Klinkner: „Abbruch lag auf der Hand“

Baden-Baden (moe) – Der Südbadische Handballverband hat die aktuelle Saison aufgrund der Corona-Krise abgebrochen. Warum und wie es jetzt weitergeht, erklärt SHV-Präsident Alexander Klinkner im BT-Interview.

„Der allerwichtigste Grund war natürlich das Thema Gesundheit“, sagt Alexander Klinkner über den Saisonabbruch. Foto: Kaufhold/Archiv

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„Der allerwichtigste Grund war natürlich das Thema Gesundheit“, sagt Alexander Klinkner über den Saisonabbruch. Foto: Kaufhold/Archiv

Seit Sonntagabend herrscht Klarheit: Die Saison 2019/20 ist Geschichte, der Südbadische Handballverband (SHV) hat die Spielrunde, die bereits seit dem 13. März unterbrochen war, aufgrund der Corona-Krise vorzeitig beendet. BT-Sportredakteur Moritz Hirn hat sich mit SHV-Präsident Alexander Klinkner über die Entscheidungsfindung, die Gründe für den Abbruch und die weiteren Szenarien unterhalten.

BT: Herr Klinkner, ursprünglich war eine Entscheidung in Sachen Saisonabbruch erst Mitte dieser Woche angedacht. Warum ging es jetzt doch so schnell?

Alexander Klinkner: Mit der Veröffentlichung des DHB am Freitag war die Katze quasi aus dem Sack. Man hat – um es sportlich zu sagen – den Pass gespielt bekommen und musste ihn nur noch reinmachen. Da waren wir uns im SHV-Präsidium sehr schnell einig, auch weil wir uns ja vorher schon in die Entscheidungsfindung auf DHB-Ebene eingebracht haben. Insofern war klar, dass es eigentlich keinen Sinn macht, noch länger zu warten und die Vereine spekulieren zu lassen.

Handball ist vor allem Kontaktsport

BT: Sie haben sich die Entscheidung nach eigenem Bekunden nicht leicht gemacht. Was hat letztlich für einen Abbruch gesprochen?

Klinkner: Der allerwichtigste Grund war natürlich das Thema Gesundheit – für die Spieler, die Zuschauer, die Schiedsrichter, für alle, die an unserem geliebten Handball mitwirken. Und zwar nicht nur in der Phase, in der wir Spiele austragen. Die weit größere Zeit, in der Menschen miteinander in Kontakt sind, ist das Training. Handball ist eine Mannschafts-, vor allem aber auch eine Kontaktsportart. Wenn man sich diese Tatsachen vor Augen führt, kann man mit einem Trainingsbetrieb erst wieder beginnen, wenn die Situation sich wieder so normalisiert hat, dass man davon ausgehen kann, dass das Training auch zu einem Spielbetrieb führt. Und das kann man – Stand heute – nicht zeitlich einschätzen. Wenn man dann auch noch die Sommerferien im Blick hat – auch die in den nördlichen Bundesländern, weil wir ja bundesweit einheitlich vorgehen wollen – kommt man bald an den Punkt, an dem man Nägel mit Köpfen machen muss, um Planungssicherheit für die Vereine zu schaffen. Also lag der Abbruch auf der Hand.

Drei größere Szenarien

BT: Es wird in dieser Saison keine Ab-, sondern lediglich Aufsteiger geben. Welche weiteren Szenarien werden in Sachen Wertung der Saison diskutiert?

Klinkner: Es gibt zum einen das „Skispringer-Szenario“. Dort wird nach einem Wertungsdurchgang abgebrochen, wenn im zweiten der Wind zu stark wird. Das würde bei uns heißen: Die Hinrunde zählt. Das hat den Vorteil, dass jede Mannschaft einmal gegen jede andere gespielt hat. Man würde aber beispielsweise negieren, dass seit Ende der Hinrunde eben auch schon die Hälfte der Rückrunde absolviert wurde. Das rückt ein weiteres Szenario in den Fokus, das der Hessische Handballverband gewählt hat: Abbruch der Runde nach dem 13. März. In Südbaden hätten wir dann Vereine mit unterschiedlicher Anzahl von Spielen, das ist aus sportlicher Sicht unscharf. Das wiederum könnte zu einer Regelung führen, wie sie etwa im nordamerikanischen Basketball und Eishockey angewandt wird, nämlich eine Art Quotientenregelung. Ausgehend von diesen drei großen Ansätzen gibt es weitere Verfeinerungen, die versuchen, die Nachteile der jeweiligen Szenarien zu heilen.

Entscheidung bis Mitte nächster Woche

BT: Bis wann ist mit einer Entscheidung zu rechnen?

Klinkner: Es wird in dieser Woche noch mehrere Gesprächsrunden auf DHB-Ebene geben. Bis dahin führen wir Diskussionen mit Spieltechnikern und Landesverbänden informeller Art. Zudem hat der DHB angekündigt, dass es einen Bundesratsbeschluss im Umlaufverfahren geben wird. Ich könnte mir vorstellen, dass wir diesen Beschluss über die Osterfeiertage zumindest zur Entscheidungsfindung im Landesverband bekommen. Über Ostern können wir im SHV dann unsere Position beschließen und Rückmeldung an den DHB geben. Die Auswertung wird dann noch bis Anfang oder Mitte nächster Woche dauern. Damit wären wir immer noch im ursprünglich bis 19. April avisierten Zeitfenster.

BT: Glauben Sie, dass die Runde 2020/21 zum regulären Zeitpunkt starten kann?

Klinkner: Wenn wir die Runde Ende September starten wollen, brauchen die Vereine eine entsprechende Trainings- und Vorbereitungszeit. Deshalb müssen wir uns davon lösen, zu fragen: Wann geht die Runde los, sondern wann geht die Vorbereitung los? Spätestens Ende Juli, Anfang August ist das überall der Fall. Das Thema Kondition und Kraft kann man vielleicht individuell hinkriegen, aber spätestens Anfang September muss man einen Ball in die Hand nehmen. Das ist der entscheidende Punkt, auf den wir zulaufen.

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Erstellt:
6. April 2020, 21:30 Uhr
Lesedauer:
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