Klinkner: „Vereine wollen altes System zurück“

Rastatt (moe) – Im BT-Interview spricht Handballpräsident Alexander Klinkner über die Aushängeschilder des Bezirks, Neuigkeiten beim Spielmodus und die geplante Fusion der Südwest-Verbände.

Aus drei mach eins: Die Handballverbände im Südwesten wollen bis Mitte 2025 fusionieren. Erste Entscheidungen sind bereits getroffen. Foto: imago images/Oliver Zimmermann

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Aus drei mach eins: Die Handballverbände im Südwesten wollen bis Mitte 2025 fusionieren. Erste Entscheidungen sind bereits getroffen. Foto: imago images/Oliver Zimmermann

Alexander Klinkner ist erleichtert – und auch ein Stück weit stolz. Erstmals seit dem Amtsantritt des Präsidenten des Südbadischen Handballverbands (SHV) vor rund vier Jahren konnte eine Saison regulär – und obendrein ziemlich geräuschlos – zu Ende gespielt werden. Das lag freilich auch am veränderten Modus, den der SHV krisenbedingt ausgerollt hatte. Wie Klinkner im Interview mit Moritz Hirn andeutet, wird indes zur neuen Spielrunde wohl wieder zurückgerudert. Voll des Lobes ist der 51-jährige Funktionär für die Aushängeschilder des Handball-Bezirks, zittern muss er indes mit seinem Heimatverein.

BT: Herr Klinkner, die Männer ihres Heimatvereins, also der HR Rastatt/Niederbühl, haben in der entscheidenden Saisonphase ihre tolle Ausgangslage verspielt und müssen nun um den Klassenerhalt in der Landesliga bangen. Wie bitter ist das aus Sicht eines HR-Urgesteins?
Alexander Klinkner: Natürlich blutet mir da das Herz. Nach der Niederlage im letzten Saisonspiel in Altenheim hingen die Köpfe der Spieler natürlich nach unten. Die gute Ausgangslage, mit 7:1 Punkten in die Abstiegsrunde gegangen zu sein, wurde freilich nicht erst mit der Niederlage in Altenheim verspielt, das ging schon vorher los. Jetzt geht es wahrscheinlich in die Relegation, das ist sicher nochmal eine ganz besondere Situation, weil sich ganz viel Emotion auf ein oder zwei Spiele konzentriert. Da wird sich zeigen, wie sehr der eine für den anderen brennt.

BT: Darf der SHV-Präsident denn einem Verein die Daumen drücken?
Klinkner (lacht): Der Präsident darf Daumen drücken, das nehme ich mir raus und hoffe nicht, dass etwas Gegenteiliges in der Satzung steht. Ich drücke natürlich beide Daumen, dass die HR die Landesliga halten wird. Ich habe jüngst in der Halle in Niederbühl noch die Urkunde hängen sehen, auf der ich dem Verein zur Bezirksmeisterschaft gratuliert habe. Und ich hoffe nicht, dass wir jetzt den Abstieg hinnehmen müssen.

„Überragende“ Arbeit der Rebland-SG und des TVS Baden-Baden

BT: Am anderen Ende des Leistungsspektrum halten die Männer des TVS Baden-Baden als frisch gebackener Drittliga-Aufsteiger sowie die Frauen der SG Steinbach/Kappelwindeck die Fahne des Bezirks Rastatt hoch. Wie schätzen Sie die Leistung der Clubs ein?
Klinkner: Am vergangenen Samstag war ja ein emotionaler Abend bei der Rebland-SG mit der Meisterschaftsehrung der zweiten Frauenmannschaft, die von der Südbadenliga in die vierthöchste deutsche Spielklasse aufgestiegen ist. Dass die SG in der neuen Saison einen Dritt- sowie einen Viertligisten stellen wird, ist schlicht überragend. Das ist eine absolute Erfolgsgeschichte. Der Autor der Erfolgsgeschichte ist Arnold Manz, unterstützt von einem engagierten Team.

BT: ... und die Arbeit in Sandweier?
Klinkner: Ich halte das Konzept, das die Abteilungsleitung dort seit Jahren fährt, also Talente aus der Region auch in der Region zu halten, für sehr, sehr erfolgreich. Der mutige Schritt, jetzt wieder in die dritte Liga zu gehen, ist super. Davon können Verein und auch die Spieler nur profitieren. Ich glaube, im Vergleich zum ersten Drittliga-Jahr 2018 ist das Team erfahrener und auch ausgeglichener besetzt. Deshalb hoffe ich, dass Sandweier die Fahne des SHV in der dritten Liga nicht nur in der nächsten Saison hochhalten wird. Insgesamt gilt: Ganz tolle Leistung des Trainerteams und der Abteilungsleitung. Das Beispiel zeigt, dass sich engagierte, nachhaltige Arbeit auszeichnet.

