Klinikum Mittelbaden an Kapazitätsgrenze

Baden-Baden/Karlsruhe (naf/win) – „Besorgniserregend“: Ein Wort reicht dem medizinischen Geschäftsführer, Dr. Thomas Iber, um die Entwicklung im Klinikum Mittelbaden (KMB) zu beschreiben.

Bisher konnten laut Geschäftsführer Iber alle Covid-Patienten im Klinikum Mittelbaden regulär versorgt werden. Foto: Klinikum Mittelbaden/Archiv

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Bisher konnten laut Geschäftsführer Iber alle Covid-Patienten im Klinikum Mittelbaden regulär versorgt werden. Foto: Klinikum Mittelbaden/Archiv

70 Patienten befanden sich am Freitag auf der Corona-Station, zwölf von ihnen wurden intensivmedizinisch betreut. „Die dritte Welle ist nochmals deutlich stärker als die erste und die zweite es waren“, erklärt Iber. Auf die Frage, wann die Kapazitäten voll ausgelastet seien, antwortet er nur: „Wir arbeiten seit Tagen an der Kapazitätsgrenze.“

Trotzdem habe man bisher alle Covid-Patienten „regulär und sehr gut“ versorgen können. Das sei allerdings nur durch die Erweiterung der Intensivkapazitäten und „durch die großartige Flexibilität und Leistungsbereitschaft unserer Mitarbeiter“, wie Iber betont, möglich gewesen. Des Weiteren mussten alle planbaren, elektiven operativen Eingriffe an allen Klinikstandorten in dieser und der kommende Woche abgesagt werden. Zuvor sollten diese nur bis zum 11. April ausgesetzt werden. „Die Versorgung von onkologischen Patienten sowie allen Notfallpatienten ist noch gewährleistet“, ergänzt der Geschäftsführer.

Handlungsspielraum durch Clusterkonzept

Das Klinikum habe außerdem bereits Verlegungen von Patienten innerhalb des Clusterkonzepts vornehmen müssen. Das ermögliche auch zukünftig einen gewissen Handlungsspielraum, sollte es zu weiteren Covid-Patienten kommen, so Iber. Das Konzept sieht vor, dass Kliniken sich durch die wechselseitige Übernahme von Patienten gegenseitig unterstützen.

Nicht nur in Mittelbaden gelangen Ärzte an ihre Belastungsgrenze, der Medizinische Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Karlsruhe, Dr. Michael Geißler, schlägt mit Blick auf die sich wieder füllenden Intensivstationen Alarm und fordert, bei weiter steigenden Inzidenzzahlen die Lockdown-Beschlüsse endlich konsequent umzusetzen. „Wir müssen jetzt reagieren, damit die dritte Welle der Pandemie gebrochen werden kann“, appelliert Geißler an die politisch Verantwortlichen. Spielräume für Lockerungen sehe er aus medizinischer Sicht derzeit absolut nicht.

„Alles, was jetzt draußen schief läuft, landet zwangsläufig bei uns“

Modellrechnungen, die sich bisher als sehr seriös erwiesen hatten, haben ergeben, dass die deutschen Krankenhäuser in den nächsten zwei bis drei Wochen ihre Belastungsgrenze erreichen werden. Schon jetzt gebe es in der Region Karlsruhe und in Mittelbaden kaum noch freie Intensivbetten. Lasse man die Entwicklung allerdings weiterlaufen, dann setze man Menschenleben aufs Spiel. „Wir sind die letzte Wiese. Alles, was jetzt draußen schief läuft, landet zwangsläufig bei uns.“

Helfen würde auch eine Änderung der Impfstrategie, denn es habe sich gezeigt, dass bereits nach der ersten Impfdosis ein 80-prozentiger Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bestehe. Das müsse genutzt werden, um die Krankenhäuser zu entlasten. So lange es nicht genügend Impfstoffe gebe, müsse deshalb verimpft werden, was da ist. Kontingente zurückzuhalten, sei ein Fehler. Weiterhin müsse die Stiko dazu bewegt werden, die Impfreihenfolge zu lockern. Die inzwischen weit verbreiteten Virus-Mutationen sorgen dafür, dass zunehmend jüngere Menschen mit schweren Krankheitsverläufen in den Krankenhäusern landen. Selbst Kinder sind aktuell im Städtischen Klinikum wegen Corona-Infektionen in Behandlung.

Ihr Autor

BT-Volontärin Nadine Fissl und Winfried Heck

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Erstellt:
9. April 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 22sec

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