer E-Mail ans Badische Tagblatt.

Ein Missverständnis

Beim Klinikum bedauert man den Vorfall und spricht von einem „Missverständnis“. Hintergrund: Die Pforte des Rastatter Krankenhauses ist seit einiger Zeit in der Nacht ab 22 Uhr bis in den frühen Morgen nicht mehr besetzt. Den Job müssen Mitarbeiter der Zentralen Notaufnahme (ZNA) mit erledigen. Da die ZNA im hinteren Bereich des Gebäudes liegt, haben die Mitarbeiter jene Ankömmlinge, die nachts vorne klingeln, über die Kamera im Blick.

Dass in jener Nacht die ZNA-Mitarbeiterin überhaupt an der Pforte war, sei ein Zufall gewesen, heißt es in der Stellungnahme des Unternehmens. Bei der routinemäßigen Verlegung der Pfortenfunktion von der Zentralen Notaufnahme an den Eingangsbereich habe man die Technik nicht so schnell hochfahren können, sodass die Eingangstür von der Pforte aus nicht sofort geöffnet werden konnte. Aus diesem Grund sei die Mitarbeiterin noch einmal zurück in die Zentrale Notaufnahme, um von dort zu öffnen. Im Klinikum geht man davon aus, dass der Beschwerdeführer das Kopfschütteln der Frau als Verweigerung der Hilfeleistung missinterpretiert und sich deshalb entfernt habe. Die Nachtdienstmitarbeiterin habe noch am selben Tag das Missverständnis dem Muggensturmer erläutert. Der Vater war nach eigenen Angaben ins Klinikum nach Balg gefahren, wo die Diagnose gestellt wurde.

Die Mutmaßung des Beschwerdeführers, dass es möglicherweise wegen Corona zu Einschränkungen bei der medizinischen Versorgung in akuten Notfällen komme, weist das Klinikum in diesem Zusammenhang zurück.


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