Knöpfle an Fenstern und Türen

Kuppenheim (ar) – Angesichts der Corona-Krise sind die Aktiven der Narrenzunft Knöpfle leiser. Aber sie verstummen nicht.

Ganz ohne die fünfte Jahreszeit geht es nicht: Die Narrenzunft Knöpfle hat ihren Jahresorden verteilt.Foto: Anne-Rose Gangl

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Ganz ohne die fünfte Jahreszeit geht es nicht: Die Narrenzunft Knöpfle hat ihren Jahresorden verteilt.Foto: Anne-Rose Gangl

„Narri-Narro“ und „Knöpfle g’schosse“ hallt es normalerweise ab dem Dreikönigstag überall in Kuppenheim. In diesem Jahr sind die Narren der Narrenzunft Knöpfle leiser, aber sie verstummen nicht, denn Corona kann ihre Leidenschaft für die Fastnachtskultur nicht brechen.

„Keine Fastnacht 2021, mir zerreißt es fast mein Herz“, sagt Ramona Kleinkopf vom Vorstand der Kuppenheimer Narrenzunft Knöpfle. In der Region kennt man sie als urwüchsige Fastnachterin, die für jeden Schabernack, für jeden Sketch und stets für gute Stimmung bekannt ist. „Ich bin eine Fastnachterin durch und durch und habe in diesem Jahr meinen Weihnachtsbaum zum Narrenbaum umdekoriert“, sagt sie. Natürlich wurde am 6. Januar auch das Häs entstaubt und übergezogen, doch so richtig Fastnacht – das gehe nur mit Abstand und auf eine ganz andere Weise.

Während der vielen Fastnachtsveranstaltungen im vergangenen Jahr nahmen die Knöpfle Abschied von der Wörtelhalle, deren Bühnenaufbau sie ein allerletztes Mal abbauten, die vielen Hundert Flicken an der Decke ein letztes Mal abhängten. Viele Ideen wurden bereits geschmiedet, denn Fastnacht 2021 sollte das erste Mal in der neuen Kuppenheimer Veranstaltungshalle stattfinden. „Ich hatte schon die Idee für meine Büttenrede und mein Sohn Jan hatte seine Rede schon fast fertig“, erzählt Ramona Kleinkopf.

Orden erinnert an „katastrophale Zeit“

Doch dann kam Corona und bremste sie wie viele andere Fastnachtsvereine im ganzen Land aus. Ein geregelter Proben- und Trainingsbetrieb für die Tanzgruppen und Aktiven war während des Jahres nicht möglich. Im Sommer wurde ein Hygienekonzept ausgearbeitet, um die traditionelle Ordensmatinee am 6. Januar nach Gruppen gestaffelt durchführen zu können. Am 22. September jedoch hat der Zunftrat aufgrund der zunehmenden Infektionszahlen beschlossen, keine Hallenveranstaltungen in der Fastnachtssaison 2021 durchzuführen und auch auf die Teilnahme an Umzügen zu verzichten.

Einig waren sich aber alle: Ganz ohne die fünfte Jahreszeit geht es nicht. Sascha Leucht entwarf den Jahresorden 2021, der ein Knöpfle im Häs zeigt, das jedoch einen Mund-Nasen-Schutz trägt. „Dieser Orden wird uns immer an diese katastrophale Zeit erinnern“, sagt Ramona Kleinkopf, die sich ihren Humor aber dennoch nicht nehmen lässt. Ihr Bruder Joachim Simon hatte die Idee, den Jahresorden an alle rund 100 aktiven Mitglieder zu verteilen, und zwar gemeinsam mit einer Farbkopie und dem Appell, diese an die Fenster und Haustüren zu hängen. „Wir haben die Umschläge mit dem Orden nach Straßen sortiert und dann in Bischweier, Oberndorf und Kuppenheim ausgefahren. Ich bin mir wie ein Postauto vorgekommen“, so Kleinkopf. Gedacht wurde auch an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Murgtalwerkstätten, die sich jedes Jahr auf die Fastnacht mit den Menschen mit Behinderung freuen. „Sie bekommen die Ausschneidebilder mit unserem Knöpfle, genauso wie die Kindergärten“, erzählt Kleinkopf.

Wer nun durch Kuppenheim fährt, kann an so manchem Fenster den Knöpfle-Jahresorden finden. Noch mehr närrisches Treiben der Knöpfle gibt es auf Facebook und Instagram zu sehen. Dort sollen immer mal wieder kleine TikTok-Videos oder Bilder eingestellt werden, ebenso ist eine Videobotschaft von Zunftmeisterin Ilona Schmitt-Walz zu finden. „Jan, Charli Bader und Ralf Schulz sind schon am Proben“, verrät Ramona Kleinkopf. „Narri-Narro“ und „Knöpfle g’schosse“ hört man bestimmt auch am Schmutzigen Donnerstag und Fastnachtssamstag in der Knöpflestadt, wenn so manches Narrenzunftmitglied im Häs, ohne Holzmaske, aber mit Mund-Nasen-Schutz in der Stadt unterwegs ist.

„Wichtig ist, dass die Fastnacht weiterlebt. Aber die beginnt ja zum Glück im Herzen, und da lassen wir unsere Vorfreude wachsen, bis wir hoffentlich bald alle wieder zusammen unsere Tradition ausleben können“, sagt Ramona Kleinkopf zuversichtlich.


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