Kluges und buntes Bekenntnis zur Neugier

Karlsruhe (kie) – Mit „1001 Nacht“ zeigt das Badische Staatstheater Karlsruhe ein vielschichtiges und humorvolles Familienstück zur Weihnachtszeit.

Prinz Husein (rechts: Hadeer Hando) möchte seine Angebetete mit einem fliegenden Teppich beeindrucken, den er bei einem Händler (Lodi Doumit) erwirbt. Foto: Felix Grünschloss

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Prinz Husein (rechts: Hadeer Hando) möchte seine Angebetete mit einem fliegenden Teppich beeindrucken, den er bei einem Händler (Lodi Doumit) erwirbt. Foto: Felix Grünschloss

Die Neugier ist der Antrieb: Nicht nur der König im namengebenden Märchen möchte immer weiter den fantastischen Geschichten der jungen Frau Schahresad lauschen, sondern auch der von Nader Ben-Abdallah gespielte Bühnenarbeiter Ahmed. Eigentlich will er die Künstler, die da gerade für das Stück „1001 Nacht“ proben, direkt von der Bühne schmeißen – doch die Neugier verleitet ihn dann dazu, dem Schauspiel etwas beizuwohnen, bis er am Ende sogar selbst mitspielt.

Nicht nur Ahmed ist schließlich verzaubert: Mit „1001 Nacht“ gelingt Jakob Weiss (Regie und Bühne) im Kleinen Haus des Badischen Staatstheaters eine fabelhafte und zugleich moderne Märchenadaption, die so manches Mal vor nahezu voll besetztem Publikum für Lacher sorgte. Bunt und humorvoll greift die Bühnenfassung mit „Prinz Ahmed und die Fee Paribanu“ und „Die Geschichte vom Magnetberg“ zwei bekannte orientalische Geschichten auf und bettet diese sensibel und zeitgemäß (Interkulturelle Beratung: Mehrnousch Zaeri-Esfahani) in die Rahmenhandlung der probenden Schauspieler ein. Der Märchenstoff wird so auf der Bühne zur Realität und die Fantasie damit zum tragenden Element der realen Handlung.

Musikalische Rahmung bereichern die magische Atmosphäre

Besonders eindrücklich ist dabei die musikalische Rahmung durch Naima Husseini, die zugleich auch die musikalische Leitung von „1001 Nacht“ innehat. Eigens komponierte Songs unter Einsatz von E-Gitarre, Zitter, Hang Drum, Kazoo oder Cajon, die auf der Bühne unter Einbeziehung der Schauspieler Lodi Doumit, Laura Teiwes, Nader Ben-Abdallah und Hadeer Hando von Husseini präsentiert werden, ergänzen und bereichern die magische Atmosphäre, die bei der Premiere zu erleben ist. Auch Hintergrundgeräusche stellt Husseini zur Verfügung, was gerade für die jüngsten Besucher ein gewinnbringender Einblick in die Theaterproduktion zur Folge haben dürfte.

Die Kostüme von Elena Gaus wirken auf der mit mehreren bunten Vorhängen geschmückten Bühne und zwischen Orientteppichen, bestickten Kissen und einer großen orange leuchtenden Lampe zugleich verspielt und modern: Da trägt der König etwa eine Krone aus Löffeln und Gabeln, eine lederne Wendejacke macht aus dem Bühnenarbeiter behände den Prinzen Ahmed und ein Händler erscheint mit übergroßer Sonnenbrille.

Die schnellen szenischen Wechsel und die Sprünge zwischen der fantastischen Märchen- und der realen Bühnenwelt, auf der die Märchenhandlung hinterfragt oder ergänzt wird, sind schauspielerisch eine Herausforderung. Die Leistung von Doumit, Ben-Abdallah, Hando und Teiwes überzeugt durchweg. Letzteren gelingt es zudem vortrefflich, scheinbar problemlos zwischen männlichen und weiblichen Rollen zu wechseln.

„1001 Nacht“ wird damit zu einer lustigen, klugen und vielschichtigen Märchenerzählung – und einem Bekenntnis zur Neugier: Schließlich war sie es, die Schahresad nach 1001 Nächten des Geschichtenerzählens vor dem Tod bewahrt hat.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Franziska Kiedaisch

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Erstellt:
15. November 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 19sec

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