Klinsi grinst nicht mehr

Berlin (rap) – 76 Tage dauerte die Amtszeit von Jürgen Klinsmann als Trainer des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC Berlin. Am Dienstagmorgen folgte dann der Paukenschlag: Der 55-jährige Schwabe trat via Facebook – ohne das Wissen der Hertha-Verantwortlichen – zurück. Dabei hatte Klinsmann mit dem Hauptstadtklub doch große Pläne und Visionen. Ein Kommentar.

Lässt mit seinem überraschenden Rücktritt nun die Hertha im Regen stehen: Jürgen Klinsmann. Foto: Pedersen/dpa

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Lässt mit seinem überraschenden Rücktritt nun die Hertha im Regen stehen: Jürgen Klinsmann. Foto: Pedersen/dpa

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“, meinte Helmut Schmidt einst im Wahlkampf 1980. Visionen hatte auch Jürgen Klinsmann mit den Hauptstadtkickern. Aus Hertha BSC wollte der dauerlächelnde Schwabe Hertha BCC machen – einen „Big City Club“. Mit Hilfe seines guten Freundes Lars, Nachname Windhorst, 43-jähriger Unternehmer, der rund 225 Millionen Euro in den Verein pumpte. Vollmundig rief der Bundestrainer a.D. zunächst als Aufsichtsratsmitglied und ab Ende November dann als Interimstrainer in absehbarer Zeit die Champions-League-Teilnahme aus, ja sogar die Meisterschale sollte es sein. Kleine Brötchen backen – noch nie die Sache des Bäckersohns. Dazu holte sich Klinsmann, der in Kalifornien lebt, wie schon bei der „Mission Sommermärchen“ reihenweise Experten an seine Seite: Als Co-Trainer Nouri, sein alter Spezl Andi Köpke half als Torwarttrainer aus, für Arne Friedrich wurde die Stelle des „Performance Manager“ (nähere Berufsbeschreibung unklar) installiert. 76 Tage nach seinem Antritt als Coach ist „Grinse-Klinsi“ wieder Geschichte. Gestern verkündete der 55-Jährige seinen Rücktritt via Facebook – ganz ohne das Wissen der Hertha-Verantwortlichen, nur sein guter Freund Lars wusste Bescheid. Nicht die feine englische, eher die amerikanische Art à la Donald Trump. Dabei begründete Klinsmann den Schritt mit „fehlendem Vertrauen“. Vielmehr sieht es aber danach aus, dass er Fahnenflucht begeht, nachdem die Hertha wieder zurück im Abstiegskampf ist. Für die BSC-Anhänger bleibt derweil nur zu hoffen, dass sie nicht in bitterer Realität aufwachen – und zwar in Liga zwei.

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Erstellt:
11. Februar 2020, 12:58 Uhr
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