Modus hat sich bewährt

BT: Die laufende Saison ist vielerorts schon beendet oder liegt in den allerletzten Zügen. Wie hat sich Ihrer Einschätzung nach der Krisenmodus, also die regionale Unterteilung der Ligen aufgrund der Pandemie-Auswirkungen, bewährt?
Klinkner: Ich habe jüngst schon ein paarmal gesagt, dass ich stolz bin auf die erste abgeschlossene Saison seit ich das Amt des SHV-Präsidenten innehabe (lacht). Der neue Modus mit Vor-, Meisterschafts- und Abstiegsrunde war für alle Beteiligten Neuland. Ich glaube, rückblickend sagen zu können, dass sich der Modus bewährt hat. Gerade auch in der aktuellen Saison, in der wir ja den Spielbetrieb zwischendurch unterbrechen mussten. Das neue System bietet einen anderen Charme als der klassische Modus, beim einen Verein fällt das Fazit positiver aus als beim anderen. Das registrieren wir natürlich.

BT: Gibt es schon Tendenzen, in welchem Modus in der kommenden Saison gespielt werden soll?
Klinkner: Die Abfrage bei den Vereinen läuft, ob das aktuelle System beibehalten werden soll oder ob wir wieder zurückgehen. Die Tendenz ist klar, dass die Vereine zum alten System zurückkehren wollen. Ich hoffe daher, dass wir keine neuen Pandemie-Einschläge hinnehmen müssen.

BT: Und wenn doch?
Klinkner: Im alten Modus würde uns bei einer Unterbrechung oder bei einem Abbruch mit aller Wahrscheinlichkeit nur die Lösung mit der Quotientenregel bleiben, wenn denn genügend Spiele absolviert wären. Aber auch die ist ja mittlerweile bewährt und auch in den Statuten des DHB entsprechend rechtlich abgesichert.

„Keine Ablehnung“ der geplanten Fusion

BT: Bis Mitte 2025 sollen die drei Landesverbände im Südwesten zu „Handball Baden-Württemberg“ fusioniert sein. Wie ist diesbezüglich der aktuelle Stand der Dinge?
Klinkner: Was wir gerade realisiert haben, ist die sehr, sehr wichtige Besetzung der ersten Ebenen der Leistungssportpyramide. Wir haben mit Ecki Nothdurft einen ausgewiesenen Handball-Fachmann als Leistungssportdirektor verpflichtet. Auch auf den anderen Ebenen machen wir sehr gute Fortschritte. Das ist insofern wichtig, da zur neuen Saison die Verantwortlichkeit für die Landeskader an Handball Baden-Württemberg übergeht. Das gehört zum Zielbild des DHB und des LSV. Darüber hinaus gibt es viele Veränderungen im Kleinen, die darauf abzielen, den Zusammenschluss zu gestalten. Dabei geht es etwa um die Unterstützung der Vereine bei der Mitgliedergewinnung. Ganz wichtig ist auch das Thema Spielstruktur, da arbeiten wir mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg zusammen. Die Wissenschaftler haben von uns eine Auflistung der bisherigen Spielklassen und Vereine bekommen und berechnen nun, wie viele Ebenen der Spielstruktur wir brauchen und wie viele Mannschaften sinnvoll aktiv sind.

BT: Gibt es seitens der Vereine kritische Äußerungen?
Klinkner: Im Wesentlichen werden zwei Punkte als Fragen angesprochen. Der erste: Wie werden unsere südbadischen Talente in der neuen Struktur sichtbar? An der Sichtbarkeit wird sich bis 2025 zunächst einmal nichts verändern. Und über den Zeitpunkt hinaus sehe ich aktuell keine Anhaltspunkte, warum die Förderung der Talente schlechter werden sollte. Der zweite Punkt ist die Spielstruktur, das Spielsystem in der „neuen Welt“. Wie groß wird die Bezirksklasse? Wie weit muss ich in der Landesliga fahren? Diese Themen sind in Arbeit, konkrete Antworten auf derartige Detailfragen wird uns die Zeit bis 2025 zeigen müssen. Aber grundsätzliche Ablehnung hören wir in den virtuellen und persönlichen Treffen nicht.

Erleichtert: Alexander Klinkner. Foto: Klinkner/SHV

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Erleichtert: Alexander Klinkner. Foto: Klinkner/SHV


